Zürich

500 Plätze an Sonderschulen sollen wegfallen

Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 25.11.2009 1 Kommentar

Der Kanton will verhaltensauffällige und geistig behinderte Kinder zukünftig vermehrt in normale Schulklassen integrieren und damit Geld sparen.

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Momentan werden im Kanton Zürich knapp 3200 Kinder und Jugendliche in Sonderschulen unterrichtet, 40 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Dieser starke Anstieg geht ins Geld. Kommt dazu, dass in dieser Zeit auch noch die Invalidenversicherung (IV) aus der Finanzierung der Sonderschulen ausgestiegen ist. Jetzt will der Kanton Zürich die Sonderschulung neu ausrichten. Der Regierungsrat hat gestern ein sonderpädagogisches Konzept in die Vernehmlassung gegeben. Laut Urs Meier, Leiter Sonderpädagogisches im Volksschulamt, umfasst es zwei Hauptstossrichtungen.

Integration: Schwierige und geistig behinderte Kinder sollen wenn möglich in ihrer Wohngemeinde, am besten sogar in normalen Klassen unterrichtet werden. Meier rechnet damit, dass zusätzlich 200 bis 300 geistig behinderte Kinder von den Sonder- in die Regelschulen wechseln werden, überdies auch rund 200 verhaltensauffällige Kinder. In den Tages-Sonderschulen (nicht Kinderheime) würden demnach etwa 500 Plätze abgebaut. Wo dies passieren soll, ist völlig offen. Meier schliesst aber nicht aus, dass Sonderschulen im Kanton ihren kantonalen Versorgungsauftrag verlieren könnten. Sie müssten dann entweder schliessen oder sich im freien Markt behaupten.

17 Millionen Franken weniger

Autonomie: Die Gemeinden sollen künftig zusätzlich Geld für die sonderpädagogische Schulung ihrer Kinder einsetzen dürfen, und zwar doppelt so viel, wie ihnen der Kanton bewilligt. Allerdings müssten sie zusätzliche Stellenpensen von Heilpädagogen vollständig selber finanzieren. Bisher ist das den Gemeinden untersagt, aus Gründen der Gleichberechtigung zwischen den Schulen in armen und reichen Gemeinden.

Das sonderpädagogische Konzept hat finanzielle Auswirkungen. Derzeit geben Kanton und Gemeinden 279 Millionen Franken für Sonderschulen aus. Auf den Kanton entfallen 147 Millionen Franken, darin nicht enthalten sind die 9 Millionen Franken, die er als Investitionskosten an Sonderschulen bezahlt. Der Abbau der 500 Plätze bringt Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe. Weil die normalen Volksschulen durch die zusätzlichen Kinder belastet werden, sieht der Regierungsrat vor, 18 Millionen davon in die Volksschulen umzulagern. Damit können die Gemeinden mehr heilpädagogisches Personal anstellen oder ihre Klassen verkleinern. 17 Millionen Franken werden aber kurz- bis mittelfristig gespart. Meier dementierte gestern, dass die Kosten auf die Gemeinden umgelagert werden. In Zukunft würden nämlich die Transportkosten der rund 500 Sonderschüler wegfallen, und die wurden bisher allein vom Kanton bezahlt. Was Meier aber nicht sagte: Der Kanton will überhaupt keine Transportkosten mehr übernehmen, auch nicht mehr von jenen, die weiterhin eine Sonderschule besuchen.

«Das waren leere Worte»

Reagiert hat gestern der VPOD Lehrberufe auf das sonderpädagogische Konzept. Die Lehrergewerkschaft unterstützt zwar die integrative Ausrichtung der regierungsrätlichen Vorlage, kritisiert sie auf der anderen Seite aber scharf: «Die Kürzungen sind Gift für diese Reform.» Der VPOD weist auf Versprechungen hin, dass der Rückzug der IV aus der Sonderschulfinanzierung keinen Abbau zur Folge haben werde. Jetzt zeige sich: «Das waren leere Worte.» Der VPOD verlangt deshalb nicht weniger, sondern mehr Geld für die Sonderschulung und die sonderpädagogische Betreuung in den Schulen. Alles andere werde die Qualität der Integrationsmassnahmen weiter senken.

Die Vernehmlassung dauert bis Ende März 2010. Meier rechnet mit der Umsetzung des Konzepts frühestens im Verlauf des Jahres 2010. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.11.2009, 04:00 Uhr

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1 Kommentar

Emil Roduner

25.11.2009, 08:54 Uhr
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In einer Sonderklasse kann die Lehrkraft am besten individuell auf die Schüler eingehen. In einer Normalklasse, die viel grösser ist, geht dies nur auf Kosten der Mitschüler, die ja schliesslich auch gefordert und gefördert werden sollen. Roger Federer wäre auch nie geworden, was er ist, wenn er mit mir trainieren müsste! Antworten



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