Zürich

Mitten im Abfall auf den Zug warten

Von Simon Hurst. Aktualisiert am 12.01.2010 5 Kommentare

Am Wochenende müssen Zugpassagiere im Stäfner Bahnhof oft eine unangenehme Wahl treffen: Auf dem Perron frieren oder zwischen Dreck und Gestank auf den Zug warten.

Hier wartet niemand gerne: Abfall im Wartehäuschen des Stäfner Bahnhofs.

Hier wartet niemand gerne: Abfall im Wartehäuschen des Stäfner Bahnhofs.

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Am Samstagmorgen drängen sich einige Personen dicht um den Eingang des Wartehäuschens am Stäfner Bahnhof. Sie möchten nicht weiter hinein als nötig. Denn es stinkt nach Bier und kaltem Zigarettenrauch, der Boden ist übersät mit Abfall, und in einer Ecke hat jemand erbrochen. Es sieht ein bisschen aus wie nach einer langen Partynacht in einer Disco.

Den Passagieren, die auf den Zug nach Zürich warten, ist aber nicht nach Feiern zumute. «Das ist eine Riesensauerei», sagt einer von ihnen. Am folgenden Abend lässt es sich im Häuschen wieder ungestört warten. Der Unrat ist weg, nur dunkle Flecken auf dem Boden zeugen vom nächtlichen Gelage.

Ein Wartehäuschen geschlossen

Auf dem Perron des Bahnhofs Stäfa gibt es zwei beheizte Warteräume. Das Häuschen, das näher in Richtung Zürich liegt, müssen die SBB jeweils über Nacht abschliessen. Denn die Prospekte und Fahrpläne, die darin aufliegen, seien jeweils aus Jux angezündet worden, sagt Hanspeter von Niederhäusern, Geschäftsführer des Bahnhofs Stäfa.

Ein automatisches Schloss, an die Öffnungszeiten der Bahnschalter angepasst, verriegelt darum abends die Tür. Das andere Wartehäuschen, das immer offen ist, werde am Wochenende teilweise stark verschmutzt, sagt er. Jugendliche machten sich jeweils darin breit. Sie essen, trinken und rauchen, ihren Abfall lassen sie auf dem Boden zurück. Wegen der Nachtzüge, die die Jungen in die unteren Seegemeinden und nach Zürich in den Ausgang bringen, herrsche die ganze Nacht Betrieb am Bahnhof. «Die Nachtzüge sind eine gute Sache – sie bringen aber auch die verschmutzten Wartehäuschen mit sich», sagt von Niederhäusern.

Nicht immer sei es bei der Unordnung in den Warteräumen geblieben. Auch beim Bahnhofgebäude habe schon jemand Unfug getrieben – auf ziemlich kreative Art und Weise: «Über Nacht wurden die metallenen Prospektauslagen vor dem Reisebüro zu einer riesigen Pyramide gestapelt», sagt von Niederhäusern. Wer die «Künstler» waren, weiss er nicht.

Reinigungskräfte der SBB-Firma Railclean sind für die Sauberkeit der Bahnhöfe zuständig. Sie kommen auf ihrer Tour zweimal pro Tag am Bahnhof Stäfa vorbei, am Mittag und am Abend. In besonders schlimmen Fällen und bei Reklamationen wartet Geschäftsführer von Niederhäusern aber nicht auf die Putzequipe. Dann gehe er selber, mit Wasserkübel und Schrubber bewaffnet, um das Gröbste zu entfernen.

Bahnhof als Treffpunkt

Der Bahnhof Stäfa ist einer von Hunderten von Schweizer Bahnhöfen, in denen die SBB immer mit denselben Problemen zu kämpfen haben. «In vielen Gemeinden sind die Bahnhöfe beliebte Treffpunkte der Jungen», sagt Daniele Pallecchi, Mediensprecher der SBB, auf Anfrage. Oft seien es Gruppen junger Männer, die Abfall auf Perrons und in Wartehäuschen hinterlassen, Wände zerkratzen und verschmieren oder gar andere Leute anpöbeln. Auch in den Zügen gebe es regelmässig Sachbeschädigungen zu beklagen.

Wo sich die Fälle häufen – der Stäfner Bahnhof zählt nicht dazu –, würden Massnahmen wie die Installation von Videokameras oder vermehrte Präsenz der Bahnpolizei ergriffen. Dies geschehe im Rahmen des 2003 eingeführten Sicherheitskonzepts RailFair, sagt Pallecchi. So sehen neben SBB-Angestellten und Polizisten etwa die sogenannten Bahnhofpaten nach dem Rechten: Freiwillige, die durch ihre Präsenz das Sicherheitsgefühl an Bahnhöfen steigern sollen und Personen, falls nötig, zurechtweisen.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom rechten Seeufer gibt es täglich auf den Regionalseiten im zweiten Bund des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an staefa@tages-anzeiger.ch (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2010, 04:00 Uhr

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5 Kommentare

Stefan Jost

12.01.2010, 08:34 Uhr
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Es mag in Singapur nicht alles besser sein als in der Schweiz, aber die Zonen des öffenlichen Verkehrs sind dort so sauber wie früher in der Schweiz. Offensichtlich gibt es Mittel und Wege Sauberkeit zu erreichen, aber wenn wir das in der Schweiz nicht durchsetzten wollen dann müssen wir uns auch nicht über den Dreck aufregen. Antworten


Gabriel Rischatsch

12.01.2010, 08:07 Uhr
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Wo sind die sogenannten Bahnhofpaten im Bahnhof Hinwil. Fast jeden Abend wird das Perron und der einfahrende Zug von haschrauchenden Jugendlichen belagert. Eintreffende Personen die Richtung Zürich fahren möchten, werden von den Jugendlichen angepöbelt. Einzelene Wagen werden von den Rauchenden verraucht. SBB und Polizei schauen trotz wiederholten Anrufen über die Belästigungen weiterhin nur zu! Antworten



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