Zürich
Ein ungleiches Paar findet einen gemeinsamen Weg
«Diese zwei Jahre werden wir nie bereuen – ganz egal, was noch kommt»: Roger Schmid und Daniela Zweifel heiraten. (Christoph Kaminski)
Er: verhandelt und redet leidenschaftlich, liebt es, viele Menschen um sich zu haben, überschäumend, braucht Herausforderungen und kennt keine Langeweile. Sie: hört genau zu und formuliert ihre Gedanken überlegt, schätzt Gespräche im Team, sonnig, bietet dem menschlichen Elend stoisch die Stirn und braucht ihre Ruhe nach der Arbeit. Roger Schmid und Daniela Zweifel könnten unterschiedlicher nicht sein. 1997 lernten sich die beiden durch eine Freundin von ihr kennen. «Ich fand ihn erst recht arrogant», erinnert sie sich – liebevoll schmunzelnd. So dauerte es ein Jahr, bis er sie eines Besseren belehren konnte, und heute, am 4. September, geben sich die Pflegefachfrau und der Verkaufsleiter das Jawort. Am 4. September 2006 traten sie ein fast gleich aufregendes Abenteuer an: eine zweijährige Weltreise.
Mit einem Puma toben
«Meine Eltern wohnten vier Jahre in Australien», sagt die 31-Jährige. Ihre Geschichten von Down Under fesselten sie schon als Dreikäsehoch. «Ich wollte diese Dinge selber erleben.» Ganz anders Roger Schmid: Abenteuerlust, Neugierde und mal etwas anderes als lange Ferien – das waren seine Beweggründe. «Zwei Jahre lang nur Party geht nicht.» Bereits bei der Planung zeigten sich die Unterschiede des Paars: Während er die Vorbereitungen in seiner gewohnten Lockerheit anpackte, reiste «ihre Sicherheit» in einem Köfferchen mit. «Als Krankenschwester war mir wichtig, für den Notfall alles mit dabeizuhaben.» Sein schelmischer Blick spricht Bände, als er hinzufügt: «Ausser einer Magen-Darm-Geschichte in Südamerika ist uns nichts passiert.» In Südamerika erlebten die beiden denn auch das wohl unvergesslichste ihrer Kapitel der Reisegeschichte: In Bolivien arbeiteten sie sieben Wochen lang in einer Auffangstation für verletzte und konfiszierte Wildtiere. Während er und der Pumajüngling Roy täglich fünf Stunden lang durch den Wald tobten, kümmerte sie sich liebevoll um den Pumasenior Quirqui und brachte die Wildkatze geduldig dazu, mit ihr zu spielen.
825 Stunden Bus fahren
Thailand, Kambodscha, Vietnam, Malaysia, Australien, Fidschi, die USA, Mexiko, Panama und Argentinien waren nur einige der Zwischenstationen des Paares, bevor es nun in den Hafen der Ehe einläuft. Daniela Zweifel und Roger Schmid sind auf ihrer Reise insgesamt 825 Stunden lang Bus gefahren, 117 Stunden geflogen und haben unzählige Bootsstunden auf ihrem Reise-Tacho: «Ich war langsam reisemüde», erinnert sich Zweifel. Er: «Im Moment, als der Heimreisetag feststand, hatte ich genug.» Im Oktober landete das Paar wieder in der Schweiz. Die Reise hat die beiden zusammengeschweisst. «Natürlich hatten wir unsere Konflikte, und es hat auch hie und da richtig geklöpft», sagt Schmid. Die Rückkehr in die Schweiz war indes für ihre Beziehung ebenso ein Prüfstein. «Nachdem wir zwei Jahre lang Tag für Tag miteinander verbracht hatten, sind wir jetzt durch meine unregelmässigen Arbeitszeiten nicht viel zusammen», so Zweifel. Der Alltag habe sie aber schnell wieder eingeholt. Sie habe sich eigentlich Zeit lassen wollen, «doch nach einem Monat in der Schweiz wollte ich endlich etwas tun – wieder arbeiten». Während sie die Ungeduld packte, schien er mit jedem Reisekilometer an Geduld gewonnen zu haben: «Als ich das erste Mal im Zürcher Hauptbahnhof stand, drehte ich fast durch. Alle schienen zwei Gänge schneller zu leben als ich.» Die beiden einig: «Diese zwei Jahre werden wir nie bereuen – ganz egal, was noch kommt.»
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Erstellt: 03.09.2010, 21:09 Uhr



