50 Gemeinden senken die Steuern

Von wegen Krise: Ein Drittel der Zürcher Gemeinden erhebt nächstes Jahr tiefere Steuern. Aber es gibt auch happige Aufschläge.

Senkt im nächsten Jahr den Steuerfuss: Gemeinde Hirzel.

Senkt im nächsten Jahr den Steuerfuss: Gemeinde Hirzel.

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Noch hat die Krise viele Gemeinden nicht erreicht. Diesen Eindruck erwecken die fürs kommende Jahr budgetierten Steuerfüsse, die vielerorts noch von der Gemeindeversammlung oder vom Parlament abgesegnet werden müssen (siehe Kasten). In gegen 50 Gemeinden im Kanton werden demnach bald weniger Steuern erhoben.

Allerdings beträgt bei 40 davon die Reduktion bloss 1 Steuerprozent. Der Grund: Der Kanton hat im Sommer ein neues kantonales Mittel von 112 Prozent berechnet. Bisher lag es bei 113. Somit müssen alle Gemeinden, die 2009 den Maximalsteuerfuss von 123 Prozent erhoben haben, nächstes Jahr um ein Prozent nach unten gehen. Zudem passen viele Gemeinden ihren Satz dem neuen Mittel von 112 an. Würden sie darunter gehen, verlören sie Anspruch auf Steuerkraftausgleich.

Grossen Steuergeschenke

Es gibt Dörfer, die mitten in der Krise mit grossen Steuergeschenken aufwarten. Spitzenreiter ist die Weinländer Gemeinde Dinhard. Am Donnerstagabend hat die Gemeindeversammlung einer Reduktion um 10 Prozentpunkte auf 103 Prozent zugestimmt. Damit gehört Dinhard plötzlich zu den steuergünstigsten Gemeinden in der Region Winterthur. Der Sprung war möglich, weil die 1400-Seelen-Gemeinde über ein Eigenkapital von 7 Millionen Franken verfügt und keine grossen Investitionen plant.

In der Nachbargemeinde Dägerlen ist eine Reduktion um 5 Prozent vorgesehen. Bis anhin mussten die Dägerler ihr Einkommen zum Höchstsatz von 123 Prozent versteuern. Sei vier Jahren ist die Gemeinde nicht mehr im Finanzausgleich und hat die Einkünfte seither zum Schuldenabbau verwendet. «Spare in der Zeit, dann hast du in der Not», sagt Gemeindepräsidentin und Finanzvorstand Irène Bolli. Dieselbe Politik verfolgte auch die Gemeinde Hirzel, wo der Steuerfuss von 121 auf 116 Prozent sinken wird. Finanzvorstand Walter Reutimann sagt: «Das ist eben eine langfristige Planung.»

Sparen statt Steuern erhöhen

Langfristig denkt auch der Zumiker Finanzvorstand Rolf R. Zimmermann - allerdings in die andere Richtung. In seinem Dorf werden die Stimmbürger Anfang Dezember über eine Steuererhöhung um satte 6 Prozent befinden müssen. 3 Prozent mehr will die Schulgemeinde, 3 Prozent auch die politische Gemeinde. Zimmermann macht den Finanzausgleich dafür verantwortlich: Jahr für Jahr müsse Zumikon mehr abliefern, erklärt er. Allein dieses Jahr waren es 32,5 Millionen - 1,2 Millionen mehr als im Vorjahr. Mit dem neuen Finanzausgleichsgesetz erwartet Zimmermann einen noch stärkeren Anstieg. Darum will er handeln, bevor das Eigenkapital von 39 Millionen weggeschmolzen ist. Auch andere Seegemeinden müssten seiner Meinung nach Steuern erhöhen, doch würden einige lieber von der Substanz leben oder gar Schulden machen. Zollikon und Rüschlikon indes schrauben auch am Steuersatz.

Steuererhöhungen planen zudem Gemeinden im Unterland von Oberweningen und Weiach über Regensberg, Rümlang, Regensdorf bis nach Kloten. Am härtesten trifft es die Flughafenstadt. Sie leidet unter den Spätfolgen des Swissair-Groundings und der Finanzkrise, die die Firmen-Steuereinnahmen einbrechen liessen. Der Stadtrat will die Steuern um 10 auf 115 Prozent erhöhen. Aber FDP und SVP haben schon angekündigt, dass sie das Budget bekämpfen werden. Sie wollen sparen statt Steuern erhöhen.

Heinz Montanari, Chef der Abteilung Gemeindefinanzen stellt fest, dass sich die Schere zwischen den reichen und den armen Gemeinden eher wieder schliesst. «Jene, die von guten Steuerzahlern und Firmen leben, profitieren in guten Jahren überdurchschnittlich. Dafür spüren sie auch Krisen stärker - allerdings erst mit einer gewissen Verzögerung», erklärt Montanari. Er rechnet darum für 2011 bei den steuergünstigen Gemeinden mit einem weiteren Anstieg. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.11.2009, 08:26 Uhr

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