«Glattal ist für ein Stadion ideal»
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 03.02.2011 24 Kommentare
Andreas Sonderegger ist Migtlied der Architektengruppe Krokodil.
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Was halten Sie von der Vision, aus dem Glattal eine Stadt mit mehreren Zentren zu bauen?
Das soll umgesetzt werden.
Das ist untauglich.
Die Idee ist richtig, aber zu masslos.
Die Gemeinden wachsen bereits zusammen.
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Herr Sonderegger, Ihre Architektengruppe will im Glattal eine Stadt bauen. Wie gross ist die Chance, dass diese Wirklichkeit wird?
Man darf das nicht missverstehen. Es geht nicht darum, im luftleeren Raum etwas aus dem Boden zu stampfen. Die Glattalstadt ist jener Teil der Metropolitanregion Zürich mit dem grössten Potenzial. Das Glattal hat als Magnet den Flughafen. Über die Autobahn ist es besser erschlossen als die Stadt Zürich. Es ist darum kein Zufall, dass das Glattal heute vor allem eine autogerechte Gegend ist. Es braucht nun einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs, und das erfordert eine dichte Siedlungsstruktur.
Wie müsste man den ÖV ausbauen?
Es bräuchte zwei Massnahmen: eine direkte Bahnverbindung von Uster zum Flughafen, die nördlich des Hardwalds durchführt. Das ergäbe eine Ringbahn rund um das wichtigste Naherholungsgebiet der Glattalstadt. Zweitens eine zusätzliche Stadtbahn als Mittelverteiler, als Arbeitspferd. Sie würde südlich des Hardwalds durchführen und Quartiere erschliessen, die heute schlecht angebunden sind. Die Abstände zwischen den Stationen wären grösser als bei einem Tram oder bei der Glattalbahn, sonst dauert die Fahrt zu lange.
Dort, wo heute der Bahnhof Dübendorf liegt, sieht Ihre Vision einen Hauptbahnhof Dübenstadt vor. Das Zentrum der Glattalstadt?
Nein, oder besser: nicht nur. Es gibt ja bereits zwei eigentliche Pole: den Flughafen und Uster, das ein kleinstädtisches Zentrum besitzt. Die Glattalstadt würde ja nicht neu gebaut, sondern basiert auf dem Bestehenden. Sie wäre deshalb natürlicherweise eine polyzentrische Stadt. Dübendorf liegt etwa in der Mitte und hat mit dem Gelände des Militärflugplatzes ein enormes Potenzial – es wäre ein idealer dritter Pol.
Grossprojekte wie das Polizei- und Justizzentrum oder das neue Fussballstadion werden heute automatisch in Zürich angesiedelt. Soll man sie besser im Glattal bauen?
Wenn die Stadt Zürich so weiterwächst, ist das absolut unabdingbar. Dass das Uni-Spital prüft, beim Bahnhof Stettbach zu bauen, ist nur folgerichtig. Die ETH platzt aus allen Nähten – es wäre sinnvoll, wenn ein dritter Standort im Glattal läge. Es ist auch für ein Stadion ideal.
Der Zürcher Stadtrat würde das betrauern.
Städte haben ein Interesse daran, dass zentrale Funktionen innerhalb ihrer Stadtgrenzen liegen. Aber es geht uns nicht darum, eine Konkurrenz zu Zürich zu schaffen. Die Glattalstadt ist ein Teil der Metropolitanregion Zürich.
Sie erachten Gemeindefusionen als unnötig, um Ihre Vision zu realisieren. Glauben Sie, dass grosse Würfe in zwölf Gemeinden mit zwölf Gemeindepräsidenten möglich sind?
Daran glaube ich eher als an die grosse Fusionswelle. Die territoriale Ordnung ist im Wesentlichen immer noch die gleiche wie im Mittelalter. Napoleon hat vor zweihundert Jahren versucht, die politischen Grenzen neu zu ziehen. Fünf Jahre später hatten wir die Kantone wieder.
Ist es realistisch, dass Gemeinden zugunsten von anderen freiwillig auf Vorteile verzichten?
Die Glattalgemeinden arbeiten bereits gemeinsam in verschiedenen Gremien, das könnte sich ausweiten. Es gibt keine zentrale Planungsbehörde, kein Amt für Städtebau. Aber man kann das nicht verordnen, das Volk muss mitziehen.
Die Bevölkerung identifiziert sich mit den heutigen Dörfern.
Ja, mit den Dorfkernen, die um 1900 die einzigen Siedlungen waren. Wenn man diese vergleicht mit dem heutigen Siedlungsgebiet, sind sie verschwindend klein. Mit dem Ausbau der Region zu einer Stadt, mit Grünflächen und baulicher Dichte, könnte sich die Identifikation der Bürger der neuen Stadt zuwenden. Ein gutes Beispiel, das bereits besteht, ist der Opfikerpark. Hier hat man auf die grüne Wiese einen 500 Meter langen Teich gebaut. Er kompensiert den fehlenden See, Leute kommen von weither, um hier zu picknicken.
Nochmals: Wie wahrscheinlich ist die Glattalstadt?
Sie ist sicher wahrscheinlicher, als man noch vor wenigen Jahren gedacht hätte. Ich bin überzeugt, dass man heute in grösseren Massstäben denkt. Dass der Flugplatz Dübendorf frei wird, ist eine historische Chance, die nicht allzu lange bestehen wird.
(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.02.2011, 10:45 Uhr
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24 Kommentare
Bei all den Visionen, vergesst einfach nicht billigen Wohnraum zu planen und schaffen. Ich habe es satt für eine Handvoll Immobilienbesitzer den grössten Teil meines sauer verdienten Geldes dafür auszugeben... bremst und/oder verhindert die Landspekulation, zumindest von dem bischen das noch übrig ist, oder soll man weiter eine Form von Feudalsystem unterhalten? Fehlen nur noch Weg-Brückenzölle. Antworten


