Illnau-Effretikon rüstet sich gegen Pandemie

Von Pia Straw. Aktualisiert am 26.01.2009

Die Stadt ist gegen eine Grippe-Pandemie gewappnet. Die Verwaltung hat ein Konzept für den Ernstfall erarbeitet. Damit übernimmt sie im Oberland eine Vorreiterrolle.

Wenn eine Pandemie ausbricht, müssen die Gemeinden bei Massenimpfungen den Kanton unterstützen.

Wenn eine Pandemie ausbricht, müssen die Gemeinden bei Massenimpfungen den Kanton unterstützen.
Bild: Keystone

Pandemie, Epidemie und Endemie

Eine weltweit um sich greifende Infektionskrankheit wird als Pandemie (griechisch: alles Volk betreffend) bezeichnet. Sie kennt grundsätzlich keine zeitlichen und geografischen Grenzen. Bis zu 50 Prozent der Bevölkerung infizieren sich dabei. Eine Grippepandemie zeichnet sich dadurch aus, dass sie durch ein neuartiges Influenzavirus ausgelöst wird. Der Mensch besitzt keine Abwehrkörper dagegen. Im Gegensatz zur Vogelgrippe ist ein solches Virus leicht von Mensch zu Mensch übertragbar.

Im 20. Jahrhundert gab es drei Influenza-Pandemien. Die schlimmste in den Jahren 1918/19 – die «Spanische Grippe» – forderte 20 bis 50 Millionen Todesopfer. Die Pandemie von 1957/58, genannt die «Asiatische Grippe», forderte rund eine Million Menschenleben, und der «Hongkong-Grippe» erlagen in den Jahren 1968–70 über 800'000 Menschen. Das Bundesamt für Gesundheit erachtet es als wahrscheinlich, dass es auch in Zukunft wieder eine pandemische Grippe geben wird. Unklar ist nur, wo und wann sie ausbrechen wird.

Im Gegensatz zur Pandemie ist eine Epidemie eine zeitlich und örtlich begrenzte Krankheit. Typische Beispiele dafür sind Cholera oder Typhus.

Bei einer Endemie ist die Ausbreitung der Infektion zeitlich unbegrenzt, und sie tritt nur in einer bestimmten Region oder Bevölkerungsgruppe auf. So spricht man bei der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündung von einer Endemie, weil die Erreger in bestimmten Gebieten nicht ausgemerzt werden können. (pia)

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Ein neuartiges Grippevirus grassiert schweizweit. In Illnau-Effretikon hüten deshalb 25 Prozent der rund 16'000 Einwohner zu Hause das Bett, rund 25 Prozent der Angestellten bleiben während fünf bis acht Tagen ihrem Arbeitsplatz fern. Die Gefahr, dass noch mehr Menschen erkranken, ist akut.

Dieses düstere Bild hielt sich eine Arbeitsgruppe in der Stadtverwaltung von Illnau-Effretikon in den vergangenen Monaten vor Augen. Sie erarbeitete auf Geheiss des Stadtrates ein Pandemiekonzept.

Auch Familien müssen planen

Gegenwärtig befindet sich die Schweiz laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer pandemischen Warnperiode, in der sogenannten Phase 3. Per Definition bedeutet dies, dass sich Menschen mit einem neuartigen Virentyp angesteckt haben. Noch hat aber keine Übertragung von Mensch zu Mensch stattgefunden. In sehr seltenen Einzelfällen kann es bei engem Kontakt mit Tieren zu einer Infektion kommen. Laut Patrick Mathys vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) geht es dabei um ein Virus der Vogelgrippe. «Im Winter 2008 haben wir einen infizierten Wildvogel am Sempachersee entdeckt.»

Derzeit ist die Vogelgrippe kein grosses Thema. Trotzdem begrüsst der Bund, dass Gemeinden wie Illnau-Effretikon ein Pandemiekonzept ausarbeiten. Die Gemeinden müssten auch im schlimmsten Fall einer Pandemie weiter funktionieren, sagt Mathys. «Sogar Familien müssen sich fragen, wie sie in einer Pandemie den Alltag bewältigen.» Es sei gerade in nicht akuten Zeiten wichtig, dass sich die Behörden mit solchen Gedanken auseinandersetzten. «So sind sie für den Ernstfall gewappnet.»

Informatikabteilung aufstocken

Grundsätzlich haben Gemeinden und Kanton die Gesundheit des Volkes zu fördern und ihre Gefährdung zu verhindern. Dies ist in der kantonalen Gesundheitsgesetzgebung verankert. So muss beispielsweise Illnau-Effretikon bei Massenimpfungen und Einrichtungen von notwendigen Impfzentren Hand bieten, die zentralen Dienstleistungen der Gemeinde aufrechterhalten und die Bevölkerung informieren. Gleichzeitig ist die Stadt in ihrer Rolle als Arbeitgeberin verpflichtet, für den Schutz ihrer Angestellten zu sorgen.

«Unsere Analyse hat ergeben, dass es Dienste gibt, auf welche wir im Pandemiefall keineswegs verzichten können», sagt Stadtschreiber Kurt Eichenberger. Während das Parlament seine Sitzungen gut vertagen könne, duldeten die Geschäfte des Zivilstandesamtes oft keinen Aufschub. «Gerade in solchen Zeiten sterben mehr Menschen, da muss die Funktionstüchtigkeit des Bestattungsamtes gewährleistet sein.» Dies gelte auch für die Registrierung der Geburten in der Gemeinde. «Eines der Herzstücke dieser Dienste ist die Informatik der Verwaltung», so Eichenberger. Zurzeit kümmerten sich in Illnau-Effretikon zwei Personen um die Computersysteme. «Wir gehen davon aus, dass zwei von drei Angestellten erkranken – dies würde die Informatikabteilung lahmlegen.» Und weil bereits im Alltag die Stellvertretung in diesem Bereich nur mühsam geregelt werden könne, gehe es nun darum zu analysieren, welche Aufgaben ein dritter Informatikmitarbeiter übernehmen könnte. «Wenn wir Informatikdienste für Dritte übernehmen, können wir eine neue Arbeitskraft finanzieren», erörtert Eichenberger. Dies sei mit der örtlichen Schule bereits beschlossene Sache. Er habe zudem den Verantwortlichen des neuen Alterszentrums einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet. «Natürlich können wir die Verantwortlichen nicht zwingen, diesen Dienst bei der Stadt einzukaufen», räumt der Stadtschreiber ein. «Ich kann mir aber auch vorstellen, dass wir den Dienst für umliegende Gemeinden übernehmen.»

Nullsummenspiel für Spitex

Im Ernstfall würde die Stadt ihre Schulen schliessen. «Das Risiko wäre zu hoch», erklärt Eichenberger. Zudem würde der Zivilschutz der Spitex unter die Arme greifen. «Das ist aber nur bedingt möglich, weil den Zivilschützern die nötige medizinische Ausbildung fehlt.» Grundsätzlich gehe die Arbeitsgruppe davon aus, dass es für die Spitex ein Nullsummenspiel werde. «So makaber es auch tönt, sterben in einer Pandemie viele der heute pflegebedürftigen Einwohner.» Dies mache wiederum Kapazität für neu Erkrankte frei.

Illnau-Effretikon verfügt nicht nur über ein Konzept. Die Stadt will auch für 10'000 Franken Schutzmaterial einkaufen.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2009, 20:39 Uhr

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