Partyszene entdeckt die Goldküste
Von Simon Hurst. Aktualisiert am 17.03.2010
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Eine Partyszene an der Goldküste? Gibt es nicht! In dieser Frage sind sich die ansässigen Experten in Sachen Ausgang einig. Sie haben mit ihren Labels Rulator, MiniDrill und LeBar bereits einige Anlässe und Konzerte in den Seegemeinden auf die Beine gestellt. Kein leichtes Unterfangen, wenn die Stadt Zürich mit ihren Ausgehmöglichkeiten und international bekannten Klubs nur wenige S-Bahn-Minuten entfernt ist.
Doch obwohl zwei der hiesigen Partypäpste zwischenzeitlich selbst in die Stadt abgewandert und somit zur «Konkurrenz» übergelaufen sind: Nur geschlafen wird nächtens in den Dörfern am See auch in Zukunft nicht. Drei junge Veranstalter wollen mit ihren Plänen unabhängig voneinander dafür sorgen, dass das lasche Partyklima zwischen Meilen und Uerikon wieder in Schwung kommt.
Party im Löwen
Pascal Golay, Gründer der Partyreihe Rulator und seit rund acht Jahren im Geschäft, möchte künftig in einem Meilemer Lokal feiern. «Das ist aber noch ein Wunschtraum», sagt Golay, der Rulator mit seinem Kumpel Orazio Votta betreibt. Das Schwierigste sei nicht einmal, genügend Besucher zu mobilisieren – bis zu 600 Partygänger aus der Region fanden jeweils ins Stäfner Rössli, wo die Rulator-Feten bis vor einiger Zeit gestiegen waren. Knackpunkt seien eher die strengen Auflagen der Gemeinden, vor allem was Sicherheit und Lärm betrifft, sagt der Meilemer.
Dies sei auch der Grund gewesen, wieso sich Rulator aus Stäfa verabschiedet habe: Die Gemeinde habe ein Vielfaches an Sicherheitsleuten sowie die zusätzliche Überwachung des Bahnhofs in den frühen Morgenstunden verlangt – um Lärm und allfällige Sachbeschädigungen nach Partyende zu vermeiden, sagt Golay. «Das wäre für uns zu teuer geworden». Fortan stiegen die Rulator-Partys in verschiedenen Lokalen in Zürich, zuletzt im Club Cocuna an der Langstrasse.
In der Stadt seien die Partys einfacher zu organisieren. Im Rössli habe er viel Zeit gebraucht, um die Infrastruktur einzurichten, was in der Stadt wegfalle. Auch die Einnahmen hätten gestimmt. Doch nur ums Geld gehe es nicht. «Rulator ist eine Herzensangelegenheit», sagt Golay, dessen nebenberufliche Karriere als Partyorganisator vor Jahren in der Meilemer Pfadihütte begann. Vielleicht kehrt Rulator aber schon bald vom Ausflug in die Stadt zurück. «Wir möchten den Leuten von der Küste wieder etwas bieten», sagt Golay. Schliesslich sei es schön, nach dem letzten Song «fast zu Fuss» nach Hause gehen zu können.
Auch die Männedörflerin Nadja Ritz und ihr Partner Marco Amato, beide Gründer des Partylabels MiniDrill, haben sich in der Stadt Zürich versucht. Nun fokussieren sie sich wieder auf die Goldküste. Sie verhandle zurzeit mit den Meilemer Behörden, um im Sommer ein Openair und weitere Partys durchzuführen, sagt Ritz. Zudem plane MiniDrill gemeinsam mit der 2. Mannschaft des FC Männedorf eine Party. Nadja Ritz klagt jedoch ebenfalls, dass man als Organisator «auf dem Land» einen besonders schweren Stand habe.
Rückkehr in die Seegemeinden
Seit der Gründung Ende 2008 haben die MiniDrill-Partys im Stäfner Restaurant Wanne stattgefunden. Nach einem Pächterwechsel habe sich das aber erledigt, sagt Ritz. Es folgten zwei Partys in den Zürcher Klubs Q und Stairs. Nun sucht sie ein neues Lokal an der Goldküste. Wenn möglich in einer Industriezone, wo keine Anwohner gestört werden.
Bei ihren Partys zählt sie nicht nur auf ihren Bekanntenkreis und Jugendfreunde. «Wir möchten keinen reinen Kollegentreff», betont Nadja Ritz. Die Leute sollen vor allem wegen der speziellen Musik kommen. Dabei sei sie sich bewusst, dass ihre bevorzugten Musikrichtungen Minimal und House nicht die breite Masse ansprechen. Trotzdem hofft sie, an der Goldküste eine grössere Szene aufbauen zu können. An die Partys in der Wanne seien die Besucher jeweils auch von auswärts angereist, sagt Ritz.
Im Vergleich dazu sind Bruno Elmer und seine Partner Mirko Adinolfi und Marco Wintsch schon fast Pioniere. Seit bald 15 Jahren organisieren die Betreiber von LeBar Anlässe in Hombrechtikon. Am bekanntesten ist das jährliche «Felpi-Openair», bei dem sie jeweils ein altes Haus an der Seestrasse in Feldbach zum Partytempel umfunktionieren.
Er beobachte zwar einen zunehmenden Generationen-Mix an seinen Veranstaltungen, sagt Elmer. «Eine eigentliche Szene gibt es aber nicht – noch nicht». Bald wolle er eine monatliche Partyreihe lancieren. Dafür gebe es ein Bedürfnis, denn viele Junge seien nicht zürichorientiert. Und so könne sich vielleicht auch so etwas wie eine Partyszene an der Goldküste entwickeln.
Ihr tägliches Brot verdienen alle Befragten übrigens nicht damit, die Freizeit anderer schön zu gestalten. Sie arbeiten etwa im Druckbereich, in der Pflege oder in der Informatikbranche. Denn reich werde man mit dem zeitaufwändigen Hobby nicht – zumindest nicht an der Goldküste.
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Erstellt: 17.03.2010, 04:00 Uhr


































