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Was Facebook über Kandidaten verrät

Zahlreiche Lokalpolitiker tummeln sich vor den Wahlen auf Facebook und geben Interessantes und Belangloses über sich preis – nicht alles absichtlich.

Kommentar auf Claude Gigers Facebook-Profil; «Naja, mer gseht's dir aa, dass mehrheitlich im Büro schaffsch ;-).»

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Die Jungfreisinnigen Uster (JFU) haben für ihren Wahlkampf Fronarbeit geleistet. Das belegen sie mit Bildern auf ihrer Facebook-Fanseite. Die jungen Politiker zeigen darauf, dass sie Äste schleppen, Bäume fällen und Büsche roden können. Was ihnen leicht spöttische Kommentare von Parteikollegen anderer Gemeinden einbringt. So schreibt Marco Nuzzi, Präsident der Jungfreisinnigen von Illnau-Effretikon (JLIE), unter ein Bild von Claude Giger, Präsident der Jungfreisinnigen Uster, in Aktion: «Naja, mer gseht's dir aa, dass mehrheitlich im Büro schaffsch ;-).»

Ironischerweise posiert Nuzzi als anpackender Politiker auf den Wahlplakaten in Illnau-Effretikon. Dort kandidiert er fürs Parlament. Auf der Wahlwerbung der JLIE lächelt er, einen grossen Hammer schulternd, in einer Schmiedschürze und mit kohleverschmiertem Gesicht. Dass er damit nicht wirklich Hufeisen schmiedete, macht Youtube deutlich. Auf dieser Internetplattform findet man einen Film über die Entstehung dieser Wahlkampagne der Illnau-Effretiker Jungpolitiker. Nuzzi fügt wohl darum in seinem Bildkommentar zu Gigers Holzfällerfoto an: «Aber ich dörf ja gar nüt säge.» Bemerkenswert am Facebook-Auftritt der JFU: Ihre «Fans» sind nicht nur regionale Gleichgesinnte. Zuoberst auf der Liste figurieren «Die Liberalen Köln», deren Beziehungsstatus in ihrem Facebookprofil mit «es ist kompliziert» angegeben wird. Normalerweise beschreibt ein Facebook-Nutzer damit bei den Angaben zu seiner Person seinen Zivilstand. Ob dies eine Anspielung auf das angespannte Verhältnis mit ihrem kleinen südlichen Nachbarn und damit den Ustermern ist, bleibt offen.

Frischer Wind mit der Pfeife

Offensichtlich nicht auf der Fanliste der JFU steht der Dübendorfer Juso-Parlamentarier Patrick Angele. Er ist ein umtriebiger Facebook-Nutzer und versammelt stolze 797 Freunde auf seinem Profil. Der Politiker betreibt daneben zwei Gruppen, denen insgesamt 711 Personen angehören. Die eine soll ihn in den Stadtrat bringen, während die zweite für ihn als Gemeinderatspräsident wirbt. Als aktueller erster Vize des Dübendorfer Parlaments sollte er im Mai zum Handkuss kommen. Dieses virtuelle Unterstützungskomitee hat er nötig. Wegen seiner Tätigkeit bei der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee, drohen die Bürgerlichen, ihm die Wahl zu verweigern. Diese Facebook-Gruppe trägt den vielversprechenden Namen «Frischer Wind für Dübi: Patrick Angele als Gemeinderatspräsident!». Im Widerspruch dazu posiert deren Protagonist auf dem Profilbild der Facebook-Gruppe in Sherlock Holmes Manier – mit einer Pfeife in der Hand. Wer glaubt, Angele hätte damit nur für das Shooting posiert, wird von den Bildern in seinem Facebook-Profil Lügen gestraft. Dort sieht man Angele im Liegestuhl auf einem Balkon mit wunderbarer Bergsicht – oben ohne, ein Buch in der Hand, die Pfeife im Mund.

Ein Eintrag auf Angeles Pinnwand macht indessen stutzig: Er ist der Gruppe «Für eine Schweiz ohne Juso» beigetreten. Ob er den Juso-Schuhen bereits entwachsen ist und künftig die SP–Grösse trägt?

Nicht nur Jungpolitiker tummeln sich vor den Wahlen auf Facebook. Die Wangen-Brüttiseller Aspirantin auf das Gemeindepräsidium, Marlis Dürst (Forum), ist 50 Jahre alt und unterhält eine Fanseite. Viel tut sich auf «Marlis Dürst als Gemeindepräsidentin – Die Wahl für die Zukunft» allerdings nicht. Auffallend ist aber, dass die Mehrheit ihrer 19 Fans bedeutend jünger sind als Dürst selbst. Ein Rätsel? Nicht wirklich, dies lässt sich dadurch erklären, dass Dürst im Wangen-Brüttiseller Gemeinderat Vorsteherin des Ressorts Jugend und Familie ist.

Der Kandidat war beim Coiffeur

Ebenfalls 19 Fans hat der Facebook-Auftritt von Bruno Erni (parteilos). Er macht dem bisherigen Gemeindepräsidenten von Pfäffikon, Hans Heinrich Raths (SVP), den Sitz streitig. Sein Facebook-Auftritt ist vorbildlich gestaltet: professionelle Bilder einer vor Glück strahlenden Familie, seine Motivation zu kandidieren, sein Leben, ein Hinweis auf seine eigene Webseite. Und wer will, kann Neuigkeiten abonnieren und per Postkonto Geld spenden. Über den 55-Jährigen erfährt der Surfer aber auch viel Belangloses. Beispielsweise, dass der Kandidat sich am Montag massieren liess und er «das Wohlgefühl nach einer physiotherapeutischen Massage geniesst», um sich anschliessend «locker, locker, locker!» zu fühlen. Oder der Vermerk: «Hat sich durch die Coiffeuse Jessica im Dolce Vita Beauty Center in Pfäffikon ZH frisieren lassen, merci Jessica!»

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(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.02.2010, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

Josh Modoux

25.02.2010, 12:39 Uhr
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Patrick Angele ist nicht das einzige Mitglied der Juso, welches sich in der Gruppe "Für eine Schweiz ohne Juso" betätig. Die meisten haben sich angemeldet damit sie mit den Juso-Gegnern diskutieren können. Antworten



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