Tod im Pfäffikersee: «Die vier haben ausgerechnet das kleinste Boot genommen»

Nach intensiver Suche hat die Polizei den vermissten 22-Jährigen tot aus dem Pfäffikersee geborgen. Für die Bootsvermieterin ein schwarzer Tag. Hätten die Männer ein anderes Boot gestohlen, wären sie vielleicht noch am Leben.

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Für Elsbeth Bieri von der Bootsvermietung Schaufelberger in Pfäffikon waren es trotz wunderschönem Sommerwetter traurige Pfingsten. In der Nacht auf Pfingstmontag stahlen ein 22-jähriger Mechaniker aus der Region und drei Kollegen nach einer Party eines ihrer Ruderboote. Die vier Männer waren betrunken. Einer konnte sich mit eigener Kraft ans Ufer retten, zwei weiteren kam der Seerettungsdienst zu Hilfe. Beim vierten, dem 22-Jährigen Mechaniker aus der Region, kam jede Hilfe zu spät. Die Polizei barg nach einer intensiven Suchaktion am Montagabend seine Leiche.

Elsbeth Bieri, die selber einen Sohn hat, macht dieser tödliche Bootsunfall schwer betroffen. Nicht nur, weil das in den Unfall verwickelte Boot von ihrer Vermietung stammt. Die langjährige Besitzerin der Bootsvermietung in Pfäffikon hat selber einen Sohn in ähnlichem Alter und leidet mit den Eltern des Opfers mit: «Es ist eine sehr tragische Geschichte, und dies gleich am ersten schönen Sonntag der Saison. Besonders schlimm ist: Die vier haben ausgerechnet das kleinste, ein Zweierboot, genommen.»

Boote bleiben ungesichert

Das Boot war nicht gesichert. Nur die Boote, die direkt am Steg angelegt sind, werden mit Ketten versehen. Die anderen sind auf dem See draussen angebracht und ungesichert. Die jungen Männer müssen also extra zum Boot geschwommen sein: «Dabei ist wahrscheinlich Wasser ins Boot gelangt, so dass sie dachten, sie würden kentern. Das Boot ist aber gar nicht gekentert. Die Polizei hat es uns in einwandfreiem Zustand wieder zurückgebracht.» Auch weiterhin bleiben die Ruderboote auf dem See nur mit einem Haken versehen gesichert. Seit 1942 sei nie ein Boot gestohlen worden.

Dass sich die drei Überlebenden wegen Diebstahls oder sonst einem Delikt verantworten müssen, ist gemäss Cornelia Schuoler, Sprecherin der Kantonspolizei Zürich, ungewiss: «Ob die Männer zur Rechenschaft gezogen werden, ist noch unklar und Gegenstand der laufenden Untersuchung.» Ebenso, wie viel die vier Männer getrunken hatten oder ob auch Drogen im Spiel waren. Ein Alkohol- oder Drogentest sei nicht gemacht worden, so Schuoler weiter.

Nicht der erste Todesfall

Bei Elsbeth Bieri ruft der jüngste Vorfall böse Erinnerungen wach. Schon vor einem Jahr suchte die Seepolizei nach einem 55-Jährigen, der mit einem ihrer Ruderboote verschwunden war. Das Boot wurde gefunden, vom Mann fehlt weiterhin jede Spur: «Da war aber wohl kein Alkohol im Spiel, sondern eher ein Fall von Selbstmord. Der Mann hatte einen schweren Stein dabei.»

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 25.05.2010, 11:36 Uhr

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Anders als beim aktuellen Fall in Pfäffikon, sind die meisten Fälle nicht auf übermässigen Alkoholkonsum beim Schwimmen zurückzuführen. Viel mehr haben Ausrutscher oder Unfälle beim Fischen zum Ertrinken geführt.

Die Zahlen der laufenden Statistik dürften während den kommenden Sommermonaten aber stark nach oben korrigiert werden. Allein im Jahr 2009 sind in der Schweiz 36 Menschen ertrunken.

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