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«Velofahren ist kein Schleck»

Von Eduard Gautschi. Aktualisiert am 07.09.2010

Bei der Vorpremiere des Films «Pédaleur de Charme» über den Radrennfahrer Hugo Koblet im Kino Rex in Pfäffikon wurden alte Erinnerungen wach.

Hugo-Fans: Besucher der Vorpremiere haben sich ganz dem Motto des Films angepasst.

Die offizielle Vorpremiere des Films

«Hugo Koblet, Pédaleur de Charme» findet heute Dienstag um 20.15 Uhr im Kino Rex in Pfäffikon im Beisein des Regisseurs Daniel von Aarburg statt.

Am Mittwoch wird der Film über die Schweizer Radlegende Koblet zur selben Zeit nochmals gezeigt. An diesem Abend ist Sportreporter Sepp Renggli Gast im Rex.

Der Film über Hugo Koblet, den Sieger des Giro d’Italia 1950 und der Tour de France 1951, wird in der Region nicht nur Rennvelofahrer interessieren. Hugo Koblet ist eine Legende. Sein Leben und Sterben interessiert breitere Kreise. In Pfäffikon zum Beispiel auch noch deswegen, weil einige Szenen des Films dort gedreht wurden. Zum Beispiel vor dem Kino Rex oder im stillgelegten Hotel Bahnhof. Dass Hugo Koblet 1964 mit seinem Alfa Romeo zwischen Mönch­altorf und Essingen in einen Baum raste und starb, daran dürften sich vor allem die älteren Einwohner der Region erinnern. Das Gerücht, dass der ebenso beliebte wie verschuldete 39-Jährige Selbstmord beging, geistert noch heute herum.

Einen Blick auf das Leben des Bäckersohns wirft Regisseur Daniel von ­Aarburg in seinem Film «Hugo Koblet, Pédaleur de Charme». Es ist eine spielfilmerische Dokumentation, angereichert mit Ori­ginalaufnahmen, in der Manuel Löwensberg, Sohn von Bundesrat Moritz Leuenberger, Hugo Koblet verkörpert.

K&K – Kübler und Koblet

Quasi vor der offiziellen Vorpremiere von heute Abend flimmerte der Film schon gestern im Rahmen des Senioren-Filmnachmittags über die Leinwand im Kino Rex in Pfäffikon. Trotz des schönen Wetters war die Vorstellung gut besucht. Rund die Hälfte des eher älteren Publikums war weiblich. Ob das damit zu tun hat, das Hugo Koblet ein von Frauen ­umschwärmter Mann war, liess sich nicht erhärten. Die 74-jährige Claire Brun war jedenfalls nicht wegen des «schönen Hugo» gekommen. «Es war eine spannende Zeit in den 50er-Jahren. Die beiden Ks, Koblet und Kübler, peitschten sich gegenseitig von Sieg zu Sieg», erinnert sie sich. Ein Grund, sich den Film zu Gemüte zu führen, liegt bei Koblets damaligem Gegner Ferdy Kübler. «Wir haben ihn kürzlich in Deutschland getroffen. Wir hatten es sehr lustig. Er ist immer noch charmant und witzig.» Von Koblets tragischem Unfall hatte sie erst später erfahren, weil sie 1964 mit ihrem Mann in Australien lebte. «Der Tod von Hugo Koblet war für mich ein Schock, ein Schlag ins Gesicht», sagt der 65-jährige Kurt Wunderlin aus Volketswil. Er hatte vor 32 Jahren sein erstes Rennvelo bei Ferdy Kübler gekauft und kam zusammen mit seinem 70-jährigen Radfahrerkollegen Peter Kägi aus Winterthur nach Pfäffikon. Wunderlin sagt, er sei ein «Hugo-Fan», für Kägi war Hugo «ein Vorbild». Wunderlin hat viel über Koblet erfahren. «Ich habe Ferdy Kübler kennen gelernt, und er hat mir viele Episoden aus der damaligen Rennfahrerzeit erzählt.» Für Wunderlin ist klar: «Beide waren nur deshalb so gut, weil sie gegeneinander fuhren.»

Peter Kägi hat sich seit seiner Kindheit mehr für Hugo Koblet als für Ferdy Kübler interessiert. «Ich bin im Kreis 1 aufgewachsen, Koblet im Kreis 4. Ich habe ihn unzählige Male auf der offenen Rennbahn in Oerlikon gesehen und war bei seinem ersten Sieg an einem Sechstagerennen dabei.» Kägi und Wunderlin sind noch heute grosse Radsportfans – in Theorie und Praxis. Sie wissen alles über ihre Idole und legen jedes Jahr noch mehrere Tausend Kilometer auf ihren Rennrädern zurück. Im Kino Rex nahm gestern auch der 56-jährige Pfäffiker Gemeindepräsident Bruno Erni (parteilos) Platz. «Am Dienstag und Mittwoch habe ich am Abend leider Sitzungen. Deshalb nehme ich mir heute die Zeit für den Kinobesuch. Als ehemaliger Super-8-Filmer habe er aber eher Bezug zum Film als zum Velo.

Rennfahrer im Publikum

Das ist beim 69-jährigen René Rutschmann aus Winterthur ganz anders. Der ehemalige Radrennfahrer ist mehr­facher Schweizer Meister auf Bahn und Strasse und nahm an den Olympischen Spielen in Rom (1960) und in Tokio (1964) im Mannschaftsfahren über 100 Kilometer teil. Rutschmann, nach einem Arbeitsunfall an den Rollstuhl gebunden, kennt sie alle, die Grössen des Schweizer Radsports, die Drahtzieher im Hintergrund und Reporter wie Sepp Renggli. Zum Film sagt er: «Er ist okay, auch wenn nicht ganz alles so war, wie es im Film dargestellt wurde.» Der Film habe alte Erinnerungen geweckt, das sei schön.

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Erstellt: 06.09.2010, 21:14 Uhr

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