Ein Flugplatz voller Fallen und Hindernisse

Von Walter von Arburg. Aktualisiert am 05.03.2010 19 Kommentare

Die Zukunft des Flugplatzes Dübendorf ist offen. Ideen für eine Umnutzung gibt es viele. Hürden aber auch. Und nicht alle sind so leicht aus dem Weg zu räumen wie alte Wegerechte oder einmal geäusserte Standpunkte.

Fern einer Realisierung: Nutzungsideen für das über 400 Fussballfelder grosse Flugplatzgelände in Dübendorf gibt es viele.

pd/Luftwaffe

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Um kaum ein Gelände in der Schweiz wird gegenwärtig so gerungen wie um den Militärflugplatz Dübendorf. Die einen wollen dort weiterhin Flugzeuge starten und landen sehen. Andere träumen von einer Autorennstrecke, einem Forschungszentrum oder einem Vergnügungspark. Und dann gibt es jene, denen ein Naturreservat oder zumindest ein gigantischer Park vorschwebt.

Noch bis 2014 wird der Flugplatz – wenn auch in bescheidenem Rahmen – vom Militär genutzt. Ju-Air, Rega und TCS haben Gastrecht. Was dann kommt, ist offen. Und umstritten. Dass es nicht vorwärtsgeht, liegt am Bundesrat. Denn der will zuerst ein Stationierungskonzept für seine militärische Infrastruktur erarbeiten. Doch solange der bundesrätliche Sicherheitsbericht noch nicht vorliegt und der Ersatz der Kampfjets F-5 Tiger offen ist, muss das Stationierungskonzept warten. Der Sicherheitsbericht soll der Landesregierung nach Angaben von VBS-Sprecher Martin Bühler in einigen Wochen vorgelegt werden, ehe er in die Vernehmlassung geht. Diese dauert voraussichtlich bis zum Herbst. Das Stationierungskonzept dürfte demnach nicht mehr in diesem Jahr verabschiedet werden. Von ihm hängt im Wesentlichen ab, wie es mit dem Flugplatz Dübendorf weitergeht. Der Grundsatzentscheid ist also frühestens im kommenden Jahr zu erwarten. Wie auch immer die Zukunft des Areals aussieht – auf dem Weg dorthin gibt es viele Fallen und Hürden.

Ohne Umzonung läuft nichts

Sollte der Bund die aviatische Infrastruktur weiterhin dem Militär zur Verfügung stellen, könnte sich Dübendorf weiterhin mit dem Etikett «Wiege der Schweizer Luftfahrt» schmücken. Von hier starteten in den 1920er-Jahren die Maschinen von Flugpionier Walter Mittelholzer. Und von 1932 bis 1948 war Dübendorf der Heimatflughafen der Swissair, ehe das Überwachungsgeschwader den Flugplatz ganz übernahm. Eine Entwicklung des Areals und des Umlands ist dann aber nur marginal möglich. Auf dem Flugplatz selbst, weil eine grossangelegte Rückkehr des lärmintensiven Kampfjetbetriebs mit Blick auf die Bevölkerung nicht denkbar ist. In der unmittelbaren Umgebung des Flugplatzes, weil der heutige Lärmkataster, also der Plan, der die Lärmbelastung aufzeigt, gewisse Nutzungsmöglichkeiten wie den Bau neuer Schulhäuser verunmöglicht.

Benötigt der Bund das Gelände nach 2014 aber nicht mehr, ist damit noch lange nicht gesagt, dass gleich die Bagger auffahren können. Zuerst müsste der Bund das Land verkaufen. Oder Parzellen im Baurecht abgeben. Doch auch dann ist eine Überbauung erst möglich, wenn das Areal eingezont wird. Heute liegt praktisch die ganze Fläche in der Landwirtschaftszone. Lediglich der Randbereich mit Dienstgebäuden und Hangars ist Zone für öffentliche Bauten. Im jetzigen Status sind private Baupläne nicht zu verwirklichen.

