Mit 70 km/h auf die Kreuzung zu
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Roberto Talassi nestelt nervös am Funkgerät herum und rutscht auf seinem Motorrad hin und her. Ein Schild über dem Vorderrad des Töffs mit der Aufschrift «Ironman Zürich Radcrew» und dazu die Nummer 88 machen deutlich, dass er in offizieller Mission unterwegs ist. Talassi ist Chef der 100 Helfer, die am Ironman Zürich allein für den Streckenabschnitt rund um Küsnacht aufgeboten sind. Nervös ist er, weil er erfahren hat, dass am See ein Triathlet gestürzt ist. «Ein Auto kam ihm in die Quere. Ein Arzt ist vor Ort, glücklicherweise ist dem Athleten nichts passiert.»
Talassi wartet ungeduldig auf Verstärkung. Endlich fahren zwei Minibusse vor, einer mit Schwyzer, einer mit Thurgauer Kennzeichen. Verkehrskadetten in blauen und orangefarbenen Overalls steigen aus. Talassi teilt ihnen die Standorte zu und sagt: «Noch zehn Minuten, dann kommen die ersten Fahrer.» Rolf Huber nimmt seine Position an der Kreuzung Bergstrasse/Alte Landstrasse ein. Seit 8.30 Uhr steht er im Einsatz. Es wird ein langer Tag. Zusammen mit fünf weiteren Helfern ist er für die Streckensicherung an diesem neuralgischen Punkt zuständig. «Um halb fünf machen wir Schluss. Wer später kommt, wird aus dem Rennen genommen.»
Ungeduldige Autofahrer
Huber nahm früher selber am Ironman teil, als dieser noch Swiss-Triathlon Zürich hiess. Er steht an einer exponierten Stelle. Die Bergstrasse fällt hier steil ab, es folgt eine enge Rechts-links-Kurve. Kurz vor 9.30 Uhr brausen die Spitzenfahrer heran, bremsen von 70 auf 40 km/h herunter. Huber tritt in Aktion, bläst in eine Trillerpfeife und schwenkt eine orangefarbene Flagge nach rechts. Noch ist das Rennen überschaubar, das Feld in die Länge gezogen. Kurz darauf hat Huber keine Zeit mehr für einen Schwatz. Der Hauptharst nimmt die Abfahrt in Angriff. Die Streckenposten sind gefordert. Die Strasse ist nicht gesperrt. Zwischen den teuren Carbonvelos reihen sich immer wieder Autos ein. Huber treibt die Autofahrer zur Eile an, denn bereits rollt die nächste Gruppe heran.
Weiter unten am Kreisel Alte Landstrasse/Oberwachtstrasse sind sechs Verkehrskadetten für die Streckensicherung zuständig. Sie müssen mehrere Einmündungen kontrollieren. Als der Pulk der Teilnehmer eintrifft, müssen sie die Autofahrer zu Geduld auffordern. Nicht alle Autolenker reagieren gelassen. Einige trommeln mit den Fingern aufs Lenkrad, andere lassen die Scheiben herunter. Einer der Kadetten erklärt den Nörglern freundlich den Grund für die Wartezeit. Der karge Lohn für seinen Einsatz besteht aus einem Taschengeld, Verpflegung und ein paar Werbeartikeln der Sponsoren.
Kreisel mit Tücken
«Wir Verkehrskadetten werden von Autofahrern oft nicht beachtet», sagt der 14-jährige Adrian Bruderer, einer der Streckenposten. «Es ist besser, wenn auch die Polizei vor Ort ist.» Auch er muss einen heiklen Streckenabschnitt beaufsichtigen. Der Kreisel ist tückisch. Ein Begleitmotorrad kann im letzten Augenblick einem Auto ausweichen.
Das Rennen lockt viele Schaulustige an. Der Küsnachter Ernst Hohl hat seine helle Freude am sportlichen Geschehen. «Ich gehe jedes Jahr an den Ironman, an die Tour de Suisse und ans Zürcher Sechstagerennen, Hauptsache Velo.» Er lobt den Einsatz der Streckenposten. «Ohne sie wäre ein solcher Grossanlass nicht möglich.»
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(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 25.07.2010, 20:24 Uhr


