Zürich
Lehrstellen im Gesundheitswesen sind beliebt
Rund 150 Bewerbungen gehen beim GZO Spital Wetzikon für die sechs Lehrstellen Fachfrau Gesundheit (Fage) ein. Das Alters- und Spitex-Zentrum in Dübendorf bietet pro Jahr zwei bis drei Lehrstellen als Fage an. «Wir erhalten jeweils zwischen 50 und 80 Bewerbungen», sagt Mariette Häfliger, Qualitäts- und Bildungsverantwortliche des Alters- und Spitex-Zentrums in Dübendorf (ASZD).
Seit 2009 bildet auch das Alters- und Pflegeheim Bruggwiesen in Illnau-Effretikon pro Jahr eine Fachfrau Gesundheit aus. Neben vielen mündlichen Anfragen erhält Brigitte Burkhalter, Mitarbeiterin Personalbereich des Alters- und Pflegeheims, 20 bis 30 schriftliche Bewerbungen für die Fage-Lehrstelle. «Kandidatinnen, die in Illnau-Effretikon wohnen, haben bei uns Vorrang.» Auch die Heime der Stadt Uster bieten durchschnittlich jedes Jahr sechs bis sieben Fage-Lehrstellen an. «Etwa 120 Bewerbungen gehen für diese Lehrstellen ein», sagt Roland Storrer vom Fachbereich Bildung der Heime der Stadt Uster.
Motivation wichtiger als Schulleistungen
Die Lehre als Fage wurde vor einigen Jahren neu geschaffen, damit Jugendliche nach der Oberstufe direkt mit einer Lehre ins Gesundheitswesen einsteigen können. Denn eine Lehre als Pflegefachfrau ist erst mit 18 Jahren möglich. «Die Lehre als Fage ist bei den Jugendlichen sehr beliebt, weil sie eine gute Grundlage für die verschiedenen Gesundheitsberufe darstellt», sagt Hansjörg Herren, Projektleiter Marketing und Kommunikation beim Spital Wetzikon.
Die Jugendlichen erhielten zudem einen Einblick in viele Bereiche des Gesundheitswesens, ergänzt Mariette Häfliger. Dazu gehören Hotellerie, Administration oder die Arbeit der Spitex. «Dabei können die Lehrlinge Berufsvorstellungen entwickeln und sich aufgrund ihrer Stärken beispielsweise zur Pflegefachfrau, zur Ernährungsberaterin oder zur Ergotherapeutin weiterbilden.»
Für eine Ausbildung als Fage können sich Schüler der Sek A und B bewerben. Für Roland Storrer ist die Berufsmotivation jedoch wichtiger als die Schulleistungen. «Den Lernenden muss die Arbeit Spass machen, und sie müssen das Potenzial haben, die Berufsschule bestehen zu können.»
Gesuchte Fachleute
Wie in anderen Berufen gibt es auch im Gesundheitswesen beliebtere Arbeitgeber und weniger beliebte. «Wir haben festgestellt, dass sich die Jugendlichen zuerst bei den Spitälern bewerben. Wenn sie dort nicht erfolgreich sind, bewerben sie sich bei uns in der Langzeitpflege», sagt Häfliger vom ASZD. Im Spital gebe es halt mehr Action und Erfolgserlebnisse, weil die Patienten wieder gesund würden. «Im Alters- und Pflegeheim können die Lernenden dafür eine enge Beziehung zu den Bewohnern aufbauen, das ist im Spital kaum möglich.» Storrer wiederum hat festgestellt, dass vielen Jugendlichen nicht bekannt ist, dass sie auch in einem Alters- und Pflegeheim eine Lehre absolvieren können.
Auch im Oberland haben die Spitäler und Alters- und Pflegeheime Schwierigkeiten, diplomierte Pflegefachleute zu finden. Beim ASZD wie auch bei den Heimen der Stadt Uster bildet sich immerhin die Hälfte der Fage-Lernenden zur Pflegefachfrau weiter. Einige würden dem Gesundheitswesen aber den Rücken kehren. Die physische und psychische Belastung sei vor allem bei Vollzeittätigkeit hoch, weiss Brigitte Burkhalter vom Alters- und Pflegeheim Bruggwiesen. Da leide die «Work-Life-Balance».
Häfliger wiederum hat festgestellt, dass auch der Lohn ein Problem sein kann: «Wenn jemand beispielsweise 80 Prozent arbeitet, verdient er mehrere Hundert Franken weniger, was dann nicht mehr zum Leben reicht.» Hansjörg Herren vom Spital Wetzikon weist zudem darauf hin, dass Leute aus dem Gesundheitswesen auf dem Arbeitsmarkt gute Chancen hätten. «Sie verfügen über eine hohe Sozialkompetenz und sind belastbar. Neues Fachwissen kann man sich aneignen, das macht einen Wechsel in eine andere Branche einfach.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 27.08.2010, 20:22 Uhr