Kein Ausbau ohne Mehrverkehr

Eher geringe Schwierigkeiten dürften mögliche alte Nutzungsrechte bereiten, die bei einem Landverkauf auftauchen könnten. Laut Marcel Stulz, Leiter des Dübendorfer Grundbuchamts, ist es zwar möglich, dass noch Dienstbarkeiten wie zum Beispiel Wegerechte auf gewissen Grundstücken bestehen. Bedeutsam für die Entwicklung des Flugplatzgeländes wären diese aber kaum.

Ein nicht zu unterschätzendes Problem für künftige Nutzungen ist hingegen der Verkehr. Eine Studie des Ingenieurbüros Ernst Basler und Partner aus dem Jahr 2002, die der Dübendorfer Stadtrat in Auftrag gegeben hat, kommt zum Schluss, dass eine grossflächige Überbauung des Geländes in der Region zwischen 34'000 und 78'000 zusätzliche Autofahrten am Tag zur Folge hätte. Das heute in Stosszeiten hoffnungslos überlastete Brüttiseller Autobahnkreuz kann ohne teuren Ausbau aber keinen zusätzlichen Verkehr bewältigen. Dasselbe gilt für das übrige regionale Strassennetz. Mehrverkehr ist weder in Dübendorf noch ostwärts in Volketswil verkraftbar. Ob die im kantonalen Richtplan vorgesehene Ringbahn von Dübendorf über Wangen und Bassersdorf nach Kloten das Verkehrsproblem lösen würde, ist fraglich, auch wenn heute immer wieder darauf verwiesen wird. Sie würde nie den ganzen Zusatzverkehr absorbieren können.

Überbauung kommt nicht in Frage

Im August 2002 hatten die Anstössergemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen sowie Vertreter von Bund, Kanton, Gewerbe, Industrie, Parteien und Verbänden mögliche Entwicklungsszenarien erarbeitet. Mit dem klaren Ergebnis: Eine Überbauung eines Grossteils des heutigen Flugplatzgeländes kommt wegen des Mehrverkehrs und der hohen Infrastrukturkosten nicht infrage. Dieser kleinste gemeinsame Nenner ist, ebenso wie die apodiktische Absage der drei Anstössergemeinden an die Zivilfliegerei, stets wiederholtes Mantra der lokalen Entscheidungsträger. Je nach favorisiertem Zukunftsprojekt könnten sich diese Äusserungen als Fallgrube erweisen. Dann nämlich, wenn doch ein Grossprojekt ins Auge gefasst werden sollte. Ein nationaler Innovationspark beispielsweise würde mehr mit sich bringen als eine etwas umfassendere Umnutzung der heutigen Gebäude am Rand des Flugplatzes. Ein Grossteil des Geländes müsste überbaut werden. Mit möglicherweise gravierenden Verkehrsfolgen. Überdies sind einige der heutigen Gebäude gar nicht so leicht umzunutzen, weil sie nationale Baudenkmäler sind.

Diese Auslegeordnung zeigt eines klar: Auf dem Weg in die Zukunft des Militärflugplatzes sind nicht alle Hürden hoch. Aber hindernisfrei ist der Weg beileibe nicht.

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Erstellt: 05.03.2010, 04:00 Uhr

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19 Kommentare

Carlo Müller

05.03.2010, 17:17 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Der Flugplatz Dübendorf muss unbedingt erhalten bleiben. a) Ist es strategisch höchst fragwürdig, dass das Militär nur noch in der Zentral- und Westschweiz Basen betreibt. b) Könnte Dübendorf die Privatfliegerei/General Aviation übernehmen und dadurch ZRH entlasten, falls das Militär sich doch noch vollständig zurückzieht. Antworten


Wolfgang Schwarz

05.03.2010, 09:16 Uhr
Melden

@ Anton Keller: Wieso sollte ein S-Bahnanschluss realisiert werden? In allernächster Nähe gibt es doch schon den Dübendorfer Bahnhof ;-) Antworten



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