Zürich
21-Jähriger zahlt 5200 Franken für die teuersten Tiefkühlpizzas der Goldküste
Von Patrik Berger. Aktualisiert am 10.03.2010
Polizeikontrolle
- 113 Fahrer waren betrunken oder auf Drogen
- Zu wenig Eis gekratzt: Führerschein weg
- Posse um überklebte Autonummer
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Der Vorfall, über den das Bezirksgericht Meilen geurteilt hat, liegt zweieinhalb Jahre zurück. Am 3. August 2007 sitzt der heute 21-jährige Telematiker-Lehrling in Zumikon gemütlich mit einigen Kollegen zusammen. Einer aus der Runde kommt auf die Idee, sich etwas zu essen zu besorgen. Der Zumiker und ein Kollege machen sich auf nach Küsnacht. Sie wollen beim Kollegen zu Hause ein paar Pizzas holen. Beide setzen sich in ihre Autos – zwei sportliche Renault Clio – und fahren los.
Bei der Ampel an der Itschnacher-Kreuzung biegen sie links nach Küsnacht ab – der Zumiker laut Anklageschrift mit quietschenden Reifen. Die beiden hungrigen jungen Männer bemerken dabei nicht, dass eine an der Kreuzung wartende Patrouille der Gemeindepolizei auf sie aufmerksam geworden ist und die Verfolgung aufnimmt. Das Quietschen der Reifen und der geringe Abstand zwischen den beiden Renaults beim Abbiegen – laut Anklage gerade mal 5 bis 6 Meter – hat die Polizisten aufhorchen lassen. Die beiden Lenker biegen in die Küsnachterstrasse ein und fahren in Richtung Restaurant Sonnenhof. Sie sind laut Anklageschrift mit 80 beziehungsweise 90 km/h massiv schneller unterwegs als innerorts erlaubt.
Damit nicht genug: Beim Sonnenhof überholt der Zumiker seinen Kollegen mit 90 km/h. Die Gemeindepolizei, die ihm mit Blaulicht, eingeschaltetem Horn und der Leuchte «Stop Polizei» auf den Fersen ist, soll er laut Staatsanwalt schlicht ignoriert haben. Beim Haus des Kollegen holt ihn die Polizei ein. Der junge Raser sitzt dort seelenruhig auf einem Bänkli vor dem Haus seines Freundes und wartet auf ihn, weil er keinen Hausschlüssel hat.
Sinnloses Überholmanöver
Der Zumiker Lehrling wurde vom Bezirksgericht Meilen wegen dieser allzu flotten Pizza-Fahrt zu einer bedingten Geldstrafe von 2700 Franken (90 Tagessätze à 30 Franken) sowie einer Busse von 500 Franken verurteilt. Zudem wurde ihm eine Gerichtsgebühr von 2000 Franken aufgebrummt.
Das Gericht blieb mit diesem Verdikt hinter den Forderungen des Staatsanwaltes zurück. Er hatte sich für eine Geldstrafe von 4500 Franken (150 Tagessätze à 30 Franken) und 1000 Franken Busse stark gemacht.
Das Überholmanöver auf der Küsnachterstrasse erfüllt laut Bezirksgericht den Tatbestand der groben Verletzung von Verkehrsregeln. «Der Angeklagte hat beim Überholen eine unverhältnismässig lange Strecke – mindestens 280 Meter – auf der Gegenspur zurückgelegt», heisst es im Urteil. Ein so langes Fahren auf der Gegenfahrbahn ohne Sicht auf kurviger Strecke ist laut Gericht «enorm gefährlich». Die Gefahr einer Frontalkollision mit einem entgegenkommenden Fahrzeug sei eindeutig. «Das Überholmanöver war völlig sinnlos», fasst das Gericht zusammen.
Urteil wird weitergezogen
Vom Vorwurf des Nichtbefolgens eines polizeilichen Haltesignals wurde der Jugendliche jedoch freigesprochen. Es sei gut möglich, dass er das Polizeiauto im Rückspiegel nicht sah und das Horn nicht hören konnte, schreibt das Gericht im Urteil. Auch aus dem Abstand von 6 Metern wurde dem jungen Zumiker kein Strick gedreht. Ein solcher Abstand könne bei 50 km/h nicht als klarer Fall von zu geringem Abstand bezeichnet werden. Hingegen war der Lehrling laut dem Gericht zu schnell unterwegs.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der Verteidiger des jungen Zumikers kündigte schon bei der erstinstanzlichen Verhandlung am Bezirksgericht in Meilen an, das Urteil ans Obergericht weiterziehen zu wollen.
Mehr Nachrichten und Hintergründe vom rechten Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an staefa@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.03.2010, 04:00 Uhr
WRITE A COMMENT
Zürich
- 09:01Politiker bekommen kalte Füsse
- 08:40Langstrasse Unfall: Lenker in U-Haft
- 07:24Zwei Dutzend Verkehrsunfälle und eingestellte Buslinien
- 06:32Gericht pfeift Kanton zurück: Abgewiesener Asylbewerber darf nicht heiraten
- 21:57Neuschnee macht Strassen unsicher
- 15:25Die Dolderbahn rutschte 20 Meter bergab



