Zürich
Spezieller Blitzschutz für Openair-Besucher
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«Nein, passiert ist noch nie etwas», sagt Heinz Egli, Organisator des Alpenkinos in Wernetshausen, das vom 3. bis 11. August stattfindet. Auch sonst habe er noch nie von einem Vorfall an einer Openair-Veranstaltung gehört, der durch einen Blitz verursacht worden wäre. Dennoch hat Egli gehandelt. Eine neue Blitzschutzanlage soll dieses Jahr für ruhige Nerven bei Besuchern und Organisatoren des Alpenkinos sorgen, wenn an einem lauen Sommerabend plötzlich ein heftiges Gewitter aufzieht. Mit einem solchen müsse man als Openair-Veranstalter schliesslich immer rechnen, sagt Egli. «Und dann wollen wir unseren Besuchern den bestmöglichen Schutz bieten.»
«Spannungsfreie» Insel
Der neue Blitzschutz des Alpenkinos leitet nicht nur einen Blitz in den Boden, sondern minimiert auch die gefährliche Schrittspannung, die nach einem Einschlag im Boden herrscht. Ein speziell entwickeltes Gerät verteilt diese gleichmässig rund um das zu schützende Zelt herum, sodass das Innere des Zeltes zu einer Art spannungsfreier Insel wird.
Damit geht das Alpenkino mit seiner neuen Blitzschutzanlage einen Schritt weiter als die meisten anderen Veranstalter. Um die Besucher vor Blitzen zu schützen, genüge grundsätzlich ein einfacher Blitzableiter, sagt Guido Felder von der Firma Felder aus Altwis LU. Sie baut in der ganzen Schweiz an Openair-Veranstaltungen Tribünen und Festzelte auf – unter anderem auch am Openair-Kino Uster. Als Blitzableiter funktioniere allein schon die metallische Trägerkonstruktion eines Zeltes. An einer Tribüne erfülle jeweils eine Metallstange mit Kupferdraht denselben Zweck. «So einfach geht das.» Verantwortlich für den Schutz vor Blitzeinschlägen seien aber jeweils die Veranstalter.
Blitzschutz bei grossen Zelten Pflicht
Ein Blitzableiter ist nur bei Zelten für über 100 Personen Pflicht. Dies schreiben die Reglemente der kantonalen Feuerpolizei vor. Für Veranstaltungen auf freiem Feld – was Openairs ja grundsätzlich sind – gebe es aber keine Blitzschutzpflicht, erklärt Thomas Keller, stellvertretender Leiter der kantonalen Feuerpolizei. So verzichten viele Veranstalter von kleineren Openair-Anlässen auf Blitzschutzanlagen. Zu ihnen gehört auch das Kino Open in Pfäffikon. «Wir unterbrechen unser Programm, bis das Gewitter vorbei ist», sagt Organisator Thomas Lüthi. Für die Besucher gebe es beim Standort am Seequai genügend Möglichkeiten zum Unterstehen.
Beim Alpenkino am Hang des Bachtels gibt es diese nicht. Organisator Egli hat darum für den Fall eines Gewitters extra einen Notfallplan ausgearbeitet. Dabei würden alle Besucher aufgefordert, sich ins Festzelt zu begeben. «Dort sollten sie dann einen Meter Abstand von den Eisenstangen halten, um bei einem Blitzeinschlag keinen Stromschlag zu riskieren.» Bei Bedarf könnte man auch die Leinwandprojektion herunterfahren und die ganze Elektrizität ausschalten. Für die Notbeleuchtung sei dann ein benzinbetriebener Generator vorhanden.
Werbemöglichkeit
Das Alpenkino bekam die neue Blitzschutzanlage kostenlos. Sie entstand aus einer Zusammenarbeit der Firmen Meteolabor in Wetzikon und Brugg Kabel in Brugg. Die beiden Unternehmen entwickeln gemeinsam Blitzschutzlösungen für transportable Einrichtungen des Militärs. Die neue Anlage des Alpenkinos sei für sie auch eine Werbemöglichkeit, sagt der technische Projektleiter Walter Steiner von Brugg Kabel. In Zukunft wolle man solche Anlagen nämlich auch anderen Openair-Veranstaltern anbieten.
Bei einem normalen Blitzableiter wird der Blitz in die Erde abgeleitet. Deren Leitfähigkeit ist aber begrenzt, und an der Erdoberfläche entsteht eine elektrische Spannung. Diese bezeichnet die Wissenschaft als Potenzialdifferenz. Sie kann zu lebensgefährlichen Strömen führen, wenn man den Boden an zwei verschiedenen Stellen berührt. Beispielsweise bei einem Schritt. In diesem Fall nennt man sie Schrittspannung. Bekannt ist dieses Phänomen bei Kühen, die in der Nähe eines Baumes Schutz vor einem Gewitter suchen. Der Blitz schlägt in den Baum ein, aber der Beinabstand der Kuh führt dazu, dass ein oft tödlicher Strom durch ihren Körper fliesst.
Auch wenn diese Gefahr sehr klein sei, findet Egli den Aufwand für gerechtfertigt: «Sicher ist schliesslich sicher.»
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Erstellt: 22.06.2009, 21:24 Uhr


