1 Fussgängerstreifen kostet 100'000 Franken – wieso eigentlich?

In einer Zürcher Gemeinde hätte ein Fussgängerstreifen mit Mittelinsel 100'000 Franken gekostet. Das ist offenbar zu viel Geld für die Sicherheit der schwächsten Verkehrsteilnehmer.

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Schutzinseln sind unbestritten eine effiziente Massnahme, um die Sicherheit auf Fussgängerstreifen zu erhöhen. Doch Schutzinseln lassen die Kosten für einen Fussgängerstreifen in die Höhe schnellen. So weit, dass in Illnau im Zürcher Oberland ein geplanter Fussgängerstreifen an den Kosten gescheitert ist (siehe Kasten).

Rund 100'000 Franken hätte das Projekt verschlungen. «Ein normaler Streifen kostet höchstens 5000 Franken», sagt Albert Hermann, Entwicklungsingenieur bei der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion. Doch für einen Fussgängerstreifen mit Mittelinsel muss fast immer die Strasse verbreitert werden. Grosse bauliche Massnahmen und Landkäufe sind die Folge. «Ein solches Projekt kann bis zu 200'000 Franken kosten», so Hermann.

«Kosten dürfen bei Sicherheitsfragen kein Thema sein»

Was die Gemeinde bisher verschwieg: Ilnau-Effretikon hätte die Kosten gar nicht alleine tragen müssen. Die Usterstrasse, auf der die Insel hätte gebaut werden sollen, ist eine Kantonsstrasse. «Deshalb haben wir der Stadt einen Kostenteiler vorgeschlagen. Der Kanton hätte knapp die Hälfte an das Projekt bezahlt», sagt Hermann. Und das ist durchaus üblich so: Wenn eine Gemeinde ein Projekt anregt, das der Kanton für sinnvoll, aber nicht für zwingend notwendig hält, werden die Kosten auf beide Parteien aufgeteilt. Trotzdem kommt es im Kanton Zürich laut Hermann immer wieder vor, dass Kostenerwägungen solche Projekte zu Fall bringen. Wie häufig lässt sich allerdings nicht abschätzen. In der Stadtverwaltung Illnau-Effretikon wollte auf Anfrage niemand zum aktuellen Fall Stellung nehmen.

Gemeinde wartet auf günstigere Methode

Peter Schneider berät Gemeinden bei derartigen Projekten und hat dafür wenig Verständnis. «Eigentlich sind 100'000 Franken ein lächerlicher Betrag. Für Autobahnen gibt man Millionen aus.» Markus Knauss von VCS Zürich hält es für beängstigend, wenn Schutzinseln aus Kostengründen nicht realisiert werden. «Wenn eine Insel aus Sicherheitsgründen nötig ist, dann dürfen die Kosten kein Thema sein.»

Die Verkehrstechnische Abteilung der Kantonspolizei erklärte die Schutzinsel zur zwingenden Voraussetzung für den geplanten Fussgängerstreifen in Illnau. Schriftlich lässt sie gegenüber Tagesanzeiger.ch verlauten, dass es im vorliegenden Fall sinnvoller ist, ganz auf einen Fussgängerstreifen zu verzichten als einen Übergang ohne Mittelinsel zu realisieren. Das, obwohl klar ist, dass die Fussgänger die Strasse ungesichert überqueren. Der Stadtrat Illnau-Effretikon hofft nun, dass bald eine günstigere Methode die Realisierung eines Fussgängerstreifens erlaubt. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.10.2008, 11:31 Uhr

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