«Alle fluchen über den Fluglärm - und doch kommen sie und gaffen»
Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 21.01.2010 10 Kommentare
Videos und Bilder der A380-Landung
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Die erste Landung in der Sc hweiz
(Video: Roman Weber)
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Unglaublich. Ein grauer, nebliger Morgen, zwei Grad unter null. Keiner würde freiwillig morgens um sieben über frisch gedüngte, stocksteif gefrorene Wiesen und Äcker stolpern. Und doch pilgerten gestern Mittwoch gegen 7000 Personen in 3000 Autos an die Pistenschwelle zwischen Oberglatt und Bachenbülach - einige von ihnen zogen weiter zum Flughafen. Auch das Flugfeld, auf dem der Riesenvogel nach der Landung abgestellt wurde, füllte sich schon im Morgengrauen. 22 142 Flugbegeisterte zählte der Flughafen, welche die A380 aus nächster Nähe anschauten, aber nicht betreten durften.
Kurz nach 7 Uhr war der Parkplatz bei der Imbissbude an der Pistenschwelle voll, Minuten später auch der zweite Parkplatz neben der Piste. In Oberglatt fand sich um halb acht kaum mehr eine Lücke. Gegen acht Uhr staute sich der Verkehr bei den Ausfahrten der Unterlandautobahn, die Polizei lotste die Autos mit Nummernschildern aus der ganzen Schweiz auf die Panzerpiste. Wer noch auf die Hügel unter dem Anflug kommen wollte, musste kilometerlange Fussmärsche in Kauf nehmen.
Halbschuhe und Hunde
Im Morgengrauen herrschte eine Mischung aus Seegfrörni- und Volksfestatmosphäre. Manager in Halbschuhen und Schale, Pensionierte, Ehefrauen, Experten mit Funkgeräten, Kinder, viele Hunde und noch mehr Fotoapparate. Neun Minuten zu früh, um 8.21 Uhr, löste sich aus dem Nebel ein riesiger Schatten. Ist ers oder nicht? Beim fast lautlosen Vorbeischweben dann die Gewissheit: Airbus A380 steht in blauen Buchstaben auf dem Rumpf. Der Superjumbo scheint wegen seiner enormen Grösse in der Luft fast stillzustehen. Er ist eindeutig leiser als all die kleinen Lufthansa- und Swiss-Flugzeuglein, die vorher vorbeigedüst waren.
Die Reaktionen bei den Zuschauern waren sehr verhalten. Ein paar vereinzelte Jauchzer, dann ein sehr dünnes Geklatsche. «Isch es das scho gsii?», fragt Manuela Marchel aus Schlieren enttäuscht, «ich habe ihn mir grösser vorgestellt.» Ihr Mann Marco, der beim EWZ arbeitet, hat extra einen Tag freigenommen. «Das musste ich einfach sehen.» Die beiden spazieren mit Hund Koni häufig in der Nordschneise.
Erste Jumbo-Landung gesehen
Pflicht war die Landung auch für Alex Schifferli aus dem aargauischen Mülligen. Er stand schon 1971 am Maschenzaun in Rümlang, als der erste Swissair-Jumbo landete. 20'000 Flugbegeisterte kamen damals, heute waren es noch mehr. «Das regt mich auf», sagt Alex Schifferli dezidiert, «heute fluchen alle über den Fluglärm, und doch kommt die ganze Schweiz, um zu gaffen.» Auch er ist vom Superjumbo eher enttäuscht. «Wegen seiner Breite wirkt er fast ein wenig plump, ich habe ihn mir länger vorgestellt.»
Freudig überrascht waren dafür all jene, die rund um die Pistenschwelle Kaffee, Zopf, Glühwein, Hotdogs, Maroni und Bratwürste verkauften. Bauer Ernst Maag vom Hof Wiesengrund hinter der Piste sagt. «So viele Leute habe ich hier seit 40 Jahren noch nie erlebt.» Der letzte Tropfen Kaffee hatte dankbare Abnehmer. Denn auch 50 Minuten nach der Landung war die Strasse zwischen Bachenbülach und Oberglatt noch immer verstopft. Tausende kamen gestern wegen eines Vogels zu spät zur Arbeit.
Der Superjumbo wird heute morgen voraussichtlich um 10 Uhr Richtung Süden starten und etwa auf der Höhe von Rümlang abheben. Die Kantonspolizei bittet Schaulustige dringend, mit dem Zug nach Rümlang zu fahren, weil entlang der Glatt nur wenige Parkplätze und auch keine gefrorenen Felder zur Verfügung stehen. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 21.01.2010, 11:24 Uhr
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10 Kommentare
so ein Affentheater wegen eines Flugzeugs habe ich noch nie erlebt! Ist das alles was diese Leute interessiert? Zum Pöstelen und Zvieri schnell mit dem Flieger nach NewYork, Lärm, Gestank verbreiten und sinnlos Resourcen verschwenden - das ist diesen Leuten einfach egal. Anderswo wird um ein Glas Wasser gekämpft... Antworten




