Hündeler bangen um ihre Liebsten
Von Michel Wenzler. Aktualisiert am 15.03.2010
Lebt derzeit gefährlich: Ein Hund am rechten Zürichseeufer. (Bild: Keystone)
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Die Tierarztpraxen im Bezirk Meilen wurden gestern von besorgten Hundehaltern geradezu überrannt. Seit die kantonale Fischerei- und Jagdverwaltung am Donnerstag vor der gefährlichen Viruserkrankung Staupe gewarnt hat, sorgen sich nun zahlreiche Hundehalter um ihre Lieblinge.
Das Telefon habe bei ihm den ganzen Morgen geläutet, sagte der Küsnachter Tierarzt Lorenz Jöhr gestern Nachmittag auf Anfrage. «Wir haben sicher 50 Anrufe erhalten.» Ähnlich verhält es sich bei der Praxis der Hombrechtiker Tierärztin Bettina Franz. Auch dort liefen die Drähte gestern heiss.
Die Sorgen sind berechtigt, denn bei Hunden kann die hochansteckende Krankheit tödlich verlaufen (siehe Kasten). Vor wenigen Monaten waren lediglich Wildtiere in der Ostschweiz und im Kanton Aargau betroffen. Nun ist das Virus auch in der Region um den Pfannenstiel auf dem Vormarsch. Wildhüter haben tote Füchse gefunden, zudem mussten sie erkrankte Tiere erlegen. Mindestens in zwei Gemeinden – in Meilen und Küsnacht – seien Fälle bekannt, präzisiert Urs Philipp, Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung, auf Anfrage. Das bedeute aber keinesfalls, dass die übrigen Gemeinden weniger stark betroffen seien. «Wir gehen davon aus, dass das Virus auf beiden Seiten des Pfannenstiels verbreitet ist», sagt Philipp. Es sei zudem damit zu rechnen, dass sich die Erkrankung bei den Wildtieren weiter ausbreite.
Keine Gefahr für Menschen
Am Staupevirus erkrankte Wildtiere verlieren die Scheu und wirken apathisch. Für Menschen und Hauskatzen besteht keine Ansteckungsgefahr, für Hunde dagegen schon. Die Übertragung des Staupevirus’ ist theoretisch bereits über Kot möglich, meistens erfolgt sie aber direkt von Tier zu Tier. «Gefährlich wird es zum Beispiel, wenn ein Hund an einem toten Fuchs schnuppert», sagt Tierarzt Jöhr. «Das reicht bereits, um sich anzustecken.»
Bis jetzt sind keine Erkrankungen von Haushunden bekannt. Gemäss Jöhr sind die meisten Hunde an der Goldküste vorbildlich geimpft. Viele Leute seien aber mit der Krankheit nicht vertraut, weil diese schon lange nicht mehr aufgetreten sei. Akut sei die Situation zum letzten Mal zu Beginn der 90er-Jahre gewesen, erinnert sich der Tierarzt, der seit 18 Jahren in Küsnacht tätig ist. Damals hätten Rassehunde aus den ehemaligen Ostblockstaaten das Virus eingeschleppt. Die Tiere seien dort nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zu günstigen Preisen erhältlich gewesen.
Die Sensibilisierung für die Krankheit habe seither bei den Leuten nachgelassen, sagt Jöhr. Die Nachricht vom erneuten Auftreten des Virus’ schreckt deshalb viele auf. Ihr Hund sei nicht dagegen geimpft, was sie nun aber rasch nachholen wolle, sagt etwa die Stäfnerin Dominique Goll.
Tierarzt Jöhr rät dringend dazu. Geimpften Hunden könne nichts geschehen, der Stoff sei mindestens zwei Jahre wirksam. Wer seinen Hund erst jetzt impfen lasse, solle ihn aber vorerst an der Leine halten. Der Schutz wirkt nämlich erst nach drei Wochen.
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.03.2010, 04:00 Uhr
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