Zürich

Roger Federers teurer Umzug an die Goldküste

Von Mario Stäuble. Aktualisiert am 08.01.2012 81 Kommentare

Falls er von Wollerau nach Herrliberg umzieht, nimmt der Tennisstar doppelt so hohe Steuern in Kauf. Der lokale Tennisclub will Federer mit einem neuen Platz locken.

Stattliches Stück Bauland ganz oben am Hang: Walter Wittmer, Gemeindepräsident von Herrliberg, zeigt die Federer-Parzelle. Foto: Reto Schneider

Stattliches Stück Bauland ganz oben am Hang: Walter Wittmer, Gemeindepräsident von Herrliberg, zeigt die Federer-Parzelle. Foto: Reto Schneider

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Federers Trophäenschrank

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Schalen, Pokale, Netze, Schiffe und Wale sammelte Roger Federer in seiner bisherigen Karriere.

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Herrliberg hat das grosse Los gezogen. Seit Wochen wurde spekuliert, wo die Familie Federer ihren neuen Wohnsitz nehmen wird. Roger Federer liess durchblicken, dass seine Frau Mirka und er die Terrassenwohnung im Ortsteil Bäch in Wollerau SZ verlassen wollen. Nun ist klar: Federers wechseln die Seeseite. Wie «20 Minuten online» gestern enthüllte, hat Federer in Herrliberg am 22. Dezember ein stattliches Stück Bauland im Quartier Laubhölzli erworben, 5779 Quadratmeter gross, ganz oben am Hang, spektakuläre Aussicht, reichlich Privatsphäre.

Die einmalige Lage weiss auch ein anderer Prominenter zu schätzen: Christoph Blocher wohnt nur wenige Hundert Meter entfernt. Blocher sagte gestern am Rande einer Pressekonferenz, er freue sich über den neuen Nachbarn. Dann fügte er trocken an: «Er spielt sicher besser Tennis als ich.» Der SVP-Politiker wird dies bald selbst überprüfen können: Er wohnt direkt über den Plätzen des Tennisclubs Herrliberg – wo sich Federer dereinst fit halten wird?

«Vielleicht kommt er mal bei uns vorbei», sagt Alain Held. Der Präsident des Tennisclubs hat mit Federers Landkauf gerechnet: «Wir haben vor einigen Wochen Gerüchte gehört.» Nun denkt Held bereits voraus. «Wir planen auf die Saison 2012 oder 2013 einen Platz mit Hartbelag.» Federer sei schon einmal im Club zu Besuch gewesen und habe sich nach einem solchen Platz erkundigt, um sich allenfalls für das US Open vorbereiten zu können. «Es wäre toll, wenn er ab und an hier trainieren würde – oder wenn seine Töchter bei uns im Club mitspielen», so Held.

Federers ins Dorfleben einbinden

Gemeindepräsident Walter Wittmer bemühte sich gestern, die Euphorie zu bremsen: «Die Familie Federer hat in unserer Gemeinde Land gekauft. Ob sie wirklich kommt, ist eine andere Frage.» Ein Baugesuch habe Federer bis jetzt nicht gestellt. Aber der Zuzug sei wahrscheinlich, was ihn sehr freue, denn der Ruf eines globalen Sympathieträgers wie Roger Federer strahle auch auf den Wohnort aus.

Wittmer hofft, dass sich Federers ins Dorfleben integrieren würden. «Auch Christoph Blocher sieht man bei uns spazieren gehen, und niemand behelligt ihn. Wieso sollte das für Federer nicht auch möglich sein?» Eine Einladung für den Neuzuzüger-Empfang wird die Familie jedenfalls erhalten.

Herrliberg profitiert kaum von Federers Steuern

Finanzielle Vorteile für Herrliberg sieht der Gemeindepräsident nicht. Der kantonale Finanzausgleich bewirke, dass der Grossteil von Federers Steuern an den Kanton weiterfliessen werde.

Und was bedeutet der Umzug nach Herrliberg für Federer selbst? Zunächst muss er für das exklusive Stück Land tief in die Tasche greifen. «Quadratmeterpreise von 2000 bis 4000 Franken sind in Herrliberg absolut üblich», sagt Patrick Schnorf, Partner bei der Immobilienberatungsfirma Wüest & Partner. Der mittlere Preis für Bauland in Herrliberg belief sich laut dem statistischen Amt des Kantons Zürich 2011 auf 2273 Franken. Bei Federers Parzelle müsse man berücksichtigen, dass der Markt für solche Filetstücke sehr klein und deshalb schwer einzuschätzen sei. «Der Preis dürfte deshalb eher bei 4000 als bei 2000 Franken liegen, vielleicht auch darüber», so Schnorf. Geht man von einem Quadratmeterpreis von 4000 Franken aus, hat Federer rund 23 Millionen Franken für das Stück Land bezahlt.

20 statt 10 Millionen Steuern

Zweitens nimmt Federer, wenn er an die Goldküste zieht, massiv höhere Steuern in Kauf – obwohl Herrliberg zu den steuergünstigsten Gemeinden des Kantons Zürich gehört. Federers aktuelles Einkommen schätzt die Zeitschrift «Sports Illustrated» auf 53 Millionen US-Dollar. Dieser Betrag kann indes nicht tel quel zum Abschätzen der Steuerlast herangezogen werden. Christoph Hilligardt vom VZ Vermögenszentrum sagt: «Seine Preisgelder muss Federer meistens in dem Land versteuern, in dem er sie gewonnen hat.» Dazu kommen Liegenschaften, die Federer andernorts besitzt und versteuert.

Hilligardt hat deshalb für den «Tages-Anzeiger» zwei mögliche Szenarien durchgerechnet, eines mit einem steuerbaren Einkommen von 50 Millionen Franken, eines mit 20 Millionen – ausgehend von einem Vermögen von 300 Millionen Franken (angelehnt an eine Schätzung der «Bilanz»). Ergebnis: Bei einem Verdienst von 50 Millionen Franken zahlt Federer in Wollerau 9,8 Millionen, in Herrliberg 19,6 Millionen Franken Steuern. Bei einem Einkommen von 20 Millionen sind es 4,1 Millionen (Wollerau) beziehungsweise 8,8 Millionen (Herrliberg). Damit ist klar: Federers Steuerlast würde sich durch den Umzug verdoppeln.

Enttäuschung in Wollerau

In Wollerau ist nach Federers Entscheid eine leichte Enttäuschung spürbar. Vize-Gemeindepräsidentin Marlene Müller sagt, der Wegzug hätte kaum finanzielle Auswirkungen, aber trotzdem sei es schade, dass Federer wohl gehen werde. «Wir hoffen, dass er noch eine Weile bleibt. Er muss ja zuerst einmal bauen.»

Roger Federer weilt gegenwärtig in Doha, er gab gestern zur Sache keine Auskunft. Gegenüber Journalisten hat er in der Vergangenheit angetönt, er wolle seinen Lebensmittelpunkt in den Grossraum Zürich verlegen. Mit dem Landkauf hat er den ersten Schritt dazu getan. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.01.2012, 12:21 Uhr

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81 Kommentare

Petra Hauert

07.01.2012, 13:43 Uhr
Melden 195 Empfehlung

Na dann hoffen wir, dass die beiden junge Federers nicht zu laut sind, sonst gehen sie Nachbar Christoph B. auf die Nerven. Und der erfindet dann wieder böse Geschichte und lässt sie von der Weltwoche publizieren. Antworten


Pawel Silberring

07.01.2012, 13:11 Uhr
Melden 177 Empfehlung

Zum Glück hat Zürich die Pauschalbesteuerung von reichen Ausländern abgeschafft, sonst wäre das Grundstück schon längst besetzt von einem Discount-Steuerzahler. Antworten



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