Der Loipenkönig vom Pfannenstiel
Von Christoph Dubler. Aktualisiert am 02.02.2010 1 Kommentar
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Ein Reh springt mit funkelnden Augen über die verschneite Wiese der Guldenen hoch ob Küsnacht. Eine Schleiereule gurrt verstohlen aus dem Unterholz. Es ist stockfinstere Nacht. Höchste Zeit für This Menzi, seinen Pistenbully 160 aus der Garage zu fahren und mit der nächtlichen Tour zu beginnen. Menzi ist Landwirt, er bewirtschaftet einen Hof auf der Guldenen.
Das Pistenfahrzeug kostet stolze 200'000 Franken und wurde von der Zürcher Kantonalbank, der Eigentümerin der Guldenen, gesponsert. Die Bank bezahlt ihm einen Lohn fürs Präparieren der Langlaufloipen. «Einen Bonus kriege ich aber nicht» sagt Menzi und lacht. Vier bis zehn Stunden ist er mit dem Pistenbully unterwegs – je nach Schneehöhe. Er präpariert die Pisten von der Guldenen bis nach Hombrechtikon, dann über die Auen oberhalb Stäfa bis an die Oetwiler Grenze beim Türli. Weiter geht die Tour dann vom Gibisnüt auf Uetiker Boden via Vorderer Pfannenstiel und Hochwacht zurück auf die Guldenen. In schneereichen Wintern liegt jeweils bis zu einem Meter Schnee. Es ist ruhig an diesem Abend. Dass das Naherholungsgebiet nur 10 Minuten von der Stadt entfernt ist, ist kaum vorstellbar.
Chaos wie am Fussballmatch
An schönen Wochenenden ist es jeweils vorbei mit Ruhe und Beschaulichkeit. Dann fallen Tausende von gestressten Stadtzürchern ins Naturidyll ein. «An solchen Tagen haben wir jeweils ein Parkplatzchaos, wie an einem wichtigen Fussballmatch», sagt This Menzi.
Seit 25 Jahren unterhält er die Langlaufloipen, Wander- und Schlittelwege auf der Guldenen. «Der Schnee braucht vier bis sechs Stunden Ruhezeit, dann ist er am härtesten und griffigsten», weiss er deshalb aus Erfahrung. Menzi ist mit seinem Pistenfahrzeug darum meistens in der Nacht unterwegs. Der Schnee wird vom Raupenfahrzeug gepresst. Am Heck des Bullys ist ein spezieller, schwerer Schlitten montiert, der die Spuren in den gepressten Schnee drückt. 20 Zentimeter Schnee braucht es dafür mindestens. Er kann sich noch gut am Zeiten erinnern, wo er nur die Klassische Variante spuren musste. «Mittlerweile sind die Skater allerdings klar in der Überzahl», sagt Menzi.
Die Loipe auf der Guldenen hat bereits eine lange Tradition. In den frühen Siebzigerjahren begannen Langläufer vom Turnverein Egg erste Loipen zu präparieren. «Hilfsmittel hatten sie keine», sagt Menzi. «Sie sind einfach mit ihren Skis ein paar Mal im Kreis gelaufen.» Gleich taten es ihnen 15 Langläufer des Skiklubs Alpina aus Männedorf und Stäfa auf der anderen Seite des Pfannenstiels, die unter der Leitung von Fredy Guyer, damals Orientierungsläufer mit exzellenten Geländekenntnisse, eine Loipe anlegten.
Nicht alle Bauern freuts
1985 dann wurden die Strecken miteinander verbunden und in die Obhut von This Menzi gelegt. Fredy Guyer amtet seither als Betreuer der «ZKB-Loipe am Pfannenstiel». Beim Spuren muss Menzi vorsichtig sein. «Die Kurven müssen rund gefahren werden», erklärt er. Geländekuppen seien besonders heikel. «Wenn das schwere Gefährt den Schnee zusammenpresst, verliert die Schicht ihren dämmenden Charakter. Die Erde darunter gefriert», erklärt This Menzi. Dies führe im Sommer zu unschönen Grasnarben, also Stellen, an welchen das Gras nicht mehr richtig gedeihe. «Da kommt es schon einmal vor, dass sich Bauern bei mir über die Loipen auf ihrem Land beklagte», sagt Menzi.
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Erstellt: 02.02.2010, 04:00 Uhr


