Seekinder bald ohne Schwimmunterricht
Von Petra Schanz. Aktualisiert am 19.08.2009 2 Kommentare
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Die Lage sieht hoffnungslos aus. Die Schule Stäfa sucht mit allen Mitteln nach einem Schwimmbad, in dem ab Herbst 2010 der obligatorische Schwimmunterricht durchgeführt werden kann. Bisher lernten die Stäfner Schüler mehrheitlich in der Villa RA schwimmen. Doch das Schulheim für Kinder und Jugendliche mit Verhaltens- und Schulschwierigkeiten in Redlikon schliesst sein Schwimmbad.
Erst war nur eine vorübergehende Schliessung nach den Sommerferien geplant gewesen. «Die Villa RA hat ein grosses Defizit», sagt Heimleiterin Rita Zbinden. Eine dreimonatige Schliessung bis zu den Herbstferien wäre eine erste Sparmassnahme gewesen. Die Schule Stäfa einigte sich aber mit der Villa RA, dass das Schwimmbad bis zu den Herbstferien offen bleibt. «Wir übernehmen die Betriebskosten für diese Zeit», sagt Rolf Bommeli, Leiter der Schulverwaltung. Doch Ende Jahr ist definitiv Schluss. «Wir müssten das Bad nächstes Jahr für 150'000 bis 200'000 Franken sanieren», sagt Zbinden. Das sei zu teuer. Nur schon die jährlichen Betriebskosten von 40'000 Franken seien in Zeiten des Sparens zu viel.
Bäder sind weit herum ausgebucht
Auch das Hallenbad Männedorf ist zurzeit geschlossen. Es wird seit Anfang Juni saniert und erst am 14. September wieder eröffnet. Im Männedörfler Bad war jeweils ein Morgen pro Woche für Stäfner Klassen reserviert. «Mit den Klassen, die in Männedorf schwammen, konnten wir nach Meilen ausweichen», sagt Bommeli. Doch auch das Schwimmbad Meilen wird bald rundum saniert. An Ostern 2010 fängt der Umbau an und soll voraussichtlich zwischen 12 und 14 Monate dauern.
Selbst wenn die beiden Bäder Männedorf und Meilen nicht saniert würden und durchgehend geöffnet wären, gäbe es für Stäfa aber ein Problem. Die Schwimmbäder sind nämlich komplett ausgebucht. So auch das Lehrschwimmbecken in Hombrechtikon, das von Stäfa aus gut zu erreichen wäre. «Das ginge uns in Stäfa genauso», sagt Bommeli. «Wir wären auch komplett ausgebucht, wenn wir selbst ein Schwimmbad betreiben würden.» Doch der Bau eines eigenen Schwimmbades sei keine Option. Es bräuchte eine Volksabstimmung und würde sicher vier bis fünf Jahre dauern. Eine Lösung braucht es aber schon nächstes Jahr. Ausserdem sei ein solcher Vorstoss schon einmal abgelehnt worden.
Und so gehen die Anfragen der Schule Stäfa an immer weiter entfernte Orte. «Im unteren Bereich der Goldküste ist ebenfalls nichts zu machen, und das Oberland haben wir auch schon abgeklappert», sagt Bommeli. Selbst in Rapperswil-Jona, das drei Schwimmbäder besitzt, sei alles ausgebucht. Irgendwann sei es dann auch von der Distanz her nicht mehr sinnvoll weiterzusuchen. Doch nicht nur Hallenbadlisten telefoniert die Schule Stäfa durch, sie hat auch versucht, mit der Villa RA zu verhandeln. «Wir hätten deren Schwimmbad gerne übernommen», sagt Bommeli. Das habe leider nicht geklappt. Die Geschäftsleitung der Stiftung Zürcher Kinder- und Jugendheime, zu der die Villa RA gehört, habe den Vorschlag abgelehnt.
