Vom ewigen Streben nach Gerechtigkeit
Von Eduard Gautschi. Aktualisiert am 22.11.2009
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Es war ein herzlicher Empfang, den der Ustermer Stadtrat Doris Leuthard beim Apéro im Stadthaus bereitete. Nach der Begrüssung durch Werner Egli (SVP), der dieses Jahr erstmals als Obmann des Ustertag-Komitees amtete, stand das gemeinsame Mittagessen im Restaurant Ochsen auf dem Programm. Pünktlich um 14 Uhr begann dann die Gedenkfeier zum Ustertag von 1830 in der überfüllten reformierten Kirche, an dem die Weichen für die Einführung einer liberalen Zürcher Kantonsverfassung gestellt wurden. Als Vorrednerin trat Anita Borer, Präsidentin der Jungen SVP Zürcher Oberland, auf die Kanzel. Sie warf einen Blick zurück auf Geschehnisse vom 22. November 1830 und deren revolutionäre Folgen für den Kanton Zürich.
Dabei liess es die engagierte Jungpolitikerin aber nicht bewenden. Sie forderte, dass am Ustertag auch «die kritischen, aber zukunftsgerichteten Ansichten der Jungen wieder mehr mit einbezogen werden müssen». Sie forderte damit mehr Gerechtigkeit, was die Vertretung der Jungen am Ustertag betrifft. «Gerechtigkeit» war das Stichwort für die Hauptrednerin Doris Leuthard, die sich dem Thema ausführlich widmete. «Wenn du Frieden willst, dann sorge für Gerechtigkeit», zitierte sie die Inschrift am Friedenspalast in Den Haag, am Sitz des Internationalen Gerichtshofs. Gerechtigkeit sei im Gegensatz zum Recht, das in Gesetzestexten festgehalten werden könne, eine emotionale Empfindung. Trotzdem brauche Gerechtigkeit das Gesetz als Massstab. Gerechtigkeit lasse sich nicht mit Geld, sondern nur mit einer inneren Überzeugung schaffen. Der Staat müsse dafür sorgen, dass seine Bürger sich gerecht behandelt fühlen. Schleiche sich das Gefühl der Ungerechtigkeit in die Seele der Menschen, destabilisiere dies die ganze Gesellschaft. Wo Gerechtigkeit in einem besonderen Spannungsfeld steht, erläuterte sie an den drei Beispielen Arm und Reich, Jung und Alt sowie Frau und Mann.
Gerechtigkeit ist Wunschtraum
Leuthard kam zum Schluss, dass es eine «absolute und allgemeingültige Gerechtigkeit nie geben wird». Gerechtigkeit bleibe ein Wunschtraum, solange die individuelle Selbstentfaltung wichtiger sei als der Dienst an der Gemeinschaft. Gerechtigkeit zu fordern sei einfach, sie zu fördern kompliziert. Eigentlich könne man sich ihr immer nur annähern. Gerechtigkeit sei ein kostbares Gut. Deshalb gelte es, «immer und überall nach Gerechtigkeit zu streben». Das gelte auch für den Welthandel. Jeder Einzelne sollte sich an Goethe halten und «immer strebend sich bemühen», sagte die Vorsteherin des Volkswirtschaftsdepartements, denn der «Weg zu mehr Gerechtigkeit ist das Ziel».
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 22.11.2009, 22:58 Uhr


