Ästlinge sind nicht aus dem Nest gefallen

Regelmässig «retten» Tierfreunde im Frühling angeblich verlassene Waldkauz- und Waldohreulen-Küken – in den meisten Fällen völlig unnötig.

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Im Frühling haben die Mitarbeiter der Greifvogelstation Berg am Irchel besonders viel zu tun: Tierfreunde bringen immer wieder anscheinend verlassene Vögel in die im Jahr 1956 gegründete Station. Im letzten Jahr sind um diese Zeit viele Jungeulen abgegeben worden – vor allem Waldkauz- und Waldohreulen-Küken. In den meisten Fällen benötigten diese Jungvögel aber gar keine menschliche Hilfe.

Denn Jungeulen verlassen, anders als zum Beispiel Rotmilanküken, ihre Bruthöhle, lange bevor sie fliegen können. Sobald ihr Gefieder so dicht ist, dass sie die Wärme der Mutter nicht mehr benötigen, klettern die kleinen Eulen mit scharfen Krallen aus ihrer Höhle und verteilen sich auf den benachbarten Ästen.

Ästlinge bleiben mit Eltern in Kontakt

Die noch nicht flügge gewordenen Jungvögel bleiben mit ihren Eltern mittels Bettelrufen in Kontakt. Sie werden von diesen gefüttert, bis auch das Fluggefieder komplett ausgebildet ist und die Jungtiere selbstständig geworden sind. Die Jungtiere werden Ästlinge genannt. Ein Ausdruck aus der Falknersprache, der sich im vogelkundlichen Sprachgebrauch etabliert hat.

Spaziergänger und Wanderer halten die kleinen Eulen, die auf Ästen oder am Boden sitzen, sehr oft für hilflose Vögel, die aus dem Nest gefallen sind und gerettet werden müssen. Sie nehmen die Tiere auf und bringen sie zur Greifvogelstation, wo sie dann, als vermeintlich Gerettete, aufgepäppelt werden müssen.

Jungvögel nicht mitnehmen

Die Greifvogelstation Berg am Irchel hat deshalb eine Medienmitteilung verschickt, um solche Fälle zu verhindern. Werden Ästlinge beobachtet, soll man die Jungvögel nicht mitnehmen und retten wollen. Man dürfe der Greifvogelstation nur verletzte Tiere bringen. Diejenigen Jungvögel, die trotz der Aufklärungsarbeit unnötigerweise dort landen, werden aber auch artgerecht aufgezogen und so bald als möglich wieder ausgewildert. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.03.2015, 14:42 Uhr

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