In diesen Mauern steckt viel Ärger
Von Felix Schindler. Aktualisiert am 15.04.2011 12 Kommentare
Artikel zum Thema
Links
Infobox
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Hannes Strebel darf in seinem eigenen Teich zwar baden, aber fischen darf er nicht. Diese Geschichte ist nur eine von vielen, die den Architekten in den letzten vier Jahren an den Rand der Verzweiflung gebracht haben. Und sie alle haben denselben Schauplatz: Die Weberei Hueb.
Die Weberei Hueb ist eine alte Fabrik ausserhalb der Zürcher Oberländer Gemeinde Wald. 2007 kaufte Strebel das 150-jährige Gemäuer, um es in Lofts zu verwandeln. Doch mit der Fabrik erstand sich Strebel bereits das erste Problem: Ein Vormieter, der sich weigerte, die Fabrik zu verlassen. Der Sohn eines millionenschweren Transportunternehmers lagerte dort mehrere Tonnen Hilfsgüter – oder Sperrmüll, wie viele Dorfbewohner fanden. Berge von Plüschtieren, Kleidern und rostigen Werkzeugen stapelten sich bis unter die Decke der 4000 Quadratmeter grossen Fabrik.
100'000 Franken für die Räumung
Am liebsten hätte der Millionärserbe die Fabrik selbst gekauft, aber sein Vermögen war ihm längst zwischen den Fingern zerronnen. Gelegentlich transportierte er einen Container voll Waren in die Dritte Welt, aber das meiste blieb in der Hueb liegen. 100'000 Franken musste Strebel für die Räumung bezahlen, der Baubeginn verzögerte sich um ein Jahr.
Kaum hatte der Umbau begonnen, bahnte sich das nächste Unheil an. Strebel wollte die neuen Lofts mit einem Wahrzeichen versehen, einer Skulptur des bekannten Zürcher Eisenplastikers Jürg Altherr. Als sich in der Gemeinde herumsprach, dass Strebel einen 18 Meter hoher Turm auf dem Vorplatz der Fabrik aufstellen wollte, erwachte der Kampfgeist der Walder. Die Skulptur sei «zu urban», «zu künstlich», ein Baum würde besser an den Bachtelberg passen, wetterten die Anwohner.
Als die Gemeinde den Gestaltungsplan für die Weberei bewilligen sollte, war die Opposition in der Gemeinde so gross, dass Strebel nachgegeben hatte. Er strich den Turm aus dem Gestaltungsplan – aus Angst, die Walder würden sonst das gesamte Projekt verhindern. Die Plastik lag damals aber bereits auf dem Gelände – doch nicht einmal deren Lagerung hatten ihm die Behörden bewilligt. Nun liegt das 18 Meter lange Kunstwerk auf einem Areal der SBB.
Liste mit «Steinen auf dem Weg»
Vor gut einem Jahr drohte Strebels Projekt endgültig zu kollabieren. Ende 2009 sprang eine Loft-Käuferin ab, mehrere Interessenten zogen ihre Reservation zurück. Der Architekt konnte die Bauarbeiter nicht mehr bezahlen und sah sich gezwungen, die Arbeiten zu stoppen. Drei Jahre Schweiss und Tränen sowie die Investition von zwei Millionen Franken drohten zu verpuffen – bis sich die beteiligten Unternehmer entschieden, einige der Lofts an Zahlung zu nehmen.
Inzwischen führt Strebel eine Liste mit «Steinen auf dem Weg», wie er sie nennt. 13 sind es an der Zahl, ein Brand im vergangenen Herbst ist dabei nicht mitgezählt. Doch bei all dem Ärger, der ihm die alte Fabrik eingebrockt hat, hat er den Glauben daran noch immer nicht verloren, dass eigentlich ein guter Geist in den dicken Mauern zu Hause ist. «Die Weberei Hueb ist mein Lieblingskind. Und all die Auseinandersetzungen haben das Projekt nur besser gemacht.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 15.04.2011, 11:14 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
12 Kommentare
@Parvaneh Ferhadi: Wir Walder lehnen uns nicht an Politiker egal welcher Partei. Wir sind Walder und stehen dazu was wir haben und sind. Die Weberei Hueb ist ein Stück Geschichte da gehören Plastik-Türme nicht dazu, die könnt ihr in Genf aufstellen aber nicht bei uns. Aber trotzdem hat er gute Arbeit geleistet mit der alten Fabrik, Hut ab! Antworten

Bitte warten
