105 Franken für eine Nacht im Wohnzimmer

Zürcher Hotels haben eine neue Konkurrenz: Das Übernachten in privaten Betten boomt. Die Zahl der sogenannten Hosts wächst laufend. Selbst Geschäftsreisende kommen immer mehr auf den Geschmack.

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Wer heute eine Reise plant, kann aus einer fast unerschöpflichen Vielzahl an Angeboten eine Unterkunft wählen. Auch in Zürich sind Alternativen zu einem Hotelzimmer sehr gefragt. Allein auf Airbnb, dem grössten Community-Marktplatz für die Vermietung und Buchung von Privatunterkünften, bieten derzeit rund 350 sogenannte Hosts in Zürich ein Zimmer oder sogar eine ganze Wohnung als Bleibe an.

«Zürich ist die grösste Stadt der Schweiz und sehr viele Leute reisen über Zürich in andere Länder. Deshalb ist die Nachfrage hier besonders gross und sie steigt weiter an», erklärt Airbnb-Mitgründer Nate Blecharczyk gegenüber Tagesanzeiger.ch. Doch die Geschäfte laufen nicht nur in Zürich gut: Die Anzahl Gastgeber, die sich Airbnb angeschlossen haben, ist in der Schweiz allein in den vergangenen drei Monaten um ein Viertel auf derzeit 1050 gewachsen.

Reisen, ohne das Haus zu verlassen

Grund genug für Blecharczyk, die Community heute Dienstag in Zürich zu besuchen. «Für mich ist es sehr schön, die Airbnb-Mitglieder hier in Zürich zu treffen, all ihre Geschichten zu hören und mich mit ihnen auszutauschen», so Blecharczyk. Es mache den Leuten Spass, als Gastgeber für Menschen aus aller Welt zu fungieren. «Es sei wie Reisen, ohne dabei das Haus zu verlassen, höre ich immer wieder.»

Das allein ist aber nicht der Grund, weshalb sich viele Zürcherinnen und Zürcher dazu entschliessen, Fremde in ihrer Wohnung aufzunehmen. Die Vermietung ist auch sehr lukrativ: Ein Host verdient in der Schweiz durchschnittlich 1250 Franken im Monat. 105 Franken wird im Durchschnitt pro Nacht bezahlt.

Für dieses Geld liesse sich problemlos auch ein Hotelzimmer finden. «Es geht aber bei unserem Angebot nicht um den Preis, den man für die Unterkunft bezahlt, sondern um das individuelle, spezielle Erlebnis», betont Blecharczyk. «Ein Aufenthalt in einem Airbnb ist etwas Aussergewöhnliches und auch sehr Abwechslungsreiches. Wer aber etwas Voraussehbares möchte und sich gerne nach Check-out-Zeiten richtet, für den ist ein Hotel noch immer die bessere Wahl.» Man sehe sich denn auch nicht als Konkurrenz zu den Hotels, hält er weiter fest. «Wir erweitern mit unserem Angebot lediglich die Optionen für Reisende.»

Spannende Alternative mit positivem Nebeneffekt

Auch Jörg Arnold, Präsident Zürcher Hotelier Verein, sieht in den privaten Zimmer- oder Wohnungsanbietern keine Konkurrenz. «Sie sind aber eine spannende Alternative und eine lustige Sache», sagt er auf Anfrage. Und sie hätten für den Tourismus in der Stadt auch einen positiven Nebeneffekt. «Es gibt jenen Gästen die Möglichkeit, Zürich zu besuchen, die sonst vielleicht nicht hierher kommen würden.»

Arnold glaubt allerdings nicht, dass auch Geschäftsleute eine Unterkunft in einem Wohnzimmer wählen würden. Deshalb stelle das Angebot insbesondere für Hotels mit drei und mehr Sternen kein Problem dar. «Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass man in der Ein-Stern-Hotellerie einen gewissen Druck spürt. Zahlen gibt es aber keine hierzu.»

60 Prozent der Kunden sind älter als 35

Auf Airbnb und ähnlichen Plattformen werde eine ganz spezielle Art von Reisenden angesprochen. «Vermutlich vor allem junge Leute, die individuell, günstig und vielleicht auch ein wenig abenteuerlich reisen wollen und die den persönlichen, privaten Kontakt wünschen», so Arnold. Dem widerspricht Blecharczyk: «Viele gehen davon aus, dass wir mit unserem Angebot vor allem eine junge Zielgruppe ansprechen. Aber das ist nicht der Fall: Über 60 Prozent unserer Kunden sind älter als 35. Gerade in Zürich gehören durchaus auch Businessleute zu unseren Kunden. Sie sind aber noch in der Minderzahl.» Deshalb werde auch eine sehr grosse Anzahl unterschiedlicher Unterkünfte angeboten. «Einige sind sogar teurer als Hotelzimmer. Man bekommt dann aber auch etwas Besonderes geboten wie zum Beispiel eine aussergewöhnliche Einrichtung, eine besonders schöne Aussicht oder einen exquisiten Standort.» (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 26.06.2012, 15:29 Uhr)

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Unterkünfte in Privathaushalten

Neben Airbnb können auch auf weiteren Internetplattformen Unterkünfte in Privatwohnungen gefunden werden. So zum Beispiel auf Housetrip, Wimdu oder 9flats.com. Bekannt ist auch Couchsurfing International, die grösste Vereinigung kostenloser Übernachtungen mit über drei Millionen Mitgliedern in 246 Ländern und Gebieten.

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