Zürich

Der Kreis 5 hat ein Tamilen-Problem

Von Liliane Minor. Aktualisiert am 22.06.2011 106 Kommentare

Die Schlägerei unter Tamilen, die sich an der Langstrasse ereignete, war nicht die erste. Im Gegenteil. Regelmässig kommt es im Quartier zu Besäufnissen und Prügeleien. Anwohner klagen, die Stadt ist besorgt.

Anwohner und besorgte Tamilen fordern mehr Polizeikontrollen: Im Zürcher Kreis 5 gibt es vermehrt Konflikte unter Tamilen.

Anwohner und besorgte Tamilen fordern mehr Polizeikontrollen: Im Zürcher Kreis 5 gibt es vermehrt Konflikte unter Tamilen.
Bild: Keystone

Tamilen

Eine wechselvolle Integrationsgeschichte

Es gibt kaum eine Volksgruppe, deren Ruf in der Schweiz solche Hochs und Tiefs erlebt hat wie jene der Tamilen. Als vor 30 Jahren die ersten Tamilen hierher kamen, waren sie als Kriminelle und Drogenhändler verschrien. Doch das Bild wandelte sich bald. Wenige Jahre später galten die Tamilen als Vorzeigeausländer: Sie hatten sich den Ruf erworben, arbeitsam zu sein und klaglos auch wenig qualifizierte Arbeiten zu übernehmen.

Das positive Bild hat in letzter Zeit indes tiefe Kratzer bekommen. Mehrfach war in den Medien die Rede von Alkoholproblemen und Abschottung, aber auch davon, dass tamilische Kämpfer von ihren Landsleuten im Ausland Geld erpressten.

Eine 2007 veröffentlichte Studie des Bundes bestätigte das zwiespältige Bild. Viele der knapp 50 000 Tamilen in der Schweiz sind demnach gut integriert. Rund ein Viertel ist eingebürgert. Anderseits haben laut Studie viele Tamilen kaum die Möglichkeit, wirtschaftlich aufzusteigen. Und sozial bleiben Tamilen gern unter sich. (leu)

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Maria Huber wohnt seit 15 Jahren im Kreis 5, sie hat die Drogenszene miterlebt und den Kampf der Polizei gegen die Dealer aus Afrika. «Aber nichts war so schlimm wie das, was seit einigen Monaten unter den Tamilen abgeht», sagt sie. Die Schlägerei vom Samstag sei nur die Spitze des Eisbergs. «Gruppen von Tamilen treffen sich mindestens einmal pro Woche in der Nachbarschaft, meistens auf dem Denner-Parkplatz, und lassen sich sinnlos volllaufen. Meist mit hartem Alkohol», erzählt die Anwohnerin. «Die Stimmung wird dann rasch sehr, sehr aggressiv. Schlägereien gibt es häufig. Wer um Ruhe bittet, wird massiv bedroht oder sogar angegriffen.» Deshalb will Maria Huber ihren richtigen Namen auch nicht in der Zeitung lesen.

Die Stadtpolizei sieht die Situation nicht so dramatisch. Es gebe unter Tamilen nicht mehr Schlägereien als unter anderen Nationalitäten, Schweizer eingeschlossen, sagt René Ruf, Sprecher der Stadtpolizei. Hingegen bestätigt der Integrationsbeauftragte der Stadt, Christof Meier, die Darstellung der Anwohnerin ebenso wie Rajan Rajakumar, der selbst Tamile ist und in Zürich als Kulturvermittler und Familientherapeut arbeitet. Rajakumar klagt: «Es wird immer schlimmer.»

Gemeinschaft zerfällt

Schwer zu sagen ist, was die Ursache dieser Entwicklung ist – galten die Tamilen doch lange als bestens integriert. Doch die tamilische Gemeinschaft zerfalle seit dem Ende des Krieges in Sri Lanka zunehmend, beobachtet Christof Meier: «Es gibt auf der einen Seite eine grosse Gruppe, die es geschafft hat. Aber auf der anderen Seite gibt es jene, die riesige Schulden haben und wachsende soziale Probleme. Dazu kommt ein gewisser Frust über die Niederlage im Krieg.» Das äussere sich nicht nur in Besäufnissen und Schlägereien auf der Strasse, sondern auch daheim, etwa in Form von häuslicher Gewalt.

