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Wohlhabende bringen Probleme

Der Mittelstand zieht weg, das Dorfleben verarmt. Ein hiesiger Autor der «Zeit» zeichnet ein prekäres Bild der Seegemeinden.

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Das deutsche Elite-Blatt «Die Zeit» widmet sich zum Ende des Jahres einem aktuellen und kontroversen Thema aus dem Bezirk Meilen. Unter dem Titel «Gesucht: Schlechte Steuerzahler» schreibt der Autor Matthias Daum auf den Schweiz-Seiten der Ausgabe über die explodierenden Immobilienpreise an der Goldküste und die soziale Verarmung der Gemeinden.

Die Strecke der S 7 beschreibt Daum vorerst zwar als «Fahrt durch paradiesische Gefilde». Die Goldküste sei der Garten Eden, wo man ob der Seesicht und der unvergleichlich niedrigen Steuerwerte unter 100 Prozent frohlocke. Doch würden sich die Einwohner dafür über die rege Bautätigkeit und die ausserordentlich hohen Wohnungspreise beklagen. Leute mit Durchschnittseinkommen könnten sich die Mieten nicht mehr leisten, und vor allem in den bis vor kurzem dörflich geprägten, oberen Seegemeinden wundere man sich über die vielen Neubauten. Als Ursache für den Bauboom nennt Daum die kürzeren Fahrzeiten nach Zürich, die durch den Ausbau des S-Bahn-Netzes entstanden. Damit seien die Gemeinden für Pendler attraktiv geworden.

«Banker gehen nicht in die Feuerwehr»

Auch viele Wohlhabende seien an den See gezogen, sagt der Stäfner Finanzvorstand Alfred Rechsteiner gegenüber der «Zeit». Dass der niedrige Steuerfuss dafür verantwortlich sei, bezweifeln aber verschiedene Gemeindevertreter. Der Meilemer Gemeindepräsident Hans Isler weist zum Beispiel darauf hin, dass der Steuerfuss nicht der Hauptgrund sein könne, da man am anderen Ufer in Wollerau oder Freienbach SZ viel weniger bezahle. Als Gründe für die Attraktivität werden stattdessen die gute Anbindung, die Nähe zum Flughafen und die Lage am See angeführt.

Die finanziellen Vorteile bringen aber auch gesellschaftspolitische Nachteile mit sich. Die Beteiligung in Vereinen oder an politischen Versammlungen nehme ab, wird Rechsteiner zitiert. Es sei ein Politisieren ohne Opposition. Erst wenn Einzelinteressen - besonders im Baubereich - tangiert würden, komme umso heftigerer Widerstand auf. Isler sieht vor allem das traditionelle Schweizer Milizsystem gefährdet: «Mitglieder für die Feuerwehr finden sich nicht unter den Bankern.»

Deshalb habe Roberto Martullo, Meilemer SVP-Lokalpolitiker und Schwiegersohn von Alt-Bundesrat Christoph Blocher, bezahlbares Wohnen für den Mittelstand gefordert, führt Daum weiter an. Martullo klage, dass die Jungen wegziehen würden, weil sie sich keine Wohnung in der Gemeinde leisten könnten. Die SVP Meilen habe daher die Gemeinde damit beauftragt, eine geeignete Parzelle für den Bau von genossenschaftlichen Wohnungen zu suchen. Allerdings sei der Widerstand gegen soziale Wohnprojekte gross, schreibt Daum. Zu der üblichen Kritik über die verbaute Aussicht komme die Angst vor dem sozialen Abstieg, wenn weniger Wohlhabende ins Quartier zögen.

Anwohner sträuben sich

Dass Daum mit diesen Argumenten ins Schwarze trifft, zeigte eine Quartierversammlung 2007, als die Gemeinde Küsnacht über geplante Genossenschaftswohnungen auf der Allmend informierte. In der hitzigen Diskussion wollten die Anwohner wissen, ob die Zimmer in den Wohnungen so gross sein müssten, wer die neuen Mieter auswähle und ob diese überhaupt berechtigt seien, da zu wohnen.

Das Bild zum Artikel zeigt den Blick auf Stäfa vom Lattenberg - laut Legende eine «leblose Idylle». Das Pikante daran: Der Autor Matthias Daum ist der Sohn des langjährigen Stäfner Gemeindepräsidenten Thomas Daum (FDP), der heute Direktor des Arbeitgeberverbands ist.

Mehr Nachrichten und Hintergründe vom rechten Seeufer gibt es täglich in der Regionalausgabe des Tages-Anzeigers. Schreiben Sie direkt an staefa@tages-anzeiger.ch

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 29.12.2008, 08:54 Uhr

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1 Kommentar

Pascal Meister

29.12.2008, 13:23 Uhr
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Nichts Neues soweit. Es gilt zwar die freie Wohnsitzwahl, aber es gibt kein Menschenrecht auf eine bezahlbare Wohnung in einem gewählten Ort. Das müsste sich auch die Stadt Zürich mal überlegen - dort gäbe es exakt dieselben Zustände wie an der Goldküste, wären nicht 40% oder mehr der Wohnung genossenschaftlich oder städtisch verwaltet. Grosse Umwälzungen sind zu erwarten! Antworten



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