Zürich

Träumen und abheben mit Nazareth

Von Heidi Tschachtli. Aktualisiert am 15.05.2010

Gleich mehrere Generationen durften zu Welthits wie «Dream on» und «This Flight Tonight» mit Nazareth schwelgen. Jung fand dabei Gefallen an Alt, und Alt fühlte sich daneben noch einmal jung.

Die schottische Hardrockband Nazareth verzauberte die Zuschauer wie in alten Zeiten.

Die schottische Hardrockband Nazareth verzauberte die Zuschauer wie in alten Zeiten.
Bild: David Baer

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Zwei Generationen auf der Bühne, drei Generationen im Publikum. Nazareth, eine der erfolgreichsten und legendärsten schottischen Hardrockbands überhaupt, brachten internationalen Glanz an die Bikers Night des diesjährigen Pub-Festivals in Wetzikon. Die Band besteht derzeit aus den zwei Gründungsmitgliedern Dan McCafferty (Gesang) und Bassist Pete Agnew, dessen Sohn Lee (Drums) sowie dem Gitarristen Jimmy Murrison. 42 Jahre und fast 40 Millionen verkaufte Tonträger später stehen sie nun in Wetzikon auf der Bühne. An die 1000 Zuschauer vorwiegend reiferen Alters strömen in die Eishalle. Die Gesundheitsschuhe bleiben aber für einmal zu Hause. Frauen jeder Epoche zeigen sich in sexy Highheels und knappen Oberteilen, während manche Männer offensichtlich die ganz engen Jeans von anno dazumal aus dem Schrank hervorgeholt haben.

Der wohl jüngste Fan, ein neunjähriger Junge, kommt in Begleitung seines Vaters. Es ist sein erstes Konzert dieser Art. Natürlich höre er auch sonst Hardrock, AC/DC zum Beispiel, stammelt er mit leicht unsicherem Blick in Richtung Papa. Ganz anders der junge Mann mit langen, schwarzen Haaren und dem kurzärmligen T-Shirt. Schlotternd vor Kälte meint er noch vor dem Konzert, dass diese alten Bands heute doch wieder total angesagt seien und er sich einfach auf guten Rock'n'Roll freue. Drei Freunde mittleren Alters hingegen hören die Musik der Band schon seit 30 Jahren, an einem Konzert der Gruppe waren sie aber noch nie.

Songs in Maur aufgenommen

Punkt 21.30 Uhr ist es so weit. Die alten Haudegen ziehen vom Leder, verwandeln mit ihrem unverwüstlichen Rock'n'Roll das Wasser des Pfäffikersees in puren Gin und stehen dabei völlig entspannt auf der Bühne. Frontmann und Sänger Dan McCafferty klingt, als würde er zum Frühstück Rasierklingen verspeisen. Er zieht die Töne genussvoll in die Länge und zwingt scheinbar mühelos seine unverwechselbare Stimme vom tiefen Bariton hoch bis in ein kraftvolles Falsetto. Im Programm stehen Lieder aus fünf Dekaden, allesamt rotzig gespielt, jedoch in einer viel zu stark ausgeleuchteten Halle. Nazareth sind vier fast ein wenig schmächtig wirkende Schotten. Im hellen Bühnenlicht entblösst und auf sich selbst reduziert, spielen sie Rock in seiner ursprünglichsten Form und brauchen dazu keine Effekte oder Gesten. Ihre Texte von Strassenkämpfen haben Ausstrahlung genug um das bierselige Publikum auf eine Reise in die Gradlinigkeit und Ehrlichkeit mitzunehmen. Siebzehn Songs geben die Schon-fast-Rentner zum Besten, darunter auch ihre Welthits «Dream On», «Love Hurts», «Razamanaz» und zu guter Letzt «This Flight Tonight». Während ihre Balladen auf den Tonträgern eher sanft wirken mögen, donnern sie live als harter Rock von der Bühne ins Publikum. Ihre aktuelle Platte «The Newz» wurde übrigens in den Studios in Maur am Greifensee aufgenommen, ein paar Lieder des heutigen Konzerts brachten sie also zurück in die Heimat.

Konzert als Verjüngungskur

Nach 90 Minuten inklusive Zugaben ist Schluss. Dies sei das beste Konzert der Band gewesen, die Musiker hätten sich noch gesteigert, meint ein Zuschauer im Anschluss. Er hat Nazareth bereits dreimal live auf der Bühne erlebt. Und noch etwas habe sich verändert: Während früher in den Hallen manch einer Zigaretten oder gar einen Joint geraucht hätte, halte man sich heute eher an eine Flasche Bier, was schliesslich zu erheblichem Stau auf der Männertoilette führe. Sänger McCafferty und seine Männer haben das Publikum auf eine Zeitreise mitgenommen, und ihr Generationen übergreifender Rock'n'Roll hat Wirkung gezeigt. Das Publikum zieht jedenfalls zufrieden und scheinbar verjüngt von dannen.

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.05.2010, 20:39 Uhr

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