Zürich

Luftkampf um die besten Leute

Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 01.12.2010

Die Stäfner Hightechfirma Sensirion liess über den Anlagen des Pharmakonzerns Roche einen Werbe-Zeppelin steigen. Denn das boomende Unternehmen benötigt dringend Ingenieure.

Offensiver Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte: Zwei Tage lang kreiste der Sensirion-Zeppelin über Burgdorf und sorgte für Gesprächsstoff.

Offensiver Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte: Zwei Tage lang kreiste der Sensirion-Zeppelin über Burgdorf und sorgte für Gesprächsstoff.
Bild: Walter Pfäffli

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«We hire» stand in grossen Lettern auf dem Zeppelin, zu Deutsch: «Wir heuern an». Während zweier Tage kreiste das 10 Meter lange Luftschiff über den Burgdorfer Fabrikhallen des Pharmariesens Roche und sorgte für einigen Gesprächsstoff im Emmentaler Städtchen. Auch die Aufmerksamkeit des Schweizer Fernsehens zog es auf sich. «Die Aktion zeugte von Einfallsreichtum», räumt selbst Roche-Sprecherin Claudia Schmitt ein.

Hinter der luftigen Werbeshow stand die Hightechfirma Sensirion, die seit 2005 in der Stäfner Laubisrüti beheimatet ist und Sensoren zur Messung von Feuchtigkeit, Differenzdruck, Temperatur sowie von Gas- und Flüssigkeitsdurchflüssen herstellt.

Rasch expandierende Firma

Das Unternehmen reagierte mit der spontanen Miete des Zeppelins auf die erwartete Schliessung der Roche-Niederlassung – in der Absicht, einen Teil der hoch qualifizierten Belegschaft für sich zu gewinnen. Vier ihrer Mitarbeiter schickte Sensirion nach Burgdorf, um mit den Angestellten des Pharmakonzerns ins Gespräch zu kommen. Und tatsächlich: In den letzten Tagen sind sieben Bewerbungen von Burgdorfer Elektroingenieuren, Physikern und Konstrukteuren im Stäfner Hauptsitz eingegangen.

Freie Stellen werden immer mehr

«In unserer speziellen Situation reichen konventionelle Rekrutierungsmassnahmen nicht aus», erklärt Felix Mayer, der Sensirion 1998 als ETH-Absolvent gemeinsam mit seinem Kommilitonen Moritz Lechner gegründet hat. Unter Mayer und Lechner hat das Unternehmen in den letzten Jahren rasant expandiert, die Mitarbeiterzahl wuchs von anfänglich 5 auf heute über 200. Die Abnehmer der Firma stammen grossteils aus der Medizinbranche, der Automobil- und der Konsumgüterindustrie.

Während viele Unternehmen infolge der Wirtschaftskrise ihre Angestellten auf die Strasse stellen müssen, droht Sensirion ein Opfer des eigenen Erfolgs zu werden. «Wir haben 45 offene Stellen, und nicht wenige davon würden wir lieber heute als morgen besetzen», sagt Felix Mayer in einem Tonfall, der zwischen Stolz und Besorgnis schwankt. Und nächstes Jahr sollen weitere 80 Jobs geschaffen werden. Die Räumlichkeiten stehen schon bereit. Im Februar diesen Jahres hat Sensirion in der Laubisrüti eine zusätzliche Liegenschaft gekauft.

Kritik an Gymnasialunterricht

Sensirion steht exemplarisch für eine Branche, die trotz attraktiver Saläre und hervorragender Karrierechancen chronisch an Personalmangel krankt. «Jedes Jahr schliessen an der ETH 120 bis 140 junge Menschen das Elektroingenieursstudium ab», erzählt Mayer. «Davon könnten allein wir von Sensirion jeweils bis zu ein Drittel anstellen. Da stimmen die Relationen leider überhaupt nicht.»

Der promovierte Physiker ortet vor allem im Gymnasialunterricht Defizite. Die meisten Ingenieure, die er kenne, seien in jungen Jahren eher zufällig über Verwandte oder Freunde mit ihrem späteren Beruf in Kontakt gekommen, nicht aber systematisch durch die Schule herangeführt worden, konstatiert Mayer. Dies, obwohl gerade die Mikroelektronik laufend an Bedeutung für das Alltagsleben gewinne. «Man denke nur an das Handy oder die Innenausstattung unserer Autos», sagt Mayer.

Konkurrenzkampf auch um Uniabgänger

Eine Konsequenz dieser Entwicklung sei nun der verschärfte Konkurrenzkampf um die raren Fachkräfte. Sensirion sei an den Jobmessen der beiden ETH präsent, erzählt Mayer. Und erst kürzlich habe seine Firma extra an der Tramhaltestelle vor der Zürcher ETH Plakatwände gemietet. Darüber hinaus sei Sensirion auch an den Fachhochschulen und an deutschen Top-Unis aktiv, so etwa an den Universitäten München, Berlin oder Aachen. Auch unkonventionelle Aktionen seien jederzeit möglich, sagt Mayer. «Wenn es Erfolg verspricht, lassen wir unseren Zeppelin wieder steigen.»

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Erstellt: 30.11.2010, 21:00 Uhr

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