Heimleiterin Rita Zbinden bestätigt das. Die Geschäftsleitung sei der Meinung, dass eine Betreibung durch Fremde zu kompliziert würde, sowohl juristisch als auch praktisch. Wie der Platz genutzt wird, ist noch nicht klar. «Es bestehen Bauprojekte für die Villa RA, weil wir schon lange zu wenig Platz haben», sagt Zbinden. Der Stiftungsrat und die Geschäftsleitung werde im Oktober/November entscheiden, ob und wann die Villa RA erweitert wird. Die Kinder des Heims werden ab dem neuen Jahr in der Villa RA in Aathal schwimmen, wenn das Schwimmbad in Stäfa Ende Jahr zugeht.
Der See ist keine Alternative
Die Schule Stäfa muss mit diesem Entscheid der Villa RA eine weitere Option für den künftigen Schwimmunterricht abhaken. «Ich höre auch immer wieder das Argument, die Kinder könnten ja im See schwimmen lernen», sagt Bommeli. Das sei aber unrealistisch. Einigermassen warm sei das Wasser von Mai bis August, doch da kämen im Juli noch die Sommerferien dazu. In drei Monaten könne man schlicht nicht den ganzen obligatorischen Schwimmunterricht mit sämtlichen Klassen Stäfas durchführen. Ausserdem erfordere es grössere Sicherheitsmassnahmen, mit Erstklässlern im See zu schwimmen als in einem Lehrschwimmbecken.
Weil ab 2010 nirgends mehr geschwommen werden kann, bringt die Schule Stäfa als Sofortmassnahme nun das Schwimmunterrichtspensum sämtlicher Klassen für das laufende Schuljahr im kommenden halben Jahr unter. Das ist durchaus im Sinne des kantonalen Volksschulamtes. «Der Unterricht ist zwar obligatorisch, kann aber flexibel abgehalten werden», sagt Ueli Landis, zuständig für Unterrichtsfragen und Lehrplan.
In der Unterstufe sei das Lernziel, dass alle Kinder eine Strecke von 15 Metern in freier Technik schwimmen könnten. Wie man dieses erreiche, sei den Schulen freigestellt. Bei weiten Wegen zum Schwimmbad könne man auch halbe Tage statt Stunden durchführen oder beispielsweise ein Klassenlager zu diesem Thema planen. Dass der Schwimmunterricht auch andernorts im Kanton zu einem Problem wird, ist Landis bekannt. «Man hat Lehrschwimmbecken ausser Betrieb genommen, weil sie teuer im Unterhalt sind.»
Die Verantwortung für den Schwimmunterricht liegt bei den Gemeinden. Kann er mangels Infrastruktur nicht abgehalten werden, hat dies jedoch keine aufsichtsrechtlichen Konsequenzen. «Das wäre unverhältnismässig, vor allem wenn sich die Schulpflege bemüht hat, etwas zu finden», sagt Robert Steinegger vom Rechtsdienst des Volksschulamtes. Natürlich müsse die Schule aber weiter nach Lösungen suchen.
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Erstellt: 19.08.2009, 20:35 Uhr
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2 Kommentare
Unverständlich ist die Villa Ra: Früher wurden in diesem Schwimmbad auch private Kinder-Schwimmkurse durchgeführt. - dann wurde der Villa Ra die Arbeit zu viel!!! Obwohl sie dadurch natürlich Einnahmen hätte. Wenn man bedenkt, wie viel Geld wir Steuerzahler für Kinder der Villa Ra bezahlen, ist dies einfach unverständlich, dass diese Villa Ra nicht auch den Kindern dieser Steuerzahler hilft Antworten




reto menzi
Es ist interessant, dass der Villa RA die Mittel für Sanierung und den Betrieb des Schwimmbads fehlen. Üblicherweise werden doch diese Kosten schon bei der Erstellung ermittelt und sollten in die Entscheidungsgrundlagen zur Erstellung eines Schwimmbads einfliessen. Ob aus dem Gebäude so ohne weiteres ein oder mehrere Erweiterungsbauten werden, muss ja zuerst noch bewilligt werden. Antworten