Endlich wieder einmal in Ruhe einen Klassiker lesen

Von Martina Gyger. Aktualisiert am 07.09.2010 1 Kommentar

Nach acht Jahren schliessen Lisbeth und Hansruedi Brunner die Buchhandlung am Kreisel in Feldmeilen. Weil die beiden keinen Nachfolger gefunden haben, verliert das Quartier einen kulturellen Treffpunkt.

Lisbeth und Hansruedi Brunner in ihrer Buchhandlung in Feldmeilen.

Sabine Rock

Ein jeder, der dieser Tage die Buchhandlung am Kreisel betritt, spricht die Inhaber mit ähnlichen Worten an: «Sie schliessen bald? Wie schade!» oder: «Es tut uns sehr leid, dass Sie aufhören. Es wird etwas fehlen in Feldmeilen.» Wehmut schwingt mit bei den Kunden, die hereinkommen, sich beraten lassen und in den Neuerscheinungen stöbern. Per Brief haben Lisbeth und Hansruedi Brunner ihren Kunden und Freunden mitgeteilt, dass sie ihre Buchhandlung aufgeben – altershalber und weil kein Nachfolger gefunden werden konnte.

Ein Ort der Kultur und der Begegnung in Feldmeilen wird demnächst verschwinden. Der Entscheid zu diesem Schritt sei ihnen nicht leichtgefallen, schreiben Lisbeth (72) und Hansruedi Brunner (67) im Brief. Nach über 50 Jahren im Beruf freuten sie sich allerdings auch auf eine Zeit ohne geschäftliche Verpflichtungen.

Vom Elsässer an den See

Die Buchhandlung am Kreisel führen sie seit bald acht Jahren. Die gelernten Buchhändler waren vorher in verschiedenen Buchhandlungen in Zürich tätig. Bei Lisbeth Brunner kamen ein Auslandsjahr in England, eine Kinderpause und eine Anstellung als Sekretärin bei einer Psychoanalytikerin hinzu. Gatte Hansruedi arbeitete von 1971 an bei der Buchhandlung Zum Elsässer in Zürich, welche 1993 an Orell Füssli verkauft wurde. In Feldmeilen wohnend, hörte er, dass das Ladenlokal am Kreisel zu vermieten sei. Im Februar 2003 schloss der Elsässer, und am 1.?März eröffnete der Geschäftsführer Hansruedi Brunner die Buchhandlung am Kreisel. Lisbeth Brunner hatte zwischenzeitlich die Gelegenheit gehabt, die neue Bibliothek in ­Zollikon mit aufzubauen, wo sie bis 2002 arbeitete. Sie habe ihren Mann seit 1994 im Elsässer in der Buchhaltung und im Laden unterstützt, erzählt sie. Dass er nun ihr Chef wurde, habe sie gut akzeptieren können, da sie vorher etwas Eigenes gehabt habe. Die beiden sind ein harmonisches, eingespieltes Team. Sie hätten etwas miteinander geschafft, und viele Kunden spürten, dass in ihrem Geschäft «ein gutes Klima» herrsche. Das nimmt man dem sympathischen Gespann gern ab. Obwohl es nicht viel Laufkundschaft am Standort am viel befahrenen Kreisel schräg gegenüber der Post in Feldmeilen gebe, habe es von Anfang an gut funktioniert, sagt Hansruedi Brunner.

Unsicherheiten als Problem

Der Billett-Vorverkauf für das Ateliertheater Heubühne und die Mittwochsgesellschaft haben dazu beigetragen, sie am Ort bekannt zu machen. «Wir haben eine gute Zeit gehabt und wunderbare Leute kennen gelernt», fügt Lisbeth hinzu. Nicht nur der Austausch über den Inhalt von Büchern, sondern auch der persönliche werde ihnen fehlen. Sagt es und wendet sich einer suchenden Mutter mit Kleinkind am Büchergestell zu.

Dass die Ära einer Buchhandlung und zwei Berufsleben jetzt zu Ende gehen, liegt daran, dass seit drei Jahren vergeblich ein Nachfolger gesucht worden ist. Ihre beiden Söhne haben andere berufliche Wege eingeschlagen. Inserate und Gespräche im Verlagsumfeld hätten vereinzelt zu Verhandlungen mit Interessenten geführt, diese seien aber jeweils aus persönlichen Gründen gescheitert. Die wirtschaftlich schwierige Lage und die Unsicherheit, wie sich der Buchmarkt entwickeln werde, hätten die Suche zusätzlich erschwert, erklärt Hansruedi Brunner. Daher haben sie sich entschlossen, die Buchhandlung mit Auslaufen des Mietvertrags zu schliessen.

Nicht mehr nur Neues

Das Angebot wird bis Ende Oktober gleich bleiben wie bisher. In den letzten zwei Oktoberwochen gibts einen Ausverkauf. Und wie gedenken die beiden, ihre Zeit ohne Geschäft zu gestalten? «Endlich wieder einmal in Ruhe, ohne Druck lesen, was in der eigenen Bibliothek steht», wünscht sich Hansruedi Brunner. Seine Frau fügt an: «Ich werde nicht mehr nur Neuerscheinungen lesen, sondern auch Klassiker, und manches wieder neu lesen.»

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Erstellt: 06.09.2010, 20:49 Uhr

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1 Kommentar

Benajmin Mäder

08.09.2010, 11:57 Uhr
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schade. das war der beste buchladen weit und breit..... Antworten



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