Zürich

Verhärtete Fronten und Verwirrung im Tösstal

Von Stefanie Pfändler. Aktualisiert am 09.09.2010

Das lange Warten auf einen Entscheid in der Tösstaler Altersheimfrage scheint die Fronten zu verhärten. In der Bevölkerung herrscht noch immer Unklarheit.

Wenn man sich im Tösstal trifft, um Politisches zu diskutieren, geht es derzeit um die Zukunft der Alters- und Pflegeheime. Diesmal war es die SVP, die in Wila einen Informationsabend organisierte. Einmal mehr wurde die Klärung aller Fragen angekündigt. Diese scheint allerdings auch nach andert­halbstündiger Diskussion weit entfernt, denn nicht nur in der Bevölkerung herrscht Unklarheit. Auch auf dem Podium schlugen sich Befürworter und Gegner verbal die Köpfe ein und lieferten sich ein Gefecht mit festgefahrenen Argumenten.

Die Meinungen sind gemacht, und wer bis jetzt keine hat, dem bleibt nichts anderes übrig, als sich jemanden auszusuchen, dem er am ehesten glauben möchte. Auch am Dienstag stand bei fast jeder Frage nämlich Aussage gegen Aussage.

Ein oder zwei Standorte?

Die Gegner der umstrittenen Vorlage kämpfen inbrünstig gegen die Schliessung des Turbenthaler Altersheim Lindehus. Dessen Baufälligkeit veranlasst die Befürworter dazu, mit dem Heim Im Spiegel einen einzigen zentralen Standort in Rikon schaffen zu wollen. Eigentlich hätten die vier betroffenen Gemeinden – Turbenthal, Wila, Wildberg und Zell – bereits an der kommenden Septemberabstimmung über die Zukunft ihrer Heime befinden sollen, doch der Tag der Wahrheit wurde im Juli auf den 28. November vertagt «Die Bürger sollen sich ausführlich informieren und sich über die komplexe Vorlage selbstständig eine Meinung bilden können», erklärte Martin Lüdin (FDP), der als Gemeinderat von Zell auch Mitglied der Heimkommission ist.

Die Pro-Seite gab sich am Dienstagabend auffallend gelassen: In ihrer Argumentation blieben die drei Vertreter – neben Lüdin auch Parteikollege und Gemeindepräsident von Turbenthal, Georg Brunner, sowie die parteilose Wildberger Gemeinderätin Susanne Oberholzer – stets betont objektiv und ruhig. Sie beriefen sich auf Expertenmeinungen, Abklärungen und offizielle Dokumente und untermauerten ihre Ansicht konsequent mit dem Hauptargument, für die Heimbewohner erwiesenermassen das Beste zu tun.

Emotionen und schwarzer Humor

Anders ging die Gegenseite vor: Emotional plädierten deren Anhänger für ein Beibehalten des Lindehus und versuchten das Publikum im Falle von Armin Giger mit schwarzem Humor, von Urs Kasser mit lautem Frustablassen für sich zu gewinnen. Lotti Haeringer, Vorstandsmitglied des «Vereins zur Ablehnung des Interkommunalen Vertrags Turbenthal-Wila-Wildberg-Zell», wirkte bisweilen etwas gelangweilt: Trotz souveräner Moderation drehten sich die Argumente lange im Kreis, und die Kontrahenten hackten auf Zahlen und Fakten herum. Am Ende blieb wenig Zeit für Fragen übrig, doch dem Applaus nach zu urteilen, schienen sich die meisten der gut 100?Zuhörer ihre Meinung bereits gemacht zu haben.

Ein Wildberger gab zu Protokoll, gegen die Privatisierung der Altersbetreuung zu sein – und spielte damit auf die Firma Senevita an, die den Spiegel neu betreiben soll. Das Argument erntete Applaus und wurde auf der Bühne damit beantwortet, dass eine private Betreiberin ein grösseres Knowhow sowie finanziell bessere Voraussetzungen hätte als die öffentliche Hand. Das Publikum zeigte sich damit mässig einverstanden.

Konfuser Schlagabtausch

Die Pro-Seite warnte wiederholt vor einer Ablehnung der Vorlage, denn diese sei letztlich die einzige Möglichkeit, die Angelegenheit innert nützlicher Frist zu klären. Beide Heime beizubehalten, sei aus finanziellen Gründen keine Option, betonte Lüdin. Das könnten sich die Gemeinden schlichtweg nicht leisten. «Eine Steuererhöhung wäre nicht auszuschliessen», warnte er und erntete sofort Widerspruch seiner Kontrahenten, die dieses Szenario als völlig ungerechtfertigt desavouierten. Der Schlagabtausch blieb konfus, und am Ende herrschte im Saal weiterhin Verwirrung.

Noch bleiben zwei Monate, um das scheinbar Unmögliche möglich zu machen und den Stimmbürgern tatsächlich dazu zu verhelfen, sich anhand von Fakten eine Meinung bilden zu können.

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Erstellt: 08.09.2010, 19:48 Uhr

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