Albert Stahel wird ein Grünliberaler
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Es ist eine Art Fukushima-Effekt, der sich bis in den Gemeinderat Wädenswil auswirkt. Albert A. Stahel, vor einem Jahr für die SVP ins Stadtparlament gewählt, kehrt seiner Partei den Rücken und wechselt zu den Grünliberalen. Grund dafür sei die Atompolitik der nationalen SVP nach der Katastrophe im japanischen Fukushima.
Stahel sagt: «Im Herzen war ich immer grün.» Der überzeugte Velofahrer hat nie den Führerschein gemacht und er sagt: «Ich war schon immer für Ökologie.» Mit dem Strategie-Experten und ehemaligen Hochschuldozenten Stahel verlässt auch Sohn Andreas die SVP.
Präsident bedauert Entscheid
Der Präsident der SVP-Ortssektion, Erich Schärer, weiss erst seit gestern vom Austritt des bekanntesten Mitglieds der Ortspartei. In der Post fand er ein Schreiben Stahels. Schärer sagt, für ihn habe nichts auf einen Parteiwechsel Stahels hingedeutet. Am 1. Februar habe man mit allen Behördenvertretern eine Standortbestimmung vorgenommen und politische Ziele formuliert. «Da hat er nichts gesagt, dass es für ihn bei der SVP nicht stimme», sagt Schärer. Er hat die Situation überdacht und sich daran erinnert, dass man bei den letzten Vorlagen im Gemeinderat unterschiedlicher Auffassung war – bei der fünften Ferienwoche für Angestellte der Stadtverwaltung etwa oder bei der Wohnüberbauung an der Büelenstrasse. «Aber bei der SVP haben unterschiedliche Meinungen Platz», sagt Schärer. Man sei halt wirklich eine Volkspartei. Schärer bedauert, dass die nationale Politik zu Stahels Austritt geführt hat, weil er darauf keinen Einfluss hat. Und schliesslich sagt der Präsident: «Ich hätte verstanden, dass er als Parteiloser weitermacht. Der Wechsel zur GLP ist absolut überraschend.»
Jackpot für die GLP
Für die Grünliberalen in Wädenswil ist der prominente Zuwachs ein Glücksfall. Im vergangenen Juni hatten die Grünliberalen mit Kuno Spirig ihren einzigen Gemeinderat aus der Partei ausgeschlossen. Interne Differenzen hatten dazu geführt. Offiziell hatte die Parteileitung Spirigs Vorstossflut zur Überdachung des Bahnhofplatzes als Grund angegeben. Der Gemeinderat sagte damals, man habe ihn schon länger zum Rücktritt gedrängt, damit ein anderer nachrücken könne. Spirig blieb als Parteiloser im Gemeinderat. Mit Albert Stahels Wechsel kommen die Grünliberalen wieder zu einem Gemeinderat und zu einem politischen Neustart in der Stadtpolitik.
GLP-Präsident Pierre Rappazzo sagt, es habe keine Vorgespräche gegeben, und man habe Albert Stahel nicht abgeworben. «Er ist Direktdemokrat und liberal wie wir», meint Rappazzo. Die direkte Demokratie will die GLP künftig akzentuieren. Gemeinderat Stahel soll in Zukunft mit der Parteibasis im Hotel Engel die Gemeinderatssitzungen vorbesprechen. Das scheint wie eine Reaktion auf Kuno Spirigs Alleingänge: Durch die Sitzungen hat man mehr Kontrolle über Stahels Verhalten im Rat. Aber Rappazzo winkt ab: «Das Kapitel Spirig ist für uns abgeschlossen. Lokalpolitik muss in der Basis verankert sein.» Albert Stahel seinerseits wird seine politische Stossrichtung nicht ändern und sagt: «Ich bleibe so, wie ich bin.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.05.2011, 21:50 Uhr
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