Initiative für neue Wohnungen bedroht Gewerbler

Von Nadja Belviso. Aktualisiert am 01.09.2010 1 Kommentar

Wenn die Männedörfler am 26.­?September an der Urne über die Initiative für bezahlbare Wohnungen abstimmen, beeinflussen sie auch das Schicksal des Druckereiinhabers Willi Nutz.

Willi Nutz fürchtet um seine Druckerei. Sollten die Männe­dörfler am 26. September die Einzelinitiative von Dieter Hanhart an der Urne annehmen, müsste der Inhaber der ­Engeler-Druck seinen Firmen- und Wohnsitz über kurz oder lang räumen. «Das würde das Aus für unser Unternehmen bedeuten», sagt er, «meine Frau, mein Angestellter und ich würden die Arbeit verlieren.»

Die Initiative verlangt, dass die Gemeinde Rahmenbedingungen schafft, um bezahlbare Wohnungen für den Mittelstand zu realisieren. Dazu soll die Gemeinde mit dem Kanton in Verhandlung treten, um 7000 bis 10'000 Quadratmeter baureifes Land im Quartier Brüsch käuflich oder im Baurecht zu erwerben. Um das Projekt zu finanzieren, soll die gemeindeeigene Liegenschaft an der Seestrasse?152, unter dessen Dach das Ehepaar Nutz lebt und arbeitet, verkauft werden.

So weit wäre es allerdings mit der Annahme der Initiative noch nicht. «Es ist keine Kreditvorlage; es handelt sich um Abklärungen», steht auf dem Flyer, den Hanhart gestern in die Haushalte verteilen liess. Ob die Gemeinde das Grundstück im Quartier Brüsch kauft und die Liegenschaft an der Seestrasse verkauft, müsste die Gemeindeversammlung zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden.

«Einseitig informiert»

Dennoch möchte Druckereiinhaber Willi Nutz die Stimmbürger bereits jetzt beeinflussen. «Meiner Meinung nach werden diese einseitig informiert», sagt der 69-Jährige. Die Gemeinde hat das Haus 2006 von Verena Engeler, der Tochter des Firmengründers, geerbt. In ihrem Testament, das dem TA vorliegt, schrieb sie: «Es ist mein Wunsch (ausdrücklich keine Auflage), dass die Gemeinde ­Männedorf in der Liegenschaft (.?.?.) ein Buchdruckereimuseum einrichtet und betreibt.» Nutz stört sich daran, dass dieser Wunsch weder im Flyer des ­Initianten noch in der Weisung zur Abstimmung erwähnt ist.

Ebenso wenig werde deutlich, dass mit dem Verkauf eine sich im Betrieb befindende Druckerei aufgelöst werden müsste. «Dass wir die Druckerei schliessen müssen, damit das Haus verkauft werden kann, ist sicher nicht in Frau Engelers Sinn», sagt Willi Nutz. Er war viele Jahre als Angestellter in der Druckerei tätig und kaufte der Gründerfamilie Engeler den Betrieb 1974 ab. Bedenke man, dass sich dessen Tochter in Gedenken an ihren Vater ein Buchdruckereimuseum wünschte, würde sie wohl auch keine Freude haben, wenn der Käufer das Haus abreissen und eine Villa hinstellen würde, ist Nutz überzeugt.

Keine Pensionskasse

An die Gemeinde stellt er klare Forderungen: Es müsse garantiert werden, dass das Haus erst dann verkauft werde, wenn er den Betrieb in ein paar Jahren sowieso einstelle. Dass er nicht lebenslängliches Wohnrecht habe im Haus, das der Gemeinde gehört, sei ihm klar. Dass ein Betrieb mit Angestellten geschlossen werde, finde er aber nicht in Ordnung.

Gemeindeschreiber Hannes Friess zeigt Verständnis für Nutz. Doch er gibt zu bedenken: «Als die Gemeinde das Erbe annahm, suchte sie das Gespräch mit dem Ehepaar. Man sagte den beiden ­damals klar, dass sie im Haus bleiben können, solange die Gemeinde es nicht benötigt.» Diese hätte auch in einem ­anderen Zusammenhang Eigenbedarf anmelden können.

Dass der Druckereibetrieb im Falle eines Verkaufs eingestellt würde, sei zwar schade, sagt Friess weiter. Aber der Inhaber werde dadurch vermutlich nicht existenziell bedroht, da er das Pensionsalter bereits erreicht habe. Das sieht Willi Nutz anders. Als er den Betrieb von der Familie Engeler übernommen habe, sei ihm zugesichert worden, das Haus bleibe in Familienbesitz. In der Annahme, er könne über das Pensionsalter hinaus arbeiten, habe er auf die 2. Säule der ­Altersvorsorge verzichtet. Er und seine Frau müssten also weit unter ihrem ­heutigen Standard leben.

Gemeindeschreiber Hannes Friess versichert, dass die Gemeinde im Falle eines Verkaufs alles daransetzen würde, dem Ehepaar zu helfen. Er habe auch Herrn Nutz klar gemacht, dass die ­Gemeinde noch nie einen Härtefall ­provoziert habe.

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Erstellt: 31.08.2010, 21:38 Uhr

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1 Kommentar

Tom Heise

24.10.2010, 22:26 Uhr
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Hanhart will als Architekt damit Geld verdienen. Auf Kosten eines alten Gewerblers. Hannes Friess zeigt wieder einmal seine Herzlosigkeit. Antworten



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