Blochers Schwiegersohn kritisiert die Sesselkleber in der SVP
Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 21.05.2011 39 Kommentare
Zur Person
Roberto Martullo ist mit Magdalena Blocher verheiratet. Er ist Inhaber einer Personalagentur und Präsident der SVP Meilen. Bei den Kantonsratswahlen hat der 49-Jährige vom 13. Platz aus sieben Ränge gewonnen – ohne mit dem Namen Christoph Blocher zu werben.
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Die Forderung des Ehemanns von Magdalena Blocher ist pikant: «Wir haben zu viele pensionierte Sesselkleber», sagt Roberto Martullo (49) und schlägt eine Amtszeitbeschränkung von acht oder zwölf Jahren vor. Von der aktuellen Zürcher SVP-Delegation könnten acht Bisherige nicht mehr antreten – von Toni Bortoluzzi mit 20 Amtsjahren bis zu Christoph Mörgeli mit 12. Vor allem aber: Martullos Schwiegervater ist als Nummer 1 auf der SVP-Liste klar der Älteste, und er sass schon 24 Jahre lang im Nationalrat. Martullo aber verteidigt Blocher. Er sei nicht gegen alte, sondern gegen «unmotivierte und müde» Nationalräte. Blocher hingegen habe auch mit 70 noch die Kraft und den Weitblick wie kaum ein anderer.
Herr Martullo, Sie kritisieren offen die überalterte Nationalratsliste der SVP und sprechen von «pensionierten Sesselklebern». Was stört Sie denn an Bortoluzzi, Binder, Fehr und Co.?
In den nächsten Jahren kommen grosse Herausforderungen auf die Politik zu: Schengen, Personenfreizügigkeit, der schleichende EU-Beitritt. Da brauchen wir in der SVP eine Mannschaft, die fit, voll motiviert und dynamisch ist. Doch die SVP ist drauf und dran, mit vielen Nationalräten in die Wahlen zu steigen, die schon ewig lange dabei, müde und nicht mehr voll motiviert sind. Nichts gegen die Alten: Aber wir brauchen einen besseren Mix, um gegenseitig voneinander zu profitieren.
Mit Anita Borer steht eine 24-Jährige auf dem zweiten Platz.
Anita Borer hat bestimmt ihre Qualitäten und vertritt als Präsidentin die Junge SVP. Aber sie ist meiner Meinung nach die falsche Person, um die Liste zu verjüngen. Anita Borer sollte zuerst einmal vier Jahre im Kantonsrat Erfahrungen sammeln. Sinnvoller wäre, wenn man Leute auf vordere Plätze setzen würde, die sich schon profiliert und abgerackert haben – die erfahren, aber doch noch jung sind.
Zum Beispiel?
Etwa Gregor Rutz, Claudio Zanetti, Barbara Steinemann oder Susanne Brunner. Doch die sind auf mittleren oder letzten Plätzen, hinter allen Bisherigen. Solche Leute müsste man auf den Plätzen vier bis zehn ins Rennen schicken und erst dann die Bisherigen.
Warum macht das die SVP nicht?
Offenbar haben die Alten einen bisherigen Bonus, und wenn sie nicht freiwillig zurücktreten, haben sie ihren Startplatz auf sicher. Mit diesem Verfahren vertröstet man die Jungen auf weitere vier Jahre. Am Schluss sind acht oder zwölf Jahre vorbei, und die Jungen sind auch nicht mehr jung. Ich hätte eine kreativere Liste erwartet.
Dann können Sie am Dienstag, wenn die Nationalratsliste an der Delegiertenversammlung definitiv verabschiedet wird, einen Antrag stellen.
Ich werde sicher aufstehen und meine Meinung sagen. In der Vergangenheit wurde die Liste immer schlank durchgewunken. Da getraut man sich ja kaum mehr, einen Antrag zu stellen, der ohnehin abgeschmettert wird.
Sie könnten es sich leisten.
Ja, ich bin in der SVP unabhängig und würde mich auch getrauen aufzustehen. Aber dann müsste ich auch sicher sein, dass zumindest die Delegierten aus meinem Bezirk Meilen hinter mir stehen.
Ausgerechnet Sie sind unabhängig?
Klar. Ich bin ja auch nicht Nationalratskandidat und handle nicht aus Eigennutz. Mir geht es um die Förderung der Jungen. Wer will sich heute acht Jahre lang durchdienen müssen, um dann 50-jährig vielleicht einmal eine Chance zu haben?
Als Schwiegersohn von Christoph Blocher können Sie doch nicht unabhängig sein. Getrauen Sie sich deshalb, auf die Pauke zu hauen, weil Sie keinen derartigen Höllenrespekt vor ihm haben wie andere?
Als Schwiegersohn müsste ich ja eher ruhig sein und schauen, dass die Kirche im Dorf bleibt. Ich getraue mich nicht als Schwiegersohn aufzustehen, sondern weil das mein Temperament und mein Rechtsempfinden ist.
Christoph Blocher hat Sie im «Blick» einmal als «trottelig» bezeichnet.
Nicht ganz. Er hatte meine Argumente für die Umwandlung des Rentenumwandlungssatzes als «trottelig» bezeichnet, nicht mich. Ich hatte ihm schon vorher erklärt, dass die SVP da falsch liege. Ich vertrete eben meine eigene Meinung.
Wenn Sie jetzt gegen die Sesselkleber Sturm laufen, haben Sie das mit Blocher auch besprochen? Vielleicht findet er das ja insgeheim gut?
Vielleicht, aber das müssen Sie ihn selber fragen.
Eigentlich sind Sie auch gegen Ihren Schwiegervater. Der ist Nummer 1 auf der Nationalratsliste und schliesslich mit Abstand der Älteste.
Stopp! Ich bin nicht gegen Alte, ich bin vielmehr gegen unmotivierte, müde Nationalräte, die schon seit 16 oder 20 Jahren in Bern sind und einfach nicht loslassen können. Es gibt auch Alte, die zu den Besten gehören. Zum Beispiel Ulrich Schlüer. Doch der ist nun auf dem undankbaren 13. Platz und muss mit einer Abwahl rechnen. Zu Blocher: Der war immerhin acht Jahre weg aus dem Nationalrat. Und er hat die Kraft und den Weitblick wie kaum ein anderer, ob er nun 70 ist oder nicht.
Was ist die Motivation von Max Binder, Toni Bortoluzzi oder Hans Fehr, nach 20 oder 16 Jahren weitermachen zu wollen? Geltungsdrang oder das Einkommen?
Das müssen Sie diese selber fragen. Ich finde, dass acht oder maximal zwölf Jahre genug sind. Ich wäre für eine klare Amtszeitbeschränkung – aber in der SVP kämpfe ich da gegen Windmühlen.
Lähmt die überalterte Liste nicht auch die Kampfeslust der SVP im Wahlkampf?
Davon bin ich überzeugt. Das wird ein flauer Wahlkampf. Blocher wird als Wahllokomotive eingesetzt. Und die Bisherigen – vor allem jene auf den vorderen Plätzen – fahren im Schlafwagen mit. Auch die Jungen werden sich wenig engagieren, weil sie eh kaum Chancen auf eine Wahl haben.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.05.2011, 14:21 Uhr
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39 Kommentare
Die SVP sollte noch vor einer Amtszeitbeschränkung besser eine Qualitätskontrolle einbauen: Wer im Amt betrügt, fälscht oder lügt etc. sollte nie mehr ein politische Amt ausführen dürfen. Demnach hätte dann auch Ch. Blocher nach seiner Wahlfälschung 1994 abtreten müssen. Antworten
Das sich alle bei der $VP vor dem Blocher fürchten ist mir schon vorher aufgefallen. An diesem Punkt erinnert er mich an Stalin. Bei dem konnte sich seine "Entourage" auch nicht sicher sein, ob sie als nächstes Fällt... Antworten

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