Keine Familienwohnungen für Stäfa
Von Nadja Belviso. Aktualisiert am 08.03.2010
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Das Abstimmungsergebnis war für viele Stäfner eine Überraschung, denn im Grunde waren sich alle einig: 40 günstige Familienwohnungen hätte Stäfa gut gebrauchen können. Selbst die SVP, die eine Ablehnung der Initiative von Peter Schulthess (SP) empfahl, war dieser Meinung. Im Prinzip begrüsse die SVP den Bau von Familienwohnungen, sagte Präsident Andreas Duss im Vorfeld der Abstimmung. Sie könne sich bloss nicht mit «unausgegorenen, fehlerhaften und unvollständigen» Projekten anfreunden.
Alle übrigen Ortsparteien und der Gemeinderat unterstützten das Vorhaben der SP, die gemeindeeigene Wiese im Dorfteil Uelikon im Baurecht an eine gemeinnützige Baugenossenschaft abzugeben. Deshalb war gestern selbst SVP-Vizepräsident Peter Frey erstaunt, dass es seiner Partei gelungen war, 347 Stimmbürger mehr zu gewinnen, als der Initiant mobilisieren konnte: 2635 Nein- standen 2288 Ja-Stimmen gegenüber.
Für Initiant Peter Schulthess ist dieses Resultat «eine herbe Enttäuschung». Die Diskussion über die Initiative für Alterswohnungen auf dem Hulftegger-Areal habe gezeigt, dass der Bedarf an Familienwohnungen gross sei. «Die Stäfner haben nun die Chance verpasst, dieses Anliegen schnell umzusetzen.»
Schulthess vermutet Neid
Warum es trotz der breiten Unterstützung zu diesem Resultat gekommen ist, kann sich Schulthess kaum erklären. Vorstellbar sei vielleicht, dass Neid eine Rolle gespielt habe. Der Neid jener Familien, die sich selbst keine Wohnung an einer so guten Lage leisten konnten, auf jene, die dann in den Genuss einer Wohnung der gemeinnützigen Baugenossenschaft kämen. «Über solche Gefühle redet im Vorfeld natürlich niemand», so Schulthess.
Trotz der Niederlage will er sich in Stäfa weiter für günstige Familienwohnungen einsetzen. Schliesslich sei das Problem der schleichenden Überalterung nicht gelöst. «Das Modell war gut», sagt er, «über die Wahl des Grundstücks kann man streiten.» Vielleicht sei ein redimensioniertes Projekt auf einem kleineren Grundstück der Gemeinde möglich. Die politischen Parteien müssten jetzt gemeinsam nach einer Lösung suchen: «Die SVP befürwortet Familienwohnungen an sich. Jetzt bleibt herauszufinden, wie sie sich die Umsetzung eines genossenschaftlichen, gemeinnützigen Wohnungsbaus vorstellt.»
Einer solchen Zusammenarbeit ist die SVP gemäss Peter Frey nicht abgeneigt: «Wir haben zwar kein Projekt im Köcher, aber wir sind bereit, mitzuarbeiten, wenn das Thema wieder auf den Tisch kommt.» Die vielen Ja-Stimmen zeigten, dass ein Bedürfnis nach Familienwohnungen vorhanden sei. «Die Initiative der SP war gut gemeint», sagt Frey, «doch der Wähler sah halt, dass es nach dem Ja zu den Alterswohnungen eine Art Schnellschuss war.» Es sei auch nicht auszuschliessen, dass die SVP irgendwann selber einen Vorschlag mache. Jetzt kämen allerdings erst einmal die Wahlen dran.
Jene, die ein Nein in die Urne gelegt haben, weil sie um ihre schöne Aussicht fürchteten, können nun aufatmen. Auf die Frage, was mit der Wiese nun passieren soll, antwortete Gemeindepräsident Karl Rahm (FDP) gestern: «Nichts. Die Wiese wird bleiben. Das hat ja auch einige dazu bewogen, die Initiative abzulehnen.»
Als gäbe es keine Initiative
Als Reaktion auf die Initiative wird der Gemeinderat nichts unternehmen. Das Anliegen sei vorher schon auf dem Programm des Gemeinderates gewesen und werde es auch bleiben, sagte der Gemeindepräsident. «Der neue Gemeinderat wird sich damit auseinandersetzen, nach einer Lösung suchen und diese dem Stimmbürger allenfalls vorlegen.» Doch der Bau von günstigen Familienwohnungen werde nicht erste Priorität haben. Das Anliegen werde behandelt, als hätte es die Initiative nicht gegeben.
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Erstellt: 08.03.2010, 04:00 Uhr


































