Angebliche Absprache auf dem Winterthurer Kebab-Markt

In Winterthur wurden die Preise für Döner Kebab zu Jahresbeginn unisono auf 10 Franken erhöht. Die Kartellwächter haben den Fall geprüft.

Beliebte Take-away-Speise: Döner Kebab in Winterthur. (Archivbild)

Beliebte Take-away-Speise: Döner Kebab in Winterthur. (Archivbild) Bild: Keystone

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Wen es in Winterthur nach Döner Kebab gelüstet, der muss seit Jahresbeginn neu 10 Franken bezahlen. Die Kebabstandbesitzer haben gemäss dem «Landboten» unisono beschlossen, die Preise um einen Franken zu erhöhen. Gestützt auf mehrere Quellen berichtet die Zeitung von einer Preisabsprache.

Es sei nicht das erste Mal, dass sich die Chefs der Essensstände auf eine gemeinsame Preiserhöhung geeinigt hätten. Auch Anfang 2014 stiegen die Preise der türkischen Spezialität von 8 auf 9 Franken. Diese Erhöhung sei von den meisten Chefs der knapp ein Dutzend Betriebe beschlossen worden. Wer die Treffen jeweils organisiert, sei unklar.

Weko zweifelt an Illegalität

Handelt es sich dabei um einen Verstoss gegen das Kartellgesetz? Grundsätzlich sind in der Schweiz Preisabsprachen unter Konkurrenzbetrieben verboten. In diesem Fall zögert die Wettbewerbsbehörde Weko jedoch einzuschreiten, wie der «Landbote» berichtet. So ist offenbar unklar, ob der Döner Kebab ein eigener Produktemarkt im kartellrechtlichen Sinn darstellt. Vielmehr würden die Fleischtaschen zu einem grösseren Markt im Take-away-Bereich gehören.

Nach dieser Logik wäre es den Kunden jederzeit möglich, statt eines Kebabs ein Sandwich in einer Bäckerei zu kaufen. Der Wettbewerb auf dem Take-away-Markt bliebe also intakt. Zudem schätzt die Weko den volkswirtschaftlichen Schaden als eher gering ein. Ein aufwendiges Verfahren würde sich nicht lohnen.

Hartes Geschäft

Nichtsdestotrotz will sich die Weko ein allfälliges Einschreiten vorbehalten. Denn offenbar untersuchen Bundes- und Verwaltungsgericht zurzeit Absprachefälle in ähnlichen Branchen und Teilbranchen. Die Weko will, bevor sie in Winterthur aktiv wird, die jeweiligen Präzedenzurteile der Gerichte abwarten.

Schenkt man den Aussagen der Standbesitzer Glauben, so verdiene man mit dem Verkauf von Döner Kebab kein Geld, wie der «Landbote» schreibt. So handle es sich um ein Minusgeschäft, das sich im Grunde erst ab einem Preis von 15 Franken lohnen könne. (mrs)

Erstellt: 26.01.2016, 11:01 Uhr

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