Zürich

Elfenbein in Meilemer Laden sorgt in Bern für Aufruhr

Von Nadja Belviso. Aktualisiert am 26.02.2010

Stosszähne stammen nicht aus dem naturhistorischen Museum der Burgergemeinde Bern.

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In seinem Laden ID9 in Meilen verkauft Marco Rampinelli Löwen- und Eisbärfelle, Elch- und Zebraköpfe, Geweihe von Steinböcken und andere Tierpräparate. Im Rahmen eines Portraits über seinen Laden erzählte der Händler dem TA von Elfenbein-Stosszähnen, die er dem Naturhistorischen Museum Bern abgekauft und nach Deutschland weiterverkauft habe. Als Museumsdirektor Marcel Güntert den Artikel las, musste er erst einmal leer schlucken.

Mit gutem Grund: «Der Verkauf von katalogisierten Sammlungsobjekten an Privatpersonen würde einen gravierenden Verstoss gegen die ethischen Museumsrichtlinien bedeuten», heisst es in der schriftlichen Stellungnahme des Museums. Der alarmierte Museumsdirektor liess den ganzen Sammlungsbestand überprüfen. Die Zählung ergab: Es fehlte nichts. Die Zähne konnten also nicht aus dem Inventar des Museums stammen. Güntert verlangte eine Richtigstellung.

Dafür hat Ladenbesitzer Marco Rampinelli eine einfache Erklärung. Es sei ein Missverständnis gewesen. Er habe die Stosszähne 2006 von einem privaten Käufer. Dieser habe die Zähne seinerseits von einer älteren Dame gekauft. Das naturhistorische Museum sei nur insofern involviert gewesen, als dass es die Zähne für die Dame fachgerecht eingelagert habe. Davon zeuge ein roter Stempel, der auf den Stosszähnen angebracht gewesen sei.

Privatbesitz wird nicht gelagert

Doch auch davon will Direktor Güntert nichts wissen. Das Museum lagere nichts für Private ein, sagt er. Der damals zuständige Konservator Peter Lüps arbeitet inzwischen zwar nicht mehr im Museum, auf Anfrage von Marcel Güntert sagte er aber, dass er in den letzten zehn Jahren seiner Amtszeit verschiedentlich Angebote von Elfenbeinzähnen oder -schnitzereien bekommen habe. «Wenn diese zum Verkauf oder auch bloss zur Lagerung angeboten wurden, hat er stets abgelehnt», versichert Güntert. Spezielle Stempel, um fremde Objekte zu kennzeichnen, gebe es nicht. Rampinelli kann das kaum glauben. «Wenn man mit solchen Objekten handelt, muss man 100 Prozent sicher sein, dass es sich um legale Ware handelt», sagt er, «ich musste vom Lieferanten wissen, woher sie kommt.» Nur so habe er die Ausfuhrbewilligung des Bundesamts für Veterinärwesen und die Einfuhrbewilligung nach Deutschland bekommen können. Diese Dokumente hat Rampinelli inzwischen nicht mehr: «Der Fall ist vier Jahre her. Ich miste alte Dossiers hin und wieder aus.» Das Bundesamt für Veterinärwesen bestätigt, Rampinelli die Ausfuhrbewilligung erteilt zu haben. Damit ist zumindest schon einmal erwiesen, dass es sich bei den jeweils 2,2 Meter langen und 60 Kilogramm schweren Stosszähnen um legales Material gehandelt hat.

Altes Elfenbein ist legal

Seit dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen 1973 ist der Handel mit Produkten aus Elefanten verboten. Von diesem Verbot ausgenommen sind jene Produkte, die von vor dem Abkommen getöteten Elefanten stammen. Den Nachweis, dass es sich bei den Stosszähnen um älteres Material handelt, bringen die Dokumente, die bei einem Besitzerwechsel mitgegeben werden. Diese Dokumente seien in diesem Fall in Ordnung gewesen, erklärt Pressesprecher Falk. Offen bleibt allerdings, ob das Elfenbein jemals im Naturhistorischen Museum eingelagert war. Die beiden Parteien äussern sich zu dieser Frage unterschiedlich. Ein Beweis lässt sich nach all den Jahren wohl auch nicht mehr erbringen.

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Erstellt: 26.02.2010, 04:00 Uhr

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