Zürich
Brady Dougan bringt Erlenbach nichts
Von Christoph Landolt. Aktualisiert am 05.05.2010 15 Kommentare
Über einen solchen Steuerzahler würden sich Millionen von Gemeinden auf der ganzen Welt freuen: Brady Dougan. Der Chef der Credit Suisse ist für seine Verdienste in den letzten fünf Jahren mit einem Bonus von 70,9 Millionen Franken belohnt worden. Dazu kommt für 2009 eine Gesamtvergütung von 19,2 Millionen, wovon 1 Million schon jetzt ausbezahlt wird. Doch wie viel von den insgesamt 72 Millionen wandert in die Kassen seines Wohnorts?
Laut Handelsregister wohnt Dougan in Erlenbach. Obwohl das Steuerregister im Kanton Zürich grundsätzlich öffentlich zugänglich ist, erteilen weder das kantonale Steueramt noch die Gemeinde Erlenbach Auskunft über den Wohnsitz des Amerikaners. Dougan hat seinen Eintrag sperren lassen. Der CS-Chef verbringt laut «SonntagsBlick» rund die Hälfte seiner Zeit bei seiner Familie in den USA, die andere Hälfte in der Schweiz.
Wo bezahlt der CS-Chef also Steuern, und wie viel? Gemäss Robert Hubert vom kantonalen Steueramt wird hierzulande arbeitenden Ausländern ohne dauerhafte Niederlassungsbewilligung direkt vom Lohn eine Quellensteuer abgezogen. Da Dougan dabei das Maximum von 120'000 Franken Einkommen aber deutlich überschreitet, hat er wie alle anderen eine Steuererklärung auszufüllen. Obwohl der Amerikaner häufig in den USA weilt, geht er in Erlenbach nicht als Wochenaufenthalter durch: «Gemäss geltendem Doppelbesteuerungsabkommen mit den USA ist jemand, der in der Schweiz angestellt ist, hier steuerpflichtig», erklärt Huber.
Erlenbach erhält wenig – oder zahlt sogar drauf
Gemäss dem aktuellen Erlenbacher Steuersatz von 82 Prozent müsste Dougan 25 Millionen Franken an den Fiskus abliefern. Davon gehen 9,2 Millionen an den Kanton und 8,2 Millionen an den Bund. Wie die «Zürichsee-Zeitung» kürzlich ausgerechnet hat, würden für Erlenbach noch 7,5 Millionen übrig bleiben.
Davon hat das 5000-Seelen-Dorf allerdings nur wenig: Das attraktive Erlenbach gehört zusammen mit den Goldküsten-Nachbargemeinden zu den Milchkühen, die den kantonalen Finanzausgleich speisen. «Je nach dem die wie hoch die Steuerkraft unserer Einwohner im Jahr 2009 war, fliesst fast das ganze Geld in andere, finanzschwache Gemeinden», erklärt der Erlenbacher Steuersekretär Rolf Walther. «Wegen des Finanzausgleichs hat Erlenbach kaum etwas von zusätzlichen Steuerzahlern.» Es sei sogar möglich, dass die Gemeinde mehr in den Ausgleich einzahlen müsse, als sie mit neuen Einwohnern verdiene. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)
Erstellt: 05.05.2010, 12:13 Uhr
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15 Kommentare
Da kann der reiche Mann ja wohl nichts dafür. Die Schlagzeile suggeriert aber genau das. Boulevard-Journalismus. Dutzende anderer Beispiele gibt es im Tage jeden Tag. Einfach alles schlecht machen, negativ beleuchten... ja, so macht das Leben Spass! Antworten
Ja, Dougan müsste so und so viele Steuern abliefern. Müsste. Was die TA-Redaktion hier aufführt, ist der Idealfall vom hochgradig ehrlichen Steuerzahler. Doch Dougans Arbeitgeber beschäftigt ja auch Steuerexperten, die für ihre reiche Klientel das Ausfüllen der Steuererklärung übernehmen – dann sieht das schon anders aus. In Relation zahlen solche Leute weniger Steuern als jeder Normalverdiener. Antworten
@ Heinz Martin: Vorsicht mit politischer Schuldzuweisungen an die Linke. Vom Finanzausgleich profitieren vor allem Landgemeinden die fest in SVP-Hand sind. Aber wenn die SVP dort den EinwohnerInnen erklären will, weshalb nach der von ihnen geforderten Abschaffung des Finanzausgleichs die Steuerfüsse kräftig in die Höhe schnellen, nur zu... Antworten
25 Millionen CHF Steuern! Also wenn's nch mir ginge dürfen Ruhig noch mehr Boni ausgezahlt werden, dieses Geld kommt schliesslich der Allgemeinheit zugute...Wie viel Steuern zahlen eignetlich die Leute die sich hier immer so über die Boni aufregen? Antworten
Wieviel Steuern bezahlt Dougan im Kt. Zürich? Wird er als beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig betrachtet? Wie wird das Einkommen im internat. Verhältnis zwischen der CH und den USA ausgeschieden? Wer hat das Besteuerungsrecht für die variablen Lohnkomponenten wie Mitarbeiteraktien und -optionen? Bezahlt Dougan irgendwo Steuern auf Vermögen und Vermögenserträgen. Los, Herr Journalist! Antworten
Ahhh die armen Golfküstengemeinden müssen wegen Brady Dougan mehr in den Finanzausgleich bezahlen, wie fies auch. Wir sollten mal endlich das Steuergesetz und die Steuerfüsse in der ganzen Schweiz vereinheitlichen. Dieser kantönli Geist ist doch ein Witz. Antworten
Statt zu schreiben Erlenbach erhalte nichts könnte man auch schreiben... Finanzschwache Gemeinden erhalten einen Teil von 7.2, der Kanton 9.2 und der Staat 8.2 Millionen, vielen Dank! Aber der gewählte Titel ist natürlich viel reisserischer, da er suggeriert, Dougan bezahle keine Steuern... Antworten
Oh das arme Erlenbach. Nun, dann sollen sie halt den Steuerfuss erhöhen. Damit schlagen sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens bekommen sie mehr Geld und zweitens ziehen sie weniger so Leute wie Dougan an, die ja doch unterm Strich mehr kosten, als sie einbringen. (Und drittens haben dann auch andere Gemeinden wieder besser Karten im Rennen um gute Steuerzahler). Antworten
Was soll auch das hier mit dem Finanzausgleich: derjenige, welcher immer ueber seinen verhaeltnissen lebt bekommt von den sparsamen--tolle Welt. Weg mit dem kantonalen und interkantonalen Finanzausgleich. Das ist nur ein Mittel der Linken die Umverteilung noch ungerechter werden zu lassen. Antworten
Eine journalistische Glanzleistung! Der Durschnittsleser nur diese Schlagzeile lesen "Brady Dougan bring Erlenbach nichts". Daraus wird er folgendes ableiten: "Brady Dougan zahlt keine Steuern!". Wenn wir Glück haben lesen wir morgen im Blick einen Artikel über Banker und Pauschalbesteuerung. Dass Herr Dougans Steuern wegen dem Finanzausgleich umverteilt werden, ist dann plötzlich irrelevant. Antworten



Hans Meier
Wenn er nichts bringt, dann soll er doch zurück in die USA! Antworten