Prachtvoll, riesengross – und bereits dem Tod geweiht
Die Ausstellung
Das Schmetterlingshaus befindet sichan der Guldistudstr. 19a in Tann (Rüti). Öffnungszeiten: Mo–Fr 8.30–18.30 Uhr, Sa 8–16 Uhr. www.meier-ag.ch
Wer zum ersten Mal einen Atlasspinner sieht, fragt sich unwillkürlich, ob dieser riesige Nachtfalter überhaupt fliegen kann. Es fällt schwer, sich vorzustellen, dass die zarten Flügel dazu steif genug sind. Sie sind es – aber der Flug wirkt ein wenig schwerfällig und taumelnd, als hätte das Tier zu viel vergorenen Nektar getrunken. Damit tut man ihm aber Unrecht – doch davon später.
Die prachtvollen Atlasspinner gehören mit bis zu 30 Zentimeter Spannweite zu den grössten Schmetterlingen der Welt. Ihre angestammte Heimat sind die Regenwälder Südostasiens. Dieser Tage leben vier, fünf dieser ungewöhnlich bunten Nachtfalter im Schmetterlingshaus des Gartencenters Meier in Rüti im Zürcher Oberland. Sie teilen sich ein Treibhaus mit anderen tropischen Faltern, unter anderem dem leuchtend blauen Morpho-Falter.
Fressen können sie nicht
Herr über die Schmetterlinge ist der 42-jährige Kornel Meier. Der gelernte Gärtner – der mit der Besitzerfamilie des Gartencenters nur den Namen teilt – hat das Schmetterlingshaus gegründet. Weil sich der Betrieb aufwendig gestaltet, ist das Haus nur während zweier Monate im Hochsommer offen. In dieser Zeit erhält Meier alle paar Tage eine Lieferung verpuppter Raupen aus einer spezialisierten Zucht. Im Schmetterlingshaus hängt er sie gut sichtbar an einen Pfahl.
Schmetterlinge faszinieren Meier seit seiner Kindheit. Noch heute rennt er manchmal Schmetterlingen in freier Natur nach, wenn er wissen will, was da flattert. Den Atlasspinnern muss niemand nachlaufen. Tagsüber sitzen sie meist ruhig mit ausgebreiteten Flügeln da. Wenn überhaupt, fliegen sie nachts. Und auch das tun sie nur, um einen Partner zu finden. Futter brauchen sie keins zu suchen, denn sie können weder fressen noch trinken. Ihr Leben als Falter dauert nur ein paar Tage, höchstens zwei Wochen, dann verhungern und verdursten sie. Ein Schicksal, das sie mit nahezu alle Schmetterlingen teilen. «Zwar können die meisten anderen Schmetterlingsarten ein wenig Nektar trinken oder an faulen Früchten knabbern, aber das reicht nicht aus, um sich zu ernähren», erklärt Meier.
Wer die Atlasspinner sehen will, muss sich beeilen; die meisten dürften Ende Woche bereits tot sein. Offiziell ist das Schmetterlingshaus noch bis kommenden Samstag offen, danach ist es noch ein paar Tage zugänglich, bis die meisten Tiere gestorben sind. Die Raupen gibt Meier an Hobbyzüchter weiter.
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Erstellt: 31.08.2010, 23:28 Uhr


