Kirchen wollen die Leute wach läuten
Von Karin Enzler. Aktualisiert am 05.12.2009
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Wenn am nächsten Sonntag um 15 Uhr die Glocken läuten, werden viele Leute rätseln, weshalb. Das zumindest befürchtet der Kirchenrat des Kantons Zürich. Die Exekutive der Landeskirche kann den Kirchgemeinden zwar nicht vorschreiben, was sie zu tun haben. Aber wenn es nach ihr ginge, würden die Glocken stumm bleiben.
Für einige Gemeinden ist aber klar: Sie werden die Glocken läuten lassen und so auf die Klimakonferenz in Kopenhagen aufmerksam machen. «Die Leute wach läuten», nennt es Rosmarie Egli, Kirchenpflegepräsidentin von Dürnten. «Die Schöpfung war ein Geschenk an uns alle. Und wir müssen die erhalten.» Gleicher Meinung sind ihre Kollegen in Bubikon und Hinwil. «Es ist wichtig, dass uns die Klimakatastrophen-Gefahr wirklich bewusst wird», sagt Rolf Gerber, Präsident der Kirchgemeinde Hinwil.
Kirchen als Energieschleudern
Umstritten ist, ob das Läuten zur Klimakonferenz sinnvoll ist. Die Kirchenglocken läuten sonst nur bei ausserordentlichen Ereignissen. So aus Solidarität nach den Terroranschlägen 2001 und nach dem Tsunami 2004. «Damals war allen klar, wieso die Glocken geläutet haben, da es auch kirchliche Trauerfeiern gab», sagt Nicolas Mori, Sprecher des Kirchenrates. Das sei am Sonntag, 13. Dezember, nicht der Fall. Er betont aber auch: «Wir sind klar für den Klimaschutz. Wir haben den Kirchen auch Material zur Verfügung gestellt, wie sie das Thema aufgreifen können.» Heute seien die Kirchen ja nicht gerade Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Man werfe ihnen sogar vor, Energieschleudern zu sein. «Es besteht sehr viel Handlungsbedarf: Es wäre wichtiger, sich darum zu kümmern, statt Symbolhandlungen zu machen.» Rosmarie Egli aus Dürnten widerspricht dem: Es stimme zwar, dass die Glocken bisher nur bei Ereignissen wie den Terroranschlägen aus Solidarität geläutet hätten. «Beim Klima kann man die Katastrophe aber noch verhindern, statt sie nachher zu betrauern.»
Initiiert hat die weltweite Glocken-Aktion der Ökumenischen Rat der Kirchen. In der Schweiz hat das Hilfswerk Brot für alle die Gemeinde mit Medienmitteilungen und Unterlagen versorgt.
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Erstellt: 05.12.2009, 04:00 Uhr


