Alternativradio setzt Blocher-Interview ab
Von René Donzé. Aktualisiert am 10.12.2009 31 Kommentare
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Blochers Äusserungen:
Zum Samichlaus: Ich spiele seit 40 Jahren in unserer Familie den Samichlaus. Früher für die Kinder, heute für die Enkel. Letztere glauben noch immer daran und merken nicht, dass es der Grossvater ist. Ich spreche als Chlaus berndeutsch und bin schon 164 Jahre alt.
Über Weihnachten: Ich sitze an Weihnachten gerne zu Hause unter dem Christbaum. Ich geniesse die Stille, die Lichter, muss nichts machen, nichts entscheiden. Es kommen Kinder, Grosskinder, angeheiratete. Ich empfehle allen, die es können, über die Festtage nicht viel zu machen, zu geniessen: Guetsli essen, Kerzen anzünden und ausspannen. Dann sind sie im Januar bereit für den Alltag.
Zu seiner Kindheit: Ich war eher ein Lausbube, bin oft von zu Hause weggelaufen – manchmal auch nachts durchs Fenster. Im Rheinfallbecken hatte es im Winter Eis, da sind wir darübergegangen, obwohl es sehr gefährlich und streng verboten war; manchmal brach es auch ein.
Zu seiner Schulzeit: Ich war kein besonders brillanter Schüler. Es war mir langweilig, und ich habe nicht viel gelernt. Wenn ich konnte, dann machte ich anderes.
Über die Liebe: In der ersten Sekundarschule hatte ich ein ganz liebes Meitli als Freundin, aber sie wusste es nicht. Ich habe mich nicht getraut, ihr etwas zu sagen. Ich war in dieser Beziehung eher scheu. Darüber, wie ich mit meiner Frau zusammenkam, gibt es zwei Versionen. Gemäss meiner Frau geschah es im Zug von Zürich nach Wald. Wir kamen vom Theater, wo wir «Nathan den Weisen» von Lessing gesehen hatten, und unterhielten uns über das Stück. Ich dagegen glaube, es geschah in der Badi in Wald. Ich sah eine schöne Frau im Badekleid und sprach mit ihr. Das sind zwei Versionen: Die ihre ist auf etwas höherem Niveau.
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Der Journalistikstudent Sven Epting hat ein persönliches Gespräch mit Alt-Bundesrat Christoph Blocher (SVP) geführt. Er wollte es im Rahmen der von ihm gestalteten Sendereihe «Verzell» ausstrahlen. Dort kommen bekannte und unbekannte Menschen zu Wort. Doch bei Blocher legte die Redaktion ihr Veto ein, das Interview wurde abgesetzt, daraufhin zog Epting «Verzell» aus dem Programm zurück, wie der «Landbote» gestern berichtete.
«Harmloser ginge es fast nicht»
Seither hagelt es Kommentare im Internet-Gästebuch des Radios. «Kleinkariert, bünzlig, Zensur», schreiben die einen. Andere finden es richtig, dass Stadtfilter «nicht auch noch eine Blocher-Plattform sein will». Wie Stadtfilter-Kulturredaktor Dominik Dusek im «Landboten» erklärt, habe man das «reaktionäre Familienbild» Blochers nicht unkommentiert über den Sender lassen wollen. Redaktionsleiter Martin Wilhelm sagt: «Wir wollten kein privates Interview mit ihm. Er ist eine politische Person. Man hätte ihn politisch befragen und hinterfragen müssen.» Es seien aber auch schon Statements von ihm und anderen SVP-Exponenten ausgestrahlt worden. Der Alt-Bundesrat hat aus der Zeitung davon erfahren, dass seine Worte derartige Reaktionen hervorriefen. Er habe nach einem Vortrag in Zürich einem jungen Radiomann ein kurzes Interview gegeben, «harmloser ginge es fast nicht mehr». Er findet es bedenklich, dass ihm ein reaktionäres Familienbild vorgehalten werde, bloss weil er noch immer mit der gleichen Frau verheiratet sei, vier Kinder und sieben Enkel habe, mit denen er gerne im Familienkreis Weihnachten feiere.
«Dieser Entscheid war klar gegen mich und meine Politik gerichtet», sagt Blocher. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 10.12.2009, 04:00 Uhr