Rajakumar schätzt die Situation seiner Landsleute ähnlich ein. Seiner Meinung nach spielt aber noch ein weiterer Faktor eine bedeutende Rolle: «Die meisten dieser Jugendlichen, die trinken und prügeln, sind erst in den letzten Jahren neu aus Sri Lanka gekommen. Sie haben keine Arbeit, oft sind sie traumatisiert.» In Zürich gebe es zwei, drei Gangs, die sich geplant zu Schlägereien treffen, sagt der Kulturvermittler. «Unterstützt werden sie von Leuten, die seit langem hier sind, zum Beispiel dem Besitzer eines Ladens an der Langstrasse. Der lebt von diesen Gruppen, verkauft Schnaps und hat auch Waffen.»

Sicher ist: Es ist immer Alkohol im Spiel. «Alkohol ist in Teilen der tamilischen Gemeinschaft ein grosses Problem», sagt Rajakumar, der aus seiner Arbeit einige Trinkerschicksale kennt. Übermässiger Konsum wirkt sich bei Tamilen um so verheerender aus, als sie – wie viele Asiaten – genetisch bedingt Alkohol meistens deutlich schlechter vertragen als Europäer.

Mehr Druck

Ausserdem ist Alkohol in der tamilischen Gesellschaft verpönt. Gut möglich, dass Tamilen deshalb die Übung im massvollen Umgang mit Alkohol fehle, sagt Barbara Willimann, Geschäftsführerin der Zürcher Fachstelle für Alkoholprobleme (ZFA).Der zunehmende Alkoholismus und die Probleme, die sich daraus ergeben, machen der Stadt seit längerem Sorgen.

Integrationsfachmann Meier sagt: «Die grosse Schwierigkeit für uns ist: Wie kommen wir an diese Leute heran?» Er beschreibt die tamilische Gemeinschaft als verhältnismässig abgeschottete Gesellschaft – Tendenz zunehmend. Immerhin gibt es bei der ZFA seit einiger Zeit eine tamilischsprachige Therapiegruppe. Und auch die sozialen Stellen der Stadt wurden in einer eigenen Veranstaltungsreihe über das Phänomen sensibilisiert.

Für Rajakumar ist das allerdings nicht ausreichend. «Die Stadt muss mehr Druck aufsetzen, etwa mit Polizeikontrollen, und klar fordern: Das und das erwarten wir. Nur das Gespräch zu suchen, funktioniert in unserer Kultur nicht, das sind sich die Tamilen nicht gewohnt.» Rajakumar spart freilich auch nicht mit Kritik an seinen Landsleuten: «Ein paar wenige sind auf dem besten Weg, den guten Ruf der Tamilen kaputt zu machen. Das verstehe ich nicht.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.06.2011, 21:58 Uhr

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106 Kommentare

Florian Inhausen

22.06.2011, 08:14 Uhr
Melden 75 Empfehlung

Unfassbar! Die StaPo "sieht die Situation nicht so dramatisch"! Wieso werden Tamilen, die Gesetze übertreten (dazu gehören selbstverständlich Schlägereien) nicht rigoros sofort ausgeschafft? Warum können diese Leute hier eine abgeschottete Parallelgesellschaft gründen? Gangs!!!? Häusl.Gewalt? Hallo? Der Krieg dort ist vorbei - also zurück mit den Straffälligen!
Danke Rot/Grün für diesen Auswuchs!
Antworten


Peter Gaissberger

22.06.2011, 07:32 Uhr
Melden 68 Empfehlung

Tja, nicht wundern. Jetzt wird die negative Ernte der jahrelangen und unkontrollierten Einwanderung eingefahren. Ich finde es gut, dass nun auch die Gutmenschen unter diesen Zustaenden leiden muessen. Die fanden ja diesen Mulitkultimix immer super. Nun ist es leider fuer eine Umkehr zu spaet. Es ist bereits 12.05. Antworten



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