Manager suchen die Erleuchtung
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Küsnacht - Mit solch einem Andrang hatte Tagungsleiter Christoph Soutter wohl nicht gerechnet. Der CEO der gastgebenden ZfU Business School musste gestern Montag zusätzliche Stühle an die Tische im Festsaal des Romantik Seehotels Sonne in Küsnacht rücken. Bereits der überfüllte Parkplatz vor dem 4-Sterne-Anwesen mit mehreren Luxus-Autos aus Zug, Zürich, Deutschland und Österreich liess auf reges Interesse am Seminar schliessen.
Rund 60 Führungskräfte fanden sich schliesslich ein, um ihr Managerwissen mit neuen Impulsen zu bereichern. Einige von ihnen wagten sich dabei auf Neuland vor: Fachkundige Referenten führten sie ins Thema «Spiritualität im Management» ein.
Als Erstes forderte Soutter die Teilnehmer auf, sich untereinander das Du anzubieten. «Das macht die Diskussionen einfacher», sagte er. Am Tisch der Referenten duzten sich in der Folge Eveline Goodman-Thau, Professorin für Philosophie und Religionsgeschichte, und Carlo Zumstein, Psychotherapeut und spiritueller Forscher der menschlichen Traum- und Seelenkräfte.
Meditierend Generalist werden
Dann ergriff Paul J. Kohtes das Wort, einer der führenden Berater für Unternehmenskommunikation in Deutschland. Ein gefragter Mann, kann doch die richtige Kommunikation in der Wirtschaftswelt über Erfolg oder Misserfolg in Millionenhöhe entscheiden. An solche Dimensionen gemahnte auch das Kursgeld: Wer die Tagung und das Vorabendprogramm besuchte, blätterte wie branchenüblich über 1000 Franken auf den Tisch. Kohtes, der sich der Zen-Meditation verschrieben hat, begann und beendete seinen Vortrag mit Meditationsübungen. Dazwischen tat er sein Misstrauen gegenüber dem Spezialistentum kund, das bei den Unternehmern Einzug gehalten hat. «Jeder will in seinem Segment, in seiner Nische der Beste sein», sagte er. Die Spezialisierung führe aber zu einer Einengung, zu einer Fixierung. Es gehe darum, wieder zum schöpferischen Generalisten zu werden. «Die Meditation ist dafür ein ideales Mittel.»
Einen Lama eingeflogen
Die Referate stiessen bei der Zuhörerschaft auf Zustimmung. Eliane Stäubli, Assistentin der Geschäftsleitung einer Transportfirma und Präsidentin des Tagesfamilienvereins Kloten, sagte: «Für mich bringt dieser Kurs neue Aspekte im Berufsleben.» Sinan Bodmer teilte ihre Meinung. «Für mich sind die gesammelten Erfahrungen wertvoll», sagte der Finanzunternehmer aus Zürich. «Einiges schlummerte wohl schon lange im Unterbewusstsein.»
Schon fast andächtige Ruhe herrschte im Saal, als Lama Lhangang Rinpoche zum Rednerpult schritt. Der Mönch aus dem Osten Tibets lebt heute in Los Angeles, von wo er eingeflogen wurde. Ein Mentor holte ihn am Flughafen ab, chauffierte ihn nach Luzern und schliesslich nach Küsnacht. In seinen Ausführungen erklärte der Buddhist, wie tibetische Weisheiten für die von Materialismus und Ausflüchten geprägte westliche Welt heilsam sein können.
Ein Fazit der Tagung zog Christian Frei, einer der anwesenden Topmanager. Für den Marketing-Direktor für Westeuropa von Microsoft Schweiz steht fest: «Der Management-Bereich steht vor Veränderungen. Statt nur Zahlen braucht es auch eine Einheit von Geist und Seele.» Die Zurückbesinnung auf alte Werte und Kulturen sei dabei wertvoll. Für Frei war aber auch klar: Eine Patentlösung brachte diese Tagung nicht. «Jeder Manager muss letztlich seinen eigenen Weg finden und gehen.» Mit auf diesen Weg nahmen die Teilnehmer das Schlusswort von Paul J. Kohtes: «Wenn Manager heute sagen, es gebe keine Alternativen zu gescheiterten Konzepten, ist das eine Ausrede. Vielmehr muss man erst recht darüber meditieren, welche anderen Möglichkeiten sich anbieten.»
Unternehmensberater Paul J. Kohtes führt in die Meditation ein. Foto: Sabine Rock (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 08.12.2009, 08:05 Uhr


