Apotheker warnen vor Jod-Hysterie

Von Regine Imholz. Aktualisiert am 16.03.2011 4 Kommentare

Die Meldungen aus Japan schüren Verstrahlungsängste. Ärzte und Apotheker aus der Region halten aber nichts davon, hierzulande Jodtabletten einzunehmen.

«Es macht Sinn, bei einer Reise nach Japan Jod mitzunehmen»: Maria Neuhäusler, Apothekerin und stv. Geschäftsführerin der Zürcher Bahnhofsapotheke. (Video: Tina Fassbind)

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Die Angst vor einer atomaren Wolke lässt die Schweizer scharenweise Apotheken nach Jodtabletten abgrasen. Trifft diese Aussage auch an der Goldküste zu? In der Amavita-Apotheke in Erlenbach wurden die Jodtabletten in den vergangenen Tagen erst einmal verlangt. «Ein Mann kam mit einer leeren Schachtel als Muster», sagt eine der Pharma-Assistentinnen. Doch sei das Produkt im Geschäft nicht vorrätig – und man wolle sich auch nicht damit eindecken. «Das ist wieder so ein Riesentamtam wie bei der Schweinegrippe», sagt die junge Frau, «und genauso überflüssig.»

Dieser Meinung ist auch Stephan Oechslin, Inhaber der Stäfner Rebstock-Apotheke: «Jetzt Jodtabletten zu kaufen, wäre absurd», sagt er. «Japan ist so weit weg, dass wir in der Schweiz wohl kaum Gefahr laufen, atomar verstrahlt zu werden.» Viele Apotheken haben die Jodtabletten gar nicht vorrätig. «Weil die im Lager doch nur verstauben würden», wie ein Geschäftsinhaber sagt. Denn Jodtabletten sind ausschliesslich zur Vorbeugung im Falle einer radioaktiven Verstrahlung bestimmt.

Depot für Meilen in Uster

Falls es zu einer Bedrohung kommt, sind es die Gemeinden, die auf solche Katastrophen reagieren müssen. Sie sind es auch, die für die Bereitstellung von Jodtabletten zuständig sind. Gemäss Martin Good, stellvertretender Gemeindeschreiber in Meilen, werden die Gemeinden im Katastrophenfall von Bund und Kanton instruiert, wie sie vorzugehen haben.

Nicht jede Gemeinde verfügt über ein Jodlager. Das grosse Depot für Meilen zum Beispiel befindet sich in Uster. «Im Notfall», sagt Good, «holt die Feuerwehr die erforderliche Menge ab.» Anschliessend würden die Jodtabletten an die Bevölkerung verteilt.

Distanz wahren

Martin Good appelliert an die Bevölkerung, kühlen Kopf zu bewahren. «Auch wenn uns das Fernsehen die Bilder ganz nah in die Stube bringt», sagt er, «muss man das Geschehen mit sachlicher Distanz betrachten.»

Georg Schulthess, Arzt im Spital Männedorf, rät dringend von einer prophylaktischen Einnahme von Jodtabletten ab. «Das Medikament soll nur gezielt eingenommen werden – dann, wenn tatsächlich die Gefahr einer atomaren Verseuchung droht», sagt er. «Am wirksamsten ist eine Tabletteneinnahme wenige Stunden vor bis gleichzeitig mit der Radiobelastung» ist dem Beipackzettel der Tabletten zu entnehmen. Und weiter: «Bis zu fünf Stunden nach der radioaktiven Aufnahme ist eine Einnahme von stabilem Jod noch sinnvoll.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.03.2011, 00:13 Uhr

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4 Kommentare

Ulrich H. Knobel

16.03.2011, 10:04 Uhr
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Wie kann man hier in der CH nur so konfus reagieren und sich mit Jodtabletten eindecken? So viel Angst um das eigene Bisschen Leben zeugt nicht gerade von Standfestigkeit. Sind wohl diejenigen Leute, die bei jedem Wehwehchen sofort zum Notfall springen u. die Gesundheitskosten hochtreiben. Antworten


Marco Henzer

16.03.2011, 10:19 Uhr
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Erstens. Alles Salz in der Schweiz ist iodiert, d.h. der menschliche Körper wird bereits mit gesundem Jod ständig gesättigt. Die übersättigung der Thyrus Drüse mit gesundem Jod durch die Einnahme von Iodtabletten macht nur Sinn, wenn radioaktives Jod-131 (Spaltprodukt von Uran) in der Luft ist und in den Körper gelangt. Davon sind wir hier in der Schweiz noch weit entfernt. Antworten



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