Zürich

Luxusklinik in Küsnacht besetzt

Von Patrik Berger und Michel Wenzler. Aktualisiert am 30.07.2010 6 Kommentare

Eine 10-köpfige Gruppe mit dem Namen Collective Saint Raphael lebt seit Mittwoch in der Küsnachter Klinik St. Raphael. Was die Be­setzer wollen, ist unklar.

Es ist ruhig im Innenhof der ehemaligen Klinik St. Raphael in Küsnacht. Ein Citroën mit Obwaldner Kennzeichen steht beim Haupteingang. Die meisten Fensterläden des leer stehenden Gebäudes sind unten. Doch hinter der verschlossenen Glastür sieht man Gestalten durch die Gänge huschen. Und ein weisses Transparent beim Eingang macht unmissverständlich klar, dass sich in dem ruhigen und exklusiven Wohnquartier oberhalb Küsnacht Un­gewohntes ereignet: «Besetzt» steht auf dem Papier, und ein junger Mann um die dreissig bestätigt aus einem Fenster im ersten Stock, dass sich zurzeit eine Gruppe junger Künstler in den Räumen einrichtet. Mehr ist den Hausbesetzern nicht zu entlocken, ausser, dass sie keine bösen Absichten hätten und die Aktion nicht politisch motiviert sei.

Klinik als Wohnraum nutzen

Aus einem Brief an die Polizei, der dem «Tages-Anzeiger» vorliegt, geht aber ­hervor, wie sich die Gruppierung nennt: Collective Saint Raphael. Sie freue sich, der Polizei mitzuteilen, dass sie die Liegenschaft an der Hinterzelg 85 besetzt habe, steht dort. Gemäss dem Schreiben ist die Gruppe am Mittwoch in die Klinik eingezogen. Bei Fragen seien sie er­reichbar. Die angegebene Handynummer ist in den Niederlanden registriert.

Die Besetzer wollen die alte Klinik als Wohnraum benutzen – und versprechen, auf die Nachbarn Rücksicht zu nehmen und Lärm zu vermeiden. Mit den Eigentümern der Klinik stünden sie in Kontakt, um einen Zwischen­nutzungsvertrag auszuhandeln, bis das Gebäude anderweitig genutzt werde.

Die Klinik gehört zu einem Teil der Klinik Pyramide in Zürich, zu einem anderen Teil einer Gruppe von Beleg­ärzten. Laut Beat Huber, dem Direktor der Pyramide, haben sich die Hausbesetzer aber noch nicht mit den Eigentümern in Verbindung gesetzt. «Es ist mir ein Rätsel, weshalb sie dies behaupten», sagt er. Huber hat gestern Donnerstag von der Besetzung gehört. Der Hauswart habe sogleich nach dem Rechten geschaut, offenbar handle es sich um rund zehn Künstler aus der Schweiz, die sich bis jetzt friedlich verhalten hätten.

Land ist 100 Millionen wert

Die Privatklinik war aus der Paracelsus-Klinik im Zürcher Seefeld hervorgegangen und 1961 nach Küsnacht gezogen. Seit Sommer 2008 steht sie leer. Ursprünglich war geplant, die alte Klinik St. Raphael abzubrechen und einen gut 120 Millionen Franken teuren Neubau mit 80 Betten, einer Intensivstation und einer Gebärabteilung zu erstellen. Der Ärzteschaft war das Risiko aber zu gross, so viel Geld zu investieren.

Nun soll das Land – rund 25'000 Quadratmeter an bester Lage – verkauft werden. Der Verkauf könnte bei Boden­preisen von 4000 Franken pro Quadratmeter satte 100 Millionen Franken einbringen. Es handelt sich allerdings nicht um frei nutzbares Bauland. Das Grundstück liegt in der Zone für öffentliche Bauten. Denkbar wären dort Schul­häuser, kommunale Verwaltungsgebäude oder Alterswohnungen.

Legende: Beim Haupteingang der Klinik hängt ein grosses Transparent. Foto: Patrik Berger

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.07.2010, 21:59 Uhr

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6 Kommentare

Georg Stamm

01.08.2010, 16:16 Uhr
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Künstler hin oder her - das Ganze ist einmal mehr illegal. Das Gebäude muss geräumt werden wenn das der Besitzer will. Solche Leute hinterlassen meist eine Riesensauerei und Sachbeschädigungen, deren Kosten man nirgends einfordern kann. Zudem brauchen sie fröhlich Gratisstrom und Gratiswasser. Inakzeptabel. Staat: Handle ! Antworten


Otte Homan

30.07.2010, 10:07 Uhr
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Glaube wohl kaum dass die Gemeinde das Land für 100 MCHF kaufen wird. Ob somit das Land ohne eine Umzonung wirklich 4000/m2 wert ist, ist zu bezweifeln. Antworten


heiner lauter

30.07.2010, 09:39 Uhr
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ja lieber herr Mustur, wer würde sich freiwillig ins knie schiessen! :-) Antworten


Adolf Mustur

30.07.2010, 08:52 Uhr
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Klar Heiner Lauter, welcher Hausbesitzer würde seine Liegenschaft freiwilig zur Besetzung hingeben? Antworten


Tibi Wörner

30.07.2010, 08:19 Uhr
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ich bin ein künstler, ich darf mehr als andere. denn ich stehe über dem gesetz. Antworten


heiner lauter

30.07.2010, 07:52 Uhr
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die leute die solche dinge tun sollen die besitzer anfragen ob sie dürfen, falls nicht, sollen sie mindestens so an die kasse kommen wie wir normalen autofahrer, der vizepräsi und jungsozialist ist ein flammendes beispiel dafür! Antworten



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