Uster vs. Wetzikon: Es hat genug Patienten für zwei Spitäler
Von Stefanie Pfändler. Aktualisiert am 09.10.2009 1 Kommentar
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Der Vorschlag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ist radikal: 100 von insgesamt 350 Schweizer Spitälern will BAG-Chef Thomas Zeltner schliessen. Die restlichen, so die Forderung, sollen sich stärker spezialisieren.
Die beiden Oberländer Spitäler liegen keine zehn Kilometer auseinander. Trotzdem ist man in Wetzikon überzeugt, nicht von dieser Massnahme betroffen zu sein. Andreas Gattiker, Direktor des GZO-Spitals, gibt zu verstehen, den Standort Wetzikon jedenfalls nicht schliessen zu wollen. Der Spitaldirektor von Uster war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dem Geschäftsbericht ist jedoch zu entnehmen, dass Uster 2008 eine Bettenauslastung von 92 Prozent hatte. Insgesamt liessen sich 35 625 Personen in Uster behandeln. Zu viele, um im Ernstfall nach Wetzikon verlagert zu werden? Auch dort schwankt die Auslastung je nach Abteilung zwischen 83 und 92 Prozent. «Ich glaube nicht, dass wir Patienten aus Uster übernehmen könnten, falls das Spital schliessen müsste», sagt Gattiker. «Und umgekehrt wäre es meines Wissens genauso.»
Grösser als Schaffhausen
Zwar hat es Zeltner vor allem auf die kleinen Spitäler abgesehen, doch Gattiker sieht ein Definitionsproblem: «Wir haben die Grösse des Zuger Kantonsspitals und sind grösser als das von Schaffhausen. Gelten wir im Vergleich zu Zürich trotzdem als kleines Regionalspital?» Da sich die höheren Etagen bisher bedeckt gehalten hätten, will sich Gattiker nicht in die Diskussion einmischen. Trotzdem gibt er zu bedenken: «Im Oberland wurden bereits in den Neunzigerjahren diverse Spitäler geschlossen.» Die kantonale Gesundheitsdirektion habe betont, mit dieser Schliessungsrunde allfällige Überkapazitäten bereits bereinigt zu haben. Betroffen waren damals Bauma, Rüti, Pfäffikon und Wald.
Neben der Massenschliessung fordert das BAG eine zunehmende Spezialisierung der Spitäler. Auch dies betrachtet Gattiker als wenig praktikabel: Wenn jemand mit Bauchschmerzen zu uns kommt, kann dahinter ein chirurgisches, ein internistisches oder je nach Geschlecht ein gynäkologisches oder urologisches Problem stecken – wir können nicht einfach eine dieser Abteilungen schliessen.» Eine stärkere Aufgabenteilung zwischen Uster und Wetzikon betrachtet Gattiker darum als keine echte Option. «Um als Spital längerfristig Erfolg zu haben, müssen Investitionen und Innovationen weiterhin möglich sein. Ansonsten leidet entweder die Qualität, oder es entsteht plötzlich ein grosser Nachholbedarf.» Entsprechend hat das Spital Wetzikon in den letzten Jahren seine Privatabteilung ausgebaut, und auch in Uster herrscht ein ähnlicher Tenor: «Es wird unabdingbar sein, das Angebot noch weiter zu erhöhen», ist im jüngsten Geschäftsbericht des Spitals Uster zu lesen. Von Sorgen über eine allfällige Schliessung fehlt jede Spur. Dass die neuste BAG-Idee mit der allgemeinen Entrüstung über erhöhte Krankenkassenprämien zusammenhängt, will Gattiker nicht glauben.
Die Frage, ob jede Region ihr eigenes Spital brauche, sei nicht so einfach zu beantworten. «Wie gross die Distanz zum nächsten Spital für einen Kranken sein darf, muss diskutiert werden», findet er. «Der gesetzliche Auftrag der Gemeinden, die Spitalgrundversorgung sicherzustellen, besteht. Eine Änderung diesbezüglich ist nicht in Sicht.»
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Erstellt: 09.10.2009, 04:00 Uhr
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1 Kommentar
Hier geht es doch bereits los: Jeder will tiefere Krankenkassenprämien - aber keiner ist bereit, auf "sein" Spital zu verzichten. Auch wenn das nächste nur gerade 10km entfernt ist. So bekommen wir die Gesundheitskosten nie in den Griff. Ich hoffe, dass unser neuer Bundesrat hier durchgreift und das Problem aus nationaler Sicht angeht! Antworten


