Zürich
Berufsfischer wehren sich – die Aufzucht von Jungfischen komme dem See zugute
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Kurt Weidmann aus Männedorf fühlt sich in seiner Ehre als Berufsfischer angegriffen. Er wehrt sich gegen die Aussagen von Rolf Schatz, Sportfischer und Sprecher der IG Dä neu Fischer, dass die Fischzuchtanlage Stäfa nur den Berufsfischern zuliebe Millionen von Jungfelchen im See aussetze. Die Bemerkungen von Schatz seien ziemliche Angriffe auf die Berufsfischerei und deren Berechtigung, sagt Weidmann.
Er bezeichnet es als «schlechten Stil, sich so weit aus dem Fenster zu lehnen», ohne sich vorher mit den involvierten Personen zusammengesetzt zu haben. Einige der Argumentationen von Schatz seien zudem haltlos. So beeinträchtige der Einsatz von Millionen von Jungfischen das natürliche Gleichgewicht des Sees beispielsweise nicht. Der Felchen sei kein Nahrungskonkurrent für andere Fische, denn er ernähre sich von sonst kaum genutztem Plankton. Zudem halte er sich in anderen Lebensräumen auf als seine Artgenossen.
Fischer auf See angewiesen
Zwar versteht Weidmann, dass die schiere Zahl der Jungfische irritieren mag, doch führt er ein einfaches Beispiel an: Ein einzelner Felchen hat zwischen 3000 und 5000 Fischeier. Kommen einige Hundert Fische zusammen, ergibt das schnell eine riesige Menge. Der Grund dafür ist einfach: Erstens dient dies als Futterbasis für andere Fische. Zweitens braucht es so viel Nachwuchs, um die Art zu erhalten, weil nicht alle Jungfische überleben. «Das Rezept ist einfach, die Natur hält uns das immer wieder vor Augen», erklärt Weidmann.
Schliesslich führt der Männedörfler an, dass er als Berufsfischer auf den See angewiesen sei. Deshalb habe er als Letzter ein Interesse daran, das natürliche Gleichgewicht zu stören und sich so einen Nachteil zu verschaffen.
Dass die Berufsfischer von den zahlreichen ausgesetzten Jungfelchen profitieren, streitet Weidmann nicht ab. Der Felchen sei ohne Zweifel die interessanteste Fischart bezüglich Preis-Leistungs-Verhältnis. Würde man die Aufzucht der Felchen – des «Brotfischs» der Berufsfischer – einstellen, wäre ihre Existenz bedroht. Denn die ertragreichen Monate von Frühling bis Herbst gleichen die Wintermonate aus, in denen karpfenartige Fische wie Schwalen oder Brachsmen gefangen werden, die lediglich etwa die Hälfte einbringen. Nur so sei ein einigermassen regelmässiges Einkommen gewährleistet, erklärt Weidmann.
Artenvielfalt per Gesetz erhalten
Der Aufwand für die Aufzucht relativiere sich zudem angesichts des gesamten volkswirtschaftlichen Nutzens, der mit den Fangerträgen erzielt werde. «Verschiedene Interessengruppen ziehen ihren Nutzen daraus, nicht zuletzt der Staat», sagt Weidmann. Die Kantone seien per Gesetz dazu verpflichtet, die Artenvielfalt zu erhalten.
Darin sieht auch Weidmann – nebst der eigenen Existenz – die Hauptaufgabe der Berufsfischerei. «Wir sorgen für Ausgewogenheit, damit nicht einzelne Fischarten zu Monokulturen heranwachsen.» Ausgewogenheit sei wichtig, weil sie ein Indiz für ein gesundes Gewässer sei. «Weil der See auch als Trinkwasserquelle dient, ist die Nutzung der Fischbestände eine absolute Notwendigkeit, um Fischkrankheiten und einer unnötigen Belastung vorzubeugen», betont er.
Eingriffe teilweise notwendig
Renaturierungsmassnahmen begrüsst Weidmann zwar, doch seien diese nicht nur teuer, sondern auch schwierig durchzuführen, da sich ein Grossteil des Seeufers in Privatbesitz befinde. Der Berufsfischer vertraut jedoch darauf, dass sich die Natur zum Teil auch selber regeln kann. «Stösst sie an ihre Grenzen, sind Eingriffe aber unvermeidbar.»
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Erstellt: 04.09.2010, 09:27 Uhr


