Grossaufgebot wegen Chemieunfall

Ein Brand in einer Getränkefirma in Obermeilen fordert drei Verletzte. Der Feuerwehr gelingt es rasch, die Explosionsgefahr einzudämmen.

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Die Szene hatte etwas Surreales: Die Gefahr war längst gebannt, als die vom Flughafen Kloten georderte Grossambulanz, die Platz für zwölf liegende Personen bietet, eintraf. Kurz vor 11 Uhr bog der grosse, in die Jahre gekommene Bus in den Grueb-Weg in Obermeilen ein. Die drei Verletzten waren aber bereits mit Blaulicht von gewöhnlichen Krankenwagen ins Spital transportiert worden. Eineinhalb Stunden zuvor war bei Polizei und Feuerwehr ein Alarm eingegangen. In der Schweizer Getränke AG hatte sich ein Chemieunfall ereignet: Beim Einfüllen von Lösungsmittel in eine Destillationsanlage war eine kleine Menge der hochentzündlichen Flüssigkeit Isopentan, die zur Herstellung von Sirup verwendet wird, entwichen.

Isopentan heikler als Benzin

In Verbindung mit Sauerstoff bildeten die Dämpfe dieser Lösung ein explosionsfähiges Gemisch: Die 4 Meter hohe Stichflamme konnte von Mitarbeitern des industriellen Lebensmittelbetriebes mit Feuerlöschern aber sofort erstickt werden. Dennoch wurden drei Angestellte, die sich im selben Raum aufhielten, verletzt: Einer zog sich erhebliche Brandverletzungen zu, zwei weitere erlitten Rauchvergiftungen.

Rund 80 Angehörige der Stützpunktfeuerwehr Meilen, der Berufsfeuerwehr Zürich und der Feuerwehr Zollikon sowie zahlreiche Sanitäter, Polizisten und ein Chemiefachberater rückten an, evakuierten die 100 Mitarbeiter der Schweizer Getränke AG und sperrten das Gelände grossräumig ab. Insgesamt standen rund 100 Personen mehrere Stunden lang im Einsatz. Der Feuerwehr Meilen gelang es relativ rasch, die Destillationsflüssigkeit zu sichern und schliesslich fachgerecht zu entsorgen.

«40 Liter Isopentan lagerten im Gebäude», erklärt Peter Bösch, Stabsoffizier der Meilemer Feuerwehr. «Die Flüssigkeit riecht zwar wie Benzin, ist aber ungleich heikler. Die Explosionsgefahr war daher nicht zu unterschätzen.» Das grosse, auf den ersten Blick unverhältnismässig anmutende Aufgebot sei nötig gewesen, weil die Zahl der Verletzten zuerst schwer abzuschätzen gewesen sei. Nur deshalb seien 25 Einsatzwagen aufgeboten und die Grossambulanz bestellt worden.

Zweiter Unfall innert Jahresfrist

Ob die Ursache für den Brand technischer oder menschlicher Natur sei, klären Brandexperten derzeit ab. Die involvierten Firmenmitarbeiter konnten befragt werden. Ein Ergebnis lag gestern jedoch noch nicht vor. Für die 92-jährige Schweizer Getränke AG war der gestrige Zwischenfall der zweite innert eines Jahres: Im vergangenen April erlitt ein 64-jähriger Arbeiter Prellungen an Brust und Rücken, als ein Getränketank kippte und ihn unter sich begrub. Der Mann musste mit der Rega ins Spital geflogen werden. Die Geschäftsführung wollte sich auf Anfrage weder zum gestrigen Brand noch zu ihrem Sicherheitskonzept äussern.

Als die Grossambulanz am Grueb-Weg eintraf, hatte sich die Situation längst entspannt. Dutzende Feuerwehrleute standen bereits in Grüppchen beieinander und froren bei Temperaturen um den Gefrierpunkt. Einer freute sich, dass sich der Einsatz bis in den Nachmittag hinzog. Zu Hause hätte er alleine zu Mittag essen müssen, hier könne er sich gemeinsam mit Kollegen verköstigen.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.03.2010, 09:46 Uhr)

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