Regen tropfte vom Dach ins Zimmer

Von Noemi Weber. Aktualisiert am 02.09.2010

In welchem Zustand sind geschützte Baudenkmäler in der Region? Ein Rundgang durch die Villa Weber und die ehemalige Seidenweberei Rüti gibt Aufschluss.

Totalsaniert, obwohl geschützt: Die Villa Weber in Rüti.

Totalsaniert, obwohl geschützt: Die Villa Weber in Rüti.
Bild: Christoph Kaminski

Europäischer Tag des Denkmals

Im Rahmen des Europäischen Tages des Denkmals werden in der Gemeinde Rüti und im Ritterhaus Bubikon am 12. September Führungen und Besichtigungen von Baudenkmälern angeboten. Das diesjährige Motto lautet «Stationen am Lebensweg». Organisiert wird der Anlass von der Archäologie und Denkmalpflege des Kantons Zürich.

In Rüti können neben dem ehemaligen Prämonstratenserkloster und der ehemaligen Seidenweberei auch Fabrikantenvillen, das Krematorium sowie das Krankenasyl besichtigt werden. Die Führung durchs Ritterhaus Bubikon bietet Informationen zur Entstehungsgeschichte, zur baulichen Entwicklung und zum Ritterorden. Besichtigt werden das Museum und die Kapelle.

«Ziel der Führungen und Besichtigungen ist die Sensibilisierung der Bevölkerung für das Erhalten von Kulturgütern», erklärt Regula Hug, Bauberaterin und Projektleiterin des Denkmaltages. Die Besucherinnen und Besucher würden so einen Einblick in die Bauten gewinnen.

Eröffnet wird der Denkmaltag um 10.30 Uhr auf dem Amthausplatz in Rüti. Zwischen den beiden Gemeinden verkehrt ein Oldtimerbus als Shuttle.

Der Tag des Denkmals wurde 1984 in Frankreich zum ersten Mal durchgeführt. In der Schweiz findet er zum 17. Mal statt. Die Denkmaltage gibt es heute in fast 50 Ländern.(nwe)

Ein kleiner Weg führt zur Villa Weber, die von grünen Sträuchern und fremdländischen Bäumen umgeben ist. Die verzierten Türmchen und Erker sowie die weisse Fassade leuchten in der Sonne. Durch eine grosse Pforte gelangt man zu ein paar Treppenstufen, links und rechts von Wandmalereien in zarten Tönen gesäumt, die zur Eingangshalle führen. An der Decke der Halle prangen verzierte Engel und Verschnörkelungen.

Auf der rechten Seite befindet sich der ehemalige Rauchsalon, in den sich die Herrschaften nach dem Essen zurückzogen; den Frauen war der Zutritt verboten. Ihnen stand aber auf der anderen Seite ein Musikzimmer zur Verfügung. Ein Durchgang führt in einen reich ausgeschmückten Salon mit einer Tapete aus goldenen Blättern auf blauem Hintergrund, farbigen Fenstern und Holzverkleidungen. Auch ein Kinder-Esszimmer und eine Küche waren im Erdgeschoss untergebracht.

Städtische Elemente

Die Villa Weber wurde in den Jahren 1890/91 für Werner Weber-Honegger, Direktor und Verwaltungsrat der Maschinenfabrik Rüti, erbaut. Die verschiedenen Elemente der Villa sind nicht ländlich, sondern städtisch. 1981 übernahm die Firma Consulta, Gesellschaft für Wirtschafts- und Unternehmensberatung, die Villa. Diese war zuerst der Gemeinde zum Kauf angeboten worden, der damalige Gemeindepräsident lehnte aber ab. Seit 1910 gab es keine grösseren baulichen Eingriffe mehr.

«Die frühere Besitzerin deckte den Boden immer wieder mit Plastik ab, weil das Regenwasser vom Estrich bis in ein Zimmer hinuntertropfte», erzählte Marianne Voillat, Miteigentümerin und Vizepräsidentin des Verwaltungsrates von Consulta, gestern im Rahmen einer Medienorientierung. «Wir mussten eine Totalsanierung machen, aber es hat sich gelohnt.» Heute befinden sich im Erdgeschoss und im ehemaligen Kohlekeller Büros. In den zwei Obergeschossen, wo früher Schlafzimmer lagen, entstanden drei Wohnungen, darunter diejenige von Voillat.

Unter Denkmalschutz

«Die Villa Weber ist eines der seltenen, original erhaltenen Baudenkmäler aus der Gründerzeit und wurde deshalb vor 31 Jahren unter Denkmalschutz gestellt», erklärte Kunsthistoriker Pietro Wallnöfer von der Kantonalen Denkmalpflege. Wichtig sei dabei, dass die Bedürfnisse der Besitzer einerseits und die Wünsche der Denkmalpflege andererseits aufeinander abgestimmt werden.

Auch die ehemalige Seidenstoffweberei, die zwischen 1874 und 1905 erbaut wurde, erstrahlt in neuem Glanz. In den 90er-Jahren wurde die Anlage geschützt, umgenutzt und renoviert. «Der Maschinensaal mit stuckierten Wänden und einer Marmorsäule diente jahrelang als Fitnesscenter», sagte der Architekt Miroslav Chramosta von der Kantonalen Denkmalpflege. Die Freie evangelische Gemeinde nutzt ihn seit zwei Jahren als Versammlungslokal.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2010, 19:54 Uhr

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