Kinder zu Computer-Lehrern für Senioren ausbilden
Von Noemi Weber. Aktualisiert am 29.10.2008
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Nach einer kurzen Begrüssung sitzen die Kinder im Alter zwischen 10 und 12 Jahren bereits am Computer. Zu Beginn lernen sie den Umgang mit der Computermaus und erhalten eine Einführung ins Textverarbeitungsprogramm Word. Dies geschieht diese Woche in Uster im Rahmen der Ausbildung der Kinder zu «CompiSternli». So werden die Kinder bezeichnet, welche nach den Frühlingsferien der Generation 50plus den Umgang mit Computern näher bringen wird. Die 62 interessierten Kinder wurden auf neun Kurse verteilt. Zuerst werden sie während 30 Lektionen in 20 Wochen die grundlegenden Anwendungen am Computer lernen: Textverarbeitung, Internet, Mailen und Zeichnen. Während dieser Zeit werden sie auch auf ihre Arbeit als «Kursleiter» vorbereitet. Danach unterrichtet je ein Kind einen älteren Menschen während zehn Stunden. Sechs Gruppenleiter führen in Uster die Kurse durch. Diese arbeiten in unterschiedlichen Berufen, beispielsweise als Lehrer, Grafiker oder Kauffrau. Auch eine Mutter ist dabei. Projektleiter in Uster ist Rolf Thut, der in der Marketingbranche arbeitet. «Meine Motivation für das Projekt ist, etwas Gutes mittragen zu können. Ich finde die Idee sensationell», sagt er. Für die Kinder sei das Projekt eine Herausforderung, denn es sei schwierig, jemandem einen Lernstoff nur verbal weiterzugeben. Dies wisse er aus eigener Erfahrung. Deshalb werden die Kinder oft in Rollenspielen üben.
«Wir haben festgestellt, dass Kinder und Jugendliche oft keine tiefe Beziehung zu älteren Menschen haben oder keine Senioren kennen. Aber es ist auch umgekehrt so: Viele Senioren haben keine Enkel», so Thut. Deshalb sei es für beide Generationen wichtig, eine Beziehung aufzubauen. Ein weiteres Ziel ist es, älteren Personen den Zugang zum Computer zu erleichtern. Auch sollen die Kinder die Medien gezielt kennen lernen und sich Gedanken über deren richtigen Einsatz machen.
Kinder freuen sich auf Senioren
Die zukünftigen «CompiSternli» wurden von den Lehrkräften über das Projekt informiert. «Ich möchte Polygrafin werden. So ist es bestimmt gut, wenn ich einen Computerkurs mache», sagt die 12-jährige Sandra Schlatter. Sie habe schon oft Einladungen im Word gestaltet, E-Mails verschickt und sei auch schon im Internet herumgesurft. Der zehnjährige Martin Zollinger erzählt: «Ich bin noch nicht gut am Computer. Ich werde meine neu erworbenen Kenntnisse auch meinem Vater beibringen können.» Auch Aline Keller sagt, sie werde ihrer Mutter einige Dinge am Computer zeigen. Bei Gianluca Cuviello ist es umgekehrt: Er hat erst gemeinsam mit der Mutter am Computer gearbeitet. Zudem freuen sich die Kinder auf den Kontakt mit der älteren Generation. «Die alten Leute sind alle so nett», sagt Sandra.
Projekt startete 2006 in Davos
Das Projekt startete im Sommer 2006 in Davos und wird dort zum dritten Mal mit Erfolg durchgeführt. Der Verein CompiSternli unterstützt die lokalen Projekte zu Beginn mit Knowhow, Netzwerk und Finanzen. «Doch wir sind auf zusätzliche Geldgeber angewiesen», sagt Thut. Für die Kinder ist der Kurs gratis, die Senioren bezahlen einen symbolischen Beitrag von 10 Franken pro Unterrichtsstunde. Die Gruppenleiter werden mit 50 Franken pro Stunde entschädigt. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.10.2008, 23:31 Uhr


