Zürich

Super-Villa droht die Zerstückelung

Von Marius Huber. Aktualisiert am 23.04.2010 30 Kommentare

Gross wurde das Küsnachter Projekt von Stararchitektin Zaha Hadid angekündigt. Passiert aber ist nichts. Immobilienunternehmer Adrian Bratschi klagt über die Abschaffung der Pauschalbesteuerung.

1/18 So sähe die Villa Hadid in Küsnacht aus.
PD

Super-Villa droht die Zerstückelung Das Luftschloss von Küsnacht

   

Im Büro der irakischen Stararchitektin Zaha Hadid dürfte eine grosse Schublade reserviert sein für Projekte, die nie realisiert wurden. Daran ist sie selbst nicht unschuldig, denn die extravagante Formensprache, der sie konsequent huldigt, fordert ihren Preis. Mal im wörtlichen Sinn, was gerade in Krisenzeiten schnell zum Problem wird, mal im übertragenen: In der Abstimmung über das neue Basler Stadtcasino vor drei Jahren etwa dürfte die Skepsis gegenüber ihrer Architektur der grossen Gesten entscheidende Stimmen gekostet haben.

Wer mit Hadid plant, geht also ein Risiko ein – das wusste auch der auf Luxusvillen spezialisierte Zürcher Immobilienunternehmer Adrian Bratschi, als er vor gut zwei Jahren mit einem Projekt der Superlative an die Öffentlichkeit ging. Heute sagt er: «Wir würden das Gleiche nicht mehr planen.» Damals aber kündigte er an, am Hang oberhalb Küsnachts einen futuristischen Bau zu errichten, bei dessen Beschreibung man hinter jeden Satz unwillkürlich ein Ausrufezeichen setzen möchte: 2000 Quadratmeter Wohnfläche, 200 davon allein für ein Schlafzimmer, Swimmingpool drinnen und draussen, Glasfronten über drei Stockwerke, ein Preis von geschätzten 30 bis 40 Millionen Franken. Als wäre all das nicht genug, kursierte obendrauf plötzlich noch das Gerücht, Hollywood-Star Brad Pitt interessiere sich für die Villa.

Baubeginn noch dieses Jahr

Das ist nun zwei Jahre her. Seither ist es auffällig still geworden. Die sporadischen Beteuerungen Bratschis, man stecke mitten in vielversprechenden Verhandlungen mit Interessenten, klangen von Monat zu Monat mehr nach Durchhalteparolen. Die Traumvilla begann langsam, aber sicher nach einer Planungsleiche zu riechen. Zur Erleichterung einiger Anwohner, die sich vor einem eigentlichen Architekturtourismus im Quartier fürchteten, der sie um ihre Ruhe bringen würde.

Doch jetzt gibt es Neues von Bratschi: Seine Kunden seien real, beteuert er, keine Hirngespinste – «warum wohl hätte ich sonst so lange gewartet?». Und: Der Bau solle noch dieses Jahr beginnen. Er hat auch eine Erklärung parat für die Verzögerung: Seit eineinhalb Jahren habe er zwei ernsthafte Interessenten aus dem Mittleren Osten, einer davon habe sogar eine Anzahlung geleistet. «Wir waren sehr weit.» Doch dann habe ihm die Abschaffung der Pauschalbesteuerung im Kanton Zürich einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. «Seither haben Käufer in der Grössenordnung, von der wir hier reden, ein Riesenproblem», sagt Bratschi.

Den Interessenten für Küsnacht etwa könne man mit den üblichen Steuerinstrumenten schwerlich taxieren, denn die komplexen Vermögensverhältnisse des Mannes liessen sich kaum beziffern.

Wohnungen statt Villa

Trotzdem habe man noch nicht aufgegeben. Die Juristen des möglichen Käufers suchten intensiv nach einer Lösung, die es ihm doch noch möglich mache, sich in der Schweiz niederzulassen. «In diese Verhandlungen sind Leute bis hinauf nach Bundesbern involviert», sagt Bratschi.

Die kantonale Finanzdirektion allerdings zeigt sich auf Anfrage hart in der Sache. Spielraum oder gar ein Hintertürchen für schwerreiche Neuzuzüger besteht demnach nicht. Eine Besteuerung nach Aufwand könne man nicht mehr anbieten; die Steuerbelastung richte sich neu nach den konkreten Verhältnissen – und die müsse in diesem Fall der Vermittler mit seinem Interessenten «detailliert abklären». Das klingt nach weiteren Verzögerungen, doch Bratschis Geduld scheint langsam, aber sicher am Ende: «Ich war schon zwei-, dreimal nahe am Aufhören.» Bis im Sommer müsse etwas gehen, sonst suche er nach Alternativen. Eine solche Alternative wäre es, die Luxusvilla in mehrere kleinere, dafür günstigere Wohnungen zu unterteilen. Der Preis liesse sich so immerhin unter 10 Millionen Franken pro Einheit drücken.

Der Gemeinderat wartet ab

Im Küsnachter Gemeinderat beobachtet man das Geschehen oben am Berg zwar mit Interesse, aber auch mit einer gewissen Distanz. Zwar finden sowohl Hochbauvorstand Bernhard Bühler als auch Finanzvorsteherin Ursula Gross Leemann (beide FDP) das Projekt persönlich nach wie vor reizvoll. Einfluss nehmen könne man aber nicht. Und selbst wenn, sähe Gross Leemann keinen Anlass dazu: Zwar wäre man erfreut, wenn es klappen würde mit einem finanzkräftigen Käufer, es gebe aber für Küsnacht keinen Grund, aktiv um einen solchen zu werben. Denn wegen des Finanzausgleichs könnte sich ein solcher Zuzug – je nach Kaliber – sogar negativ auswirken. «Der Kanton schafft hier leider keine Anreize.»

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Erstellt: 22.04.2010, 23:08 Uhr

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30 Kommentare

Gerhard Keller

23.04.2010, 09:50 Uhr
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Als ursprünglicher Gegner der Abschaffung der Pauschalbesteuerung sehe ich mich nach diesem Artikel gezwungen, meine Meinung zu ändern. Letztlich ein Segen, denn so besteht immerin noch eine minimale Chance, dass sich dereinst wieder Normalverdienende in ihrer Heimatstadt eine Wohnung leisten können. Der Zuzug von immer mehr Geldadel lässt die Preis nur noch mehr in Unerschwingliche steigen. Antworten


Meret C. Bertschinger

23.04.2010, 08:43 Uhr
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Eigentlich gibt es schon genug Wohnbauten, die eher an Bunker erinnern. Persönlich kann ich solcher Architektur nun gar nichts abgewinnen und freue mich, wenn solche Projekte nicht realisiert werden. Das mag vielleicht zu Beginn noch ok aussehen, aber so ein Bau, der 30 oder 40 Jahre alt ist, ist einfach nur noch grässlich. Es gibt genug Beispiele... Antworten



